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vietnam ׀ hoi an – leuchtende laternen und farbenfrohe baumwollfrüchte

17. Mai 2018

wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, in hoi an ist eine sekte am start. egal wo man hinschaut, begegnen sie dir. hauptsächlich männer, aber auch frauen, kinder und sogar babys sind betroffen. die rede ist von der sekte der frucht-hemdenträger. die ganze stadt ist bevölkert von ihnen. vorwiegend banane, aber auch melone und ananas sind am start. lustig ist, dass stefan bei der ersten begegnung mit einem bananen-hemd meinte: „das ist ja witzig!“. genau das, finden die anderen 1000 wohl auch ; )

blitz-anreise

von da nang bis hoi an haben wir die bisher kürzeste anreise von ort zu ort. vierzig minuten sind wir mit dem mini-van unterwegs. und das auch nur, weil noch ein paar leute eingesammelt werden. bei der fahrt wird drastisch sichtbar, was hier schreckliches passiert. da nang explodiert. überall großbaustellen. riesige betonbunker werden in die landschaft gesetzt. definitiv masse statt klasse. die hauptstraße ist teilweise baustelle. einige alte einfamilienhäuser stehen verlassen und entkernt direkt an der straße. dahinter strahlen moderne neubauten. manche häuser haben zerfressene mauerreste, da vorne zimmer entfernt wurden, um platz für den neuen, breiten verkehrsweg zu machen. der zubringer ins betonbunker-paradies.

unkompliziert

auf dem weg sehen wir an den straßen und auf den gehwegen oder in den hofeinfahrten immer wieder große planen liegen, auf denen reis und erdnüsse getrocknet werden. nicht selten schlurpt oder fährt jemand mit dem moped drüber. total unkompliziert. genau wie die sache, dass ganze familien auf dem roller oder moped mitfahren. in gedanken sehe ich die ausrüstung einer deutschen familie in ihrem mini-van. maxi-cosi für die kleinen, schalensitze für die großen, sicherheitsgurte. hier sitzt das baby auf dem arm der mutter, das kleinkind steht vor dem fahrer und hält sich am lenker fest. falls ein weiteres kind vorhanden ist, klemmt das noch zwischen vater und mutter. und manchmal ist sogar der familienhund dabei. so geil…

ankunft in hoi an. ich bin sehr gespannt. bisher ist vietnam nicht so, wie ich es mir eigentlich vorgestellt habe. ich kleine romantikerin dachte, es ist alles noch sehr ursprünglich. das ist es vielleicht auf dem land. aber in den innenstädten keineswegs. kein vergleich zu manchen stadtteilen in indien oder nepal. alles viel europäischer. moderner. unser hostel ist ganz cool. sehr zentral und mit mega-nettem personal. wir bleiben vier nächte und unser zimmer ist groß und hell. leider liegt es direkt über dem restaurant, in dem gerne mal die musik aufgedreht wird und wir wohnen direkt über der bose-box und springen, dezent übertrieben, rhythmisch zum bass im bett auf und ab.

teilzeit-stubenhocker

da unser zimmer so schön und kühl ist, nehmen wir uns am ersten tag zeit fürs schreiben und malen. allerdings fällt mir das bei dem untypischen krach, also der musik von unten, total schwer. kennt ihr das? wenn geräusche natürlich sind, zum beispiel wellengang am meer oder eine kaffeemaschine im cafe, kann man sich mittendrin auch konzentrieren. aber sobald ein fremdes geräusch dazu kommt, zum beispiel ein ständiges räuspern oder der ton eines nervigen handyspieles, konzentriert man sich auf dieses geräusch und kann sich da richtig schön reinsteigern. wie die mega laute musik. nicht gut. abends verlassen wir das zimmer kurz, um essen zu gehen. stefan hat beim rauchen tim kennengelernt, einen engländer, der hier seit ein paar jahren ein restaurant hat. tim ist so, achtung klischee-alarm, wie man sich einen engländer vorstellt. als wir kommen hat er schon ein paar bier intus und ist in redelaune. als ich ihn dann frage, wie er vor sechs jahren nach vietnam gekommen ist, gibt es kein zurück mehr. „grober fehler, die frage“, meint ein deutsch-franzose lachend, der hier stammgast ist, „jetzt ist er nicht mehr zu stoppen“.

