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vietnam ׀ ninh binh und halong – exkursion in zwei landschaftsgemälde

29. Mai 2018

zwei orte gibt es, die wir in der planung aufgrund zeitmangels nicht mehr so recht unterbringen konnten. einmal die zauberschöne ninh binh provinz, die mich spontan auf bildern begeistert hat, zum anderen die halong bucht, die wohl jeder im zusammenhang mit vietnam kennt. bei der halong bucht war ich mir gar nicht sicher, ob ich die überhaupt sehen muss. klingt komisch, ist aber so. stefan meint allerdings, dass ich es irgendwann vielleicht bereue nicht dagewesen zu sein, und ich denke er hat recht. deshalb planen wir beides als tagesausflüge von hanoi aus ein.

vietnamesische butterfahrt

da es mit öffentlichen verkehrsmitteln an einem tag ein ding der unmöglichkeit ist, nach tam coc in die ninh binz provinz zu kommen, müssen wir mal wieder mit auf kaffeefahrt. am ende ist es egal, weil wir davon ausgehen, dass der ort eh total überlaufen ist. egal wie wir hinkommen. dennoch möchte ich nicht darauf verzichten.

also lassen wir uns morgens um 8 uhr direkt vorm hotel einsammeln und machen uns mit dem klein-bus auf richtung ninh binh provinz. die truppe an bord ist bunt gemischt. asien, holland, frankreich, osteuropa. über land- und schnellstraßen sind wir ca. drei stunden unterwegs, bis die landschaft um uns herum immer hügeliger wird. teilweise sind die sonst bewachsenen berge abgetragen, steinbrüche blitzen im unterbrochenen grün.

ein mürrischer büffel und eine androgyne königin

der erste zwischenstopp führt uns nach hoa lu, gegründet im jahre 968 war sie die erste hauptstadt des landes. auf dem gelände der alten zitadelle wurden zwei tempel für die könige dinh und le errichtet. der ghetto-gangster-büffel mit seiner goldenen kette und seinem extrem mies gelaunten gesichtsausdruck, der uns auf dem gelände empfängt, ist mega lustig. ehrlich gesagt sind wir sonst nicht so richtig bei der sache. es ist viel zu heiß, um den erklärungen unseres guides aufmerksam zu folgen. dazu kommt, dass er nicht immer deutlich zu verstehen ist. die vietnamesen haben oft einen lustigen akzent. wir hören nur mit einem ohr zu und wundern uns über die statue der gattin der könige (sie hat praktischerweise beide geheiratet), die angeblich auf der linken seite eines tempels steht. wir sehen nur eine sehr männlich aussehende statue mit kinnbärtchen. hm? ist sie das? oder hat der guide eine rechts-links-schwäche wie ich? am ende folgen wir einfach immer im gänsemarsch der truppe. nach einer guten stunde sitzen wir wieder im bus und nach einer weiteren halben stunde steigen wir auch schon in zweiergruppen ins boot. das ist der teil, auf den ich mich so gefreut habe.

eine landschaft, wie ein gemälde

überraschenderweise sind auf dem fluss weniger boote unterwegs, als erwartet. ich dachte, es geht hier ähnlich heiß her wie auf dem fluss in hoi an, wo ein boot das andere schiebt. aber nö. manchmal schwimmen zwar ein paar mehr boote um einen herum, aber es ist dennoch erstaunlich ruhig. die landschaft ist einfach atemberaubend schön. eingerahmt von mit sattem grün betupften kalksteinfelsen und umgeben von leuchtend grünen reisfeldern gleitet unser boot sanft durchs wasser. um uns herum ist es meist wunderbar still. nur die grillen zirpen und von weitem hört man die gedämpften stimmen der mitmenschen auf dem fluss. unbewusst und fasziniert von der wunderbaren umgebung fahren hier alle die lautstärke runter. die szenerie ist wirklich perfekt.

unsere bootsfrau, von der wir nur wenig sehen, da sie sich mit hut und mundschutz quasi komplett vermummt hat, schippert uns mit gleichmäßigen fussschlägen durchs wasser. die meisten bootsfahrer hier sind frauen, und alle paddeln sie mit den füßen statt mit den händen. eine interessante und ausgefeilte technik. vor allem total praktisch, da man so gleichzeitig noch den sonnenschirm und das handy in den händen halten kann. so schippern wir mit den monotonen geräuschen des ruderns durch die perfekte naturkulisse. abschalten und entspannen. einfach nur den grandios schönen ausblick genießen. die nassen paddel unserer vordermänner glitzern in der sonne. von weitem sieht man bunte schirme und naturbelassene kegelhüte in dunklen felsöffnungen verschwinden. drei höhlen durchfährt man auf dem weg. je nach wasserstand heißt es kopf einziehen und vor den teilweise tiefhängenden stalaktiten in acht nehmen.

schwimmende mini-märkte

nach ca. 45 minuten erreichen wir den wendepunkt. unser guide hatte uns schon vorgewarnt, dass uns dort zahlreiche boote mit schwimmenden mini-märkten erwarten. außer, dass man obst, getränke und kleine snacks kaufen kann, wird man von den frauen angehalten, für die bootsfrau etwas zu kaufen. wir entscheiden uns dagegen und geben ihr lieber am ende ein großzügiges trinkgeld. auch darauf hat man uns vorbereitet. einige der frauen fordern angeblich schon unterwegs ihr trinkgeld ein und werden schon auch mal zickig, wenn es für sie nicht genug ist. aber, nicht bei uns! wir drei haben eine total entspannte fahrt, am ende gibt es trinkgeld und ohne nachzuzählen winkt sie uns freundlich zu und wünscht uns noch einen schönen tag. same same. das gleiche für sie.

