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roadtrip patagonien ׀ atemberaubende natur, fast für uns allein

12. Oktober 2018

die ersten tage in patagonien fühlen sich an, als wären wir mit unserem mietwagen namens heisenberg auf der flucht. tagsüber reißen wir kilometer runter, bei nacht checken wir in ein schnell gesuchtes zimmer ein. der zeitplan für unseren kombinierten argentinien-chile-roadtrip ist mal wieder (?) ein bisschen eng. was wollen wir anschauen, was nicht? wie viele tage/nächte benötigen wir wofür? nein, es ist kein naturphänomen, der viel bewunderte bunte blitz auf der ruta 40 in argentinien und der ruta 265 in chile. das sind wir…

der plan

dank unseres vermieters in valparaiso haben wir endlich eine lösung gefunden, wie wir patagonien bereisen können, ohne das budget über alle maßen zu belasten. auf seinen reisen durch patagonien sind michi die bunt besprühten camper von wicked aufgefallen (achtung! unbezahlte werbung!). ha, wer sagts denn. genau unser ding. und im gegensatz zu einem in deutschland angefragten mietwagen, um ein vielfaches günstiger. selbst wenn wir nicht im auto schlafen, weil es zu kalt ist. ein allrad-fahrzeug gibt es allerdings nicht mehr, und so buchen wir, mit einem klitzekleinen kloß im hals, einen normalen zweisitzer. wird schon werden.

alle wege führen nach patagonien

einen kompromiss müssen wir allerdings eingehen. wir müssen nach puerto montt fliegen und einiges mehr an kilometer in kauf nehmen, damit wir auch die ‚capillas de mármol‘ mitnehmen können. ursprünglich wollten wir weiter unten starten und dann nach ‚punta arenas‘ fahren. da gibt es aber die bezahlbaren camper nicht. der günstigste wisch für den mietwagen, den man braucht um die grenze überfahren, gilt für 15 tage. wir rechnen alles durch, stöhnen ein bisschen ob der kilometer, die wir an zwei oder drei tagen zurücklegen müssen, aber wenn wir uns abwechseln, schaffen wir das. yay! wir fahren durch patagonien!

von a über b nach c

mit dem bus fahren wir von ‚valparaiso‘ direkt an den flughafen nach ’santiago de chile‘. dort besteigen wir ein paar stunden später das flugzeug nach ‚puerto montt‘, und dann einen mini-van nach ‚puerto varas‘, wo wir uns für eine nacht ein zimmer gebucht haben. pierre aus frankreich empfängt uns in dem kuscheligen hostel ganz aus holz. „ein tolles haus“, schwärme ich. „von einem deutschen entworfen und gebaut“, schmunzelt er. es wirkt ein bisschen wie eine große hütte mit gemütlicher küche, einem tollen ofen und einem warmen, hübschen aufenthaltsraum. hier würden wir es auch ein bisschen länger aushalten. auch der ort am llanquihue-see scheint ganz nett, obwohl das wetter ziemlich nasskalt ist. aber, wir haben ja einen plan.

aufgeregt

nach einem schnellen frühstück gönnen wir uns ein taxi, da es draußen schon wieder regnet. ich bin ein kleines bisschen aufgeregt, unseren begleiter für die nächsten zwei wochen kennenzulernen. wie sieht er aus? was hat er drauf? pierre vom hostel lacht, als wir ihm vom camper der firma erzählen: „ja, das wird ein abenteuer. da habe ich schon tolle geschichten gehört“. er schiebt aber gleich noch nach, dass die menschen in chile und argentinien sehr freundlich sind, falls es probleme gibt und wir irgendwo stecken bleiben.

chuck norris und bruce lee fahren gerade vom hof

auf dem hof der company stehen die wildesten fahrzeuge. jedes gefährt ist mit einem anderen motiv besprüht. das meiste hat mit filmen oder serien zu tun. leider fahren chuck norris und bruce lee gerade vom hof. also das auto mit dem konterfei der beiden. schade, das wäre cool gewesen. aber wir haben auch glück. wir kriegen nicht das auto wo irgendwas mit sad life (trauriges leben) drauf steht, sondern den „breaking van“. yay! megacool. auf der einen seite sieht man das krasse konterfei von walter white aus der serie „breaking bad“, auf der anderen seite prangen zwei hühnchen neben dem schriftzug „los pollos hermanos“. dabei handelt es sich um eine fastfood-kette, ebenfalls aus der serie. „heisenberg“ ist der deckname walter whites in der drogenszene. deshalb taufen wir unser auto so. „breaking bad“ bedeutet übrigens so viel wie „vom rechten weg abkommen“.

heute mal ein serientipp

das schöne ist, dass wir beide die serie auch kennen und mögen und deshalb einen bezug haben. wer sie noch nicht kennt und die möglichkeit hat, sollte sie sich anschauen. es geht um einen eher spröden chemie-lehrer, der aufgrund widriger umstände (er wird krank und die kasse bezahlt nicht) zum rücksichtslosen, drogen-herstellenden kriminellen wird, der über leichen geht.