am nächsten tag schlafen wir gemütlich aus und genießen dann das umfangreiche frühstücksbüffet. als uns eine mitarbeiterin fragt, wie wir geschlafen haben und ob wir uns wohlfühlen, spreche ich das laute zimmer an. und was soll ich sagen: eine halbe stunde später ziehen wir ein stockwerk höher. und: es ist himmlisch. das zimmer ist genauso schön und es ist um einiges ruhiger. den hotels und hostels ist wahnsinnig viel an einer guten bewertung gelegen. deshalb finde ich es nur fair, etwas zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt, anstatt später eine schlechte bewertung abzugeben. so sind am ende, wenns gut läuft, alle glücklich.

charmante altstadt

nach dem frühstück nutzen wir unsere gut funktionierende klimaanlage aus. draußen hat es unbarmherzige 36 grad. erst gegen spätnachmittag raffen wir uns auf und machen uns zu fuß auf den weg in die altstadt. stefan hatte schon prophezeit, dass es mir hier gefallen würde. und er kennt mich doch ziemlich gut. die stadt an sich ist nicht sehr groß, nur ca. 75 000 einwohner. die altstadt ist ein träumchen. sie versprüht einen ganz besonderen charme. autos und mopeds sind verboten. lediglich vor den fahrrad-rikschas und deren „ring ring“ oder „miep miep“-rufenden fahrer muss man sich ein bisschen in acht nehmen.

die wunderhübschen alten, restaurierten häuser beherbergen gemütliche cafes und tolle papeterie-läden. es gibt kunst und kitsch und traditionelles handwerk. hoi an ist unter anderem auch für seine vielen schneider bekannt. mehrmals werden wir von menschen auf der straße angesprochen. die fragen ähneln sich immer: woher wir kommen? wie lange wir bleiben? reicht die länge des aufenthalts aus, wird auf einen schneider in der familie verwiesen, der dir quasi über nacht einen anzug oder ein kleidchen schneidert. die preise sind günstig, aber wir lehnen die angebote dennoch dankend ab. der rucksack platzt so schon aus allen nähten. nach zwei, drei anreden überlegen wir kurz, am anfang des „unverfänglichen“ gespräches gleich zu sagen, dass wir morgen abreisen. ; )

dekorative farbtupfer

von den decken der zahlreichen ladengeschäfte und über den gassen hängen tausende, zauberhafte lampions und laternen in allen farben und variationen. knallbunte hauswände und blühende bougainvillea setzen sich gegenseitig wirkungsvoll in szene. wow, was für eine wahnsinnig schöne atmosphäre! wenn da, ja, wenn da nur diese vielen touristen nicht wären. ; )

eine berühmte sehenswürdigkeit der altstadt ist die japanische brücke. hoi an hatte einst den größten hafen in südostasien und war bedeutende handelsstadt an der seidenstraße. zahlreiche händlerfamilien aus japan und china siedelten sich damals in der stadt an, um ihre waren im ausland umzuschlagen. die stadt war zweigeteilt und die japanische brücke vereinigte damals das japanische und chinesische viertel. ehrlich gesagt finde ich die brücke jetzt nicht so bemerkenswert, aber das ist geschmackssache. was mich wirklich umhaut sind die vielen touristen, die hier unterwegs sind. wo kommen die plötzlich alle her? es scheint, als werden gegen abend massen von touris in bussen angekarrt, die dann von ihren guides mit fähnchen und stofftieren am „folge-stab“ durch die stadt geschleust werden. puh! das ist mir definitiv zu viel. wir flüchten wieder in die andere richtung, wo definitiv weniger los ist.

traditionelle hingucker

das schnucklige an vietnam ist, dass man hier wirklich noch die traditionellen kegelhüte (nón lá) aus reisstroh oder palmenblättern trägt. sowohl die einheimischen, als auch viele touristen. als sonnenschutz sind die wirklich spitze. und nein, ich trage keinen. : ) meistens habe ich gar nichts auf dem kopf, weil es mich immer beim fotografieren stört. und de facto müssen die armen einwohner mit ihren hüten und den obst- und gemüse-waagschalen immer für fotos herhalten und manche sind, natürlich auch mit recht, ziemlich genervt. anderen ist es dagegen einfach egal. auf dem gehweg sitzt ein mann und verkauft blumen der besonderen art. ein paar meter weiter verkauft ein blinder tiger balm. da mir seit ein paar wochen meine schulter weh tut, kaufen wir ihm ein döschen ab mit der hoffnung auf linderung der schmerzen. es soll auch bei insektenstichen helfen.