die anschließende fahrradtour lassen wir sausen. nach eineinhalb stunden brutzeln in der sonne reicht es für den tag. müde vom nichtstun und glücklich über den schönen tag lassen wir uns nachmittags in den bussitz fallen.

ha la la la la long

unser zweiter tagesausflug führt uns mit vier stunden busfahrt pro weg in die halong bucht. heute sind tatsächlich wir diejenigen, die dem guide mit stab inklusive stofftierchen folgen. hatten wir uns nicht erst ein wenig über solche gruppen lustig gemacht? tja, so läufts. auch heute finden sich wieder alle nationalitäten in der gruppe und auch unser heutiger guide ist manchmal schlecht zu verstehen. nach ankunft auf unserem schiff gibt es erst mal essen. sehr ambitioniert gibt es quasi alles, was die küche hergibt. fisch, garnelen, nudeln, reis, fischtaler, gemüse, pommes und zum nachtisch leckere melone. leider ist es mengenmäßig viel zu viel was sehr bedauerlich ist, da die reste sicherlich in die tonne wandern. die menschen in der gruppe sind etwas aufgeschlossener als beim letzten mal. während des essens plaudern wir und tauschen uns ein bisschen aus. deshalb hat keiner so recht bemerkt, dass wir schon abgelegt haben. die ersten kalksteinfelsen tauchen dicht neben uns auf. ingesamt ragen 1969 zumeist unbewohnte felsen aus dem wasser, die zum teil mehrere hundert meter hoch sind. gefühlt haben wir uns grade aufs oberdeck begeben, da müssen wir auch schon wieder nach unten und runter vom boot, um eine höhle zu besichtigen.

im feen-himmel

unser guide ist cool. total euphorisch und verzückt führt er uns in die ‚himmlische höhle‘ (thien cung oder heavenly palace), in der feen tanzen und man in den steinformationen allerlei skulpturen entdecken kann. sie ist wirklich unglaublich beeindruckend. in einem 130 m langen raum finden sich unzählige stalaktiten und stalakmiten, die sich zu teils bizarren, aber aufregend schönen, mitunter dramatischen gebilden formieren. „can you see the toto?“, fragt uns tung, der guide, mit leuchtenden augen. leicht verwundert schaue ich ihn an. zu toto fallen mir spontan nur die toiletten in japan ein. mein blick wandert zurück zum fels. eine toilettte? echt jetzt? zwischen feen und elfen? ich flüstere stefan zu: „was meint er, was man da sehen kann? ein toto?“ stefan lacht sich kaputt. „eine turtle. eine schildkröte!“ ahhh. stimmt. jetzt erkenne ich sie auch. gott sei dank. gerade war der mystische zauber für einen moment verflogen. es braucht öfter ein bisschen fantasie, um die englischen worte richtig zuzuordnen. wir steigen stufen hinauf und hinab, klettern durch kleine durchgänge und ducken uns unter steinernen vorhängen, bis wir den faszinierenden ort schon wieder verlassen müssen.

team deutschland

zurück auf dem boot cruisen wir wieder durch die schroffen felsen im wasser, um schnell beim nächsten programmpunkt zu landen. boot oder kajak fahren. ich bin für kajak, stefan ist allerdings nicht so begeistert, da wir eh schon total verschwitzt sind und dann noch paddeln in der prallen sonne? als er aber sieht, dass alle jungen menschen in die kajaks steigen, lässt er sich doch überreden. ; ) in unserem letzten costa rica urlaub hat das mit dem team-paddeln noch nicht so gut geklappt, aber mittlerweile sind wir auch darin ein eingespieltes team. gleichmäßig gleiten wir in der teilweise schattigen bucht durchs seichte wasser, erkunden dunkle höhleneingänge und lassen uns vor der kulisse der halong bucht treiben. schön isses.

als wir wieder anlegen, beobachten wir amüsiert zwei asiaten, die wahrscheinlich das erste mal in einem kajak fahren. schon ein paar meter draußen kämpfen sie sich mühsam vorwärts. ihr guide an land versucht sie übers megaphon anzuleiten. „rechts – links – wieder rechts. nein, beide zusammen auf einer seite.“ aller anfang ist schwer.

teechen und gebäck

leider sind unsere klamotten ziemlich nass geworden. vor allem die kurzen hosen, da im kajak doch ein bisschen wasser stand. an ersatzklamotten haben die wenigsten von uns gedacht. aber da müssen wir jetzt durch. zurück an bord gibt es noch winzig kleine tässchen tee und eine art gebäck in zuckerwürfelform. steckt man sich die kleinen würfel in den mund, zerfallen sie quasi zu staub. sehr speziell, aber nicht unlecker. ; )

lieber von oben

kaum sind wir auf dem oberdeck um noch ein paar fotos zu schießen, geht es auch schon wieder zurück richtung bootsanleger. immerhin stehen uns noch vier stunden rückfahrt bevor. der ausflug war schön, keine frage. aber die halong bucht an sich hat mich jetzt nicht so fasziniert, wie zum beispiel ninh binh. ich denke hier ist es um ein vieles spektakulärer, die felsen der bucht von oben zu sehen, als um sie herum zu fahren. deshalb sollte man sich vielleicht doch etwas mehr zeit nehmen und nicht nur die bootsfahrt buchen.
 
 

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