ein sagenhaftes lichtermeer

die dämmerung bricht langsam herein und verleiht dem alten stadtteil noch mal ein ganz anderes flair. die lampions funkeln und glänzen um die wette. an der promenade am fluss finden sich einige besonders schöne alte häuser, teilweise mit feudalen terrassen, in denen hauptsächlich restaurants untergebracht sind. laut rufend wird man in restaurants und zur bootsfahrt „eingeladen“. angezogen von den tollen, handgemalten alten bildern an der wand landen wir in einem einfachen, eher schlichten lokal. das essen ist nur mäßig gut und nicht sehr kreativ. da wir heute beide keine lust mehr auf menschenmassen haben, machen wir vor der großen menge kehrt und laufen die ruhigeren gässchen zurück zum hostel.

mein altes ich?

den nächsten tag handhaben wir wie den vorherigen. ausschlafen, frühstück, malen, kontaktpflege und gegen spätnachmittag raus in die hitze. wir wollen uns heute auf der straße durchfuttern, da uns gestern abend einige essensstände aufgefallen sind. eigentlich wollen wir direkt zum zentralen markt, aber die gassen sind so hübsch und bunt und lassen das fotografen-knipser-herz höher schlagen. es dauert doch ein bisschen länger. eine alte frau kommt mir auf der straße entgegen und wir lächeln uns freundlich an. ein paar minuten später, sehe ich sie entspannt am straßenrand sitzen. sie lächelt mir wieder freundlich entgegen. ich zeige auf die kamera, und erst ist sie nicht begeistert, aber dann nickt sie doch mit dem kopf und ich fotografiere sie. als ich mir später das foto betrachte, denke ich: gefühlt war sie irgendwie mein altes ich. genauso freundlich wie sie, möchte ich, wenn ich alt bin, mit leuchtenden augen die welt anlächeln können…

markttreiben

auf dem markt gibt es an den außenständen wieder hauptsächlich obst, gemüse und fisch. einige der frauen sind auf die hiesigen kräuter spezialisiert. unglaublich, wie das duftet! die frauen sitzen auf ihren kleinen hockern und halten gerne mal ein schwätzchen. wir kaufen eine schale mit gemischtem, schon geschnippeltem obst. es gibt so viele obstsorten, die ich noch probieren möchte. die verkäuferinnen sind meist irritiert, wenn man nur einzelne früchte kaufen will. gestern war es zum beispiel eine mangosteen. kennt ihr die? sehr lecker.

von der seite hören wir es rufen. „hello, hello“ und wir stoßen wir auf die angeblich besten banh trang nuong in hoi an. das sagt zumindest die frau hinter dem stand. optisch sieht die „vietnamesische pizza“, die wir auch schon in phnom penh probiert haben, sehr gut aus. den einheimischen scheint sie auch zu schmecken, neben dem stand knuspert es überall. in phnom penh mit würstchen, gibt es sie heute mit getrockneten shrimps. mit der frau am getränkestand tauche ich ab in die untiefen ihrer kühlbox, um zwei eiskalte softgetränke rauszufischen. mitten im geschehen, auf der treppe vor einem großen kaufhaus sitzend, verputzen wir unsere pizza und das zuvor gekaufte obst.

federvieh

gott sei dank werden die hühner vor uns lebend verkauft. ich hatte schon kurz bedenken ob… geschickt nimmt die verkäuferin das huhn an den beinen, umwickelt diese mit einer schnur und gibt die „ware“ kopfüber an das kleine mädchen, das hinten auf dem roller sitzt, weiter. sie scheint doch etwas ängstlich und am ende hängt das huhn, mit dem kopf nach unten, vorne bei der mutter am lenker des rollers. andere länder, andere sitten… das direkte vorfahren und einkaufen vom roller herunter ist sehr speziell, wird hier aber gerne praktiziert.

ab ins getümmel

hier, etwas abseits auf dem markt, trollen sich nicht ganz so viele touristen, wie in der nähe der japanischen brücke. aber da wir die halbinsel an hoi noch ein bisschen erkunden wollen, stürzen wir uns rein ins getümmel und überqueren die fussgängerbrücke über den fluss. auch auf dieser seite reihen sich die restaurants an der promenade aneinander. an kleinen ständen in den gassen gibt es allerlei süßkram. wir lassen uns von einem jungen mann zu pancake mit bananen überreden. dick garniert mit schokosoße und süßer milch.

satt und trotz der menschen relativ entspannt setzen wir uns am fluss auf ein paar poller und beobachten das geschäftige treiben. nachdem wir nacheinander allen bootsanbietern freundlich für das offerierte angebot gedankt haben, tauchen pünktlich zum sonnenuntergang, wie aus dem nichts, die illustren gruppen, die den stäben folgen auf, und bescheren den booten ein lukratives geschäft.

blinke-fisch, haarteil oder stickbild?

rechts neben mir lässt sich eine junge frau mit ihrem warenangebot nieder. lachend präsentiert sie mir ihren singenden blinke-fisch auf rädern. der ist lustig, aber nein danke. vielleicht der kleine hund mit brille und nervigem bellen? nein, leider auch nicht. fröhlich lachend, winke ich dankend ab. die nachbarn von stefan, ein paar bootsbesitzer, zünden sich eine art bong aus bambus an. geraucht wird allerdings normaler tabak. gleich davor breitet eine andere junge frau ihre ware aus. bilder mit kitschigen motiven, die teilweise bestickt sind, und haarteile. coole mischung. die haarteile laufen jedoch besser als die bilder. innerhalb kürzester zeit sind sie alle verkauft.

im reich der lampions

mittlerweile ist die sonne untergegangen und an den ständen leuchten zauberschöne, illuminierte lampions. einfarbig, bunt bedruckt oder von hand bemalt warten sie auf ihre neuen besitzer, die sie vielleicht in die welt hinaus tragen. die fahrt auf dem fluss hat mit romantik leider wenig zu tun, dafür tummeln sich doch zu viele boote im wasser. überall sieht man orangefarbene, reflektierende rettungswesten. als das stimmengewirr und der blinkefisch gefühlt immer lauter werden, nehmen wir abschied von unserem interessanten sitzplatz und schlendern glücklich und zufrieden zurück ins hostel.

strand gesucht!

mit dem roller düsen wir am nächsten tag in richtung meer. allerdings sagt uns der erste angefahrene strandabschnitt überhaupt nicht zu. auf dem relativ schmalen sandstreifen reiht sich liege an liege und es ist definitiv zu viel los. äh, nö. da wir heute mobil sind, suchen wir uns lieber ein schöneres plätzchen. nur mit mühe und unter zähneknirschen kriegen wir 5 000 der 10 000 bezahlten dong parkgebühr wieder zurück. schließlich standen wir nur 2 minuten. am nächsten strandabschnitt stellt sich erst knietief im wasser stehend heraus, warum hier niemand ist. das meer ist rau und die strömung ist ziemlich krass. äh, nein, das ist zu gefährlich. der dritte anlauf gelingt. in einem dorf nehmen wir einen kleinen pfad durch den wald und landen an einem schönen strandabschnitt, an dem es zwar auch liegen gibt, aber nur dezent. wir mieten uns zwei und lassen uns unter dem schirm nieder. das meer ist herrlich erfrischend. die stimmung perfekt. gegen abend treffen sich neben uns die einheimischen am strand. anfangs nur eine familie, kommen immer mehr leute dazu. die kinder quietschen und sandeln vergnügt im wasser, die erwachsenen genießen gemeinsam das mitgebrachte essen. ob sie das jeden abend so machen oder nur am wochenende?

nicht auf den ersten blick

anfangs etwas schockiert von den massen an touristen habe ich hoi an am ende doch ins herz geschlossen. es ist nicht ganz so charmant wie georgetown in malaysia, aber dennoch schön. leider sind die zukunftsaussichten für touristen, die sich eher abseits der massen wohlfühlen, nicht sehr rosig. es wird wohl immer mehr werden. ob das den einheimischen gefällt?
 
 

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