willkommen in der familie, heisenberg

diego übergibt uns das fahrzeug. mit ernstem blick weist er uns mehrmals eindringlich auf das kleingedruckte hin. ob wir das auch wirklich gelesen haben? äh ja, hüstel, prinzipiell schon. also mehr so überflogen. liest bitte irgendjemand drei seiten mit jeweils drei spalten kleingedrucktem? wer das tut, bitte kommentieren. das ist wie mit den nebenwirkungen bei medikamenten: liest man sie, lebt man in ständiger angst. wahrscheinlich würden wir das teil dann gar nicht mieten. kurz gesagt steht da, wenn irgendwas ist, bist du der depp. ich unterschreibe. ob er das denn gut macht? frägt diego uns. sympathischer kerl. der zweite vertrag, den er mit kunden abschliesst, erzählt er stolz. sein chef weilt im urlaub. er erklärt uns alles und wir hoffen inständig, dass er nichts elementares vergessen hat. das auto sieht okay aus. einfach. null servo lenkung. alles manuell. am lack schon ein paar macken, an der frontschutzscheibe zwei steinschläge. es ist günstig…

ähnlichkeiten rein zufällig

und los geht das neue abenteuer. auffallen ist definitiv erwünscht und die beste werbung für das unternehmen. und man fällt auf. ganz oft werden fotos gemacht oder die leute zeigen lachend mit dem daumen nach oben. oder, auch sehr lustig, die leute sehen stefan, dann das bild auf dem auto und amüsieren sich weil sie meinen, die beiden sehen sich ähnlich. yoah, da ist schon was dran. nach den ersten kilometern machen wir außerdem bekanntschaft mit den geräuschen, die heisenberg so drauf hat. die scheibenwischer quietschen und die lenkung macht teilweise lustige pupsgeräusche.

erste grenzerfahrung mit heisenberg

unsere erste etappe ist ein bisschen ein umweg, aber wir wollen auf nummer sicher gehen und wählen die besseren straßen. abwechselnd begleitet von wolken, regen und sonne fahren wir von ‚puerto varas‘ vorbei an diversen seen (lago llanquihue, lago puyehue) richtung grenze. ein „kuchen“-schild erregt meine aufmerksamtkeit und lässt uns in ein kleines, unscheinbares cafe einkehren. gemütlich ist anders, aber der kuchen schmeckt lecker und es gibt ein klo. wir winden uns den berg hinauf und oben, auf 1.314 metern höhe, am ‚paso cardenal antonio samoré‘, verlassen wir chile. der grenzübertritt selbst ist unkompliziert. vor der grenzstation parken wir das auto und betreten ausgerüstet mit pass und den unterlagen fürs auto das gebäude. als erstes werden die menschen erfasst, dann, an einem extra schalter, das auto. stempel in den pass, stempel auf den schrieb vom auto. das auto selbst bzw. das gepäck wird nicht mal inspiziert.

irgendwo im nirgendwo

dann kommt lange niemandsland. auf dem berg liegen noch vereinzelt schneereste und es gibt viele kahle bäume. der argentinische grenzübergang ist erst mal nicht in sicht. durch schneeregen und nebel erkennen wir vage felsige, weisse gipfel. in serpentinen schlängeln wir uns den berg wieder runter. dann die grenze. gleiches vorgehen. danach, wie auf knopfdruck, scheint plötzlich die sonne als wir richtung ‚lago nahuel huapi‘ kommen. die region um ‚bariloche‘, die auch die argentinische schweiz genannt wird, zeigt sich von ihrer besten seite. voll die schöne landschaft. hinter dichtem wald grasen auf saftigen, grünen wiesen (bestimmt) glückliche rinder und pferde. die pure idylle.

wo argentinien urlaub macht

‚bariloche‘ ist eines der wichtigsten touristenzentren argentiniens. im winter fährt die argentinische creme de la creme hier ski, im sommer wird im nationalpark gewandert. aufgrund der ähnlichkeit zur schweiz (in sachen dineros) lassen wir ’san carlos de bariloche‘ links liegen und fahren bis es dunkel wird am tiefblauen, rauen see entlang, noch ein ganzes stück weiter bis nach ‚el bolson‘. die ersten zwei tage sind wir wirklich nur auf der straße und versuchen, so viele kilometer wie möglich runter zu fahren, damit wir unsere eigentlichen ziele erreichen.

finde den fehler

an der tankstelle bin ich irritiert. mein blick fällt auf die zapfsäule und ich bin verwirrt über den betrag, der da steht. irgendetwas stimmt da nicht. ist das jetzt der betrag? oder die literzahl? ne, kann ja nicht sein. dann die erleuchtung. mist. wir sind ja jetzt in argentinien! andere währung. komplett vergessen. die kreditkarte muss herhalten. dass das mit dem geld holen ein echtes problem wird, wird uns erst später so richtig bewusst. nach einem kurzen snack in einem schnellimbiss fahren wir an eine hosteria und finden auf anhieb eine schöne, bezahlbare unterkunft. erschöpft fallen wir ins bett. am nächsten morgen geht es direkt weiter. noch ein tag mit unzähligen kilometern.

abenteuertourismus

morgens herrscht bestes aprilwetter. nass, kalt, regnerisch. es ist sonntag und der ort wirkt wie ausgestorben. der supermarkt ist natürlich dicht. gut, dass wir noch eine gut gefüllte essenstasche haben. in der provinz chubut wechseln wir auf die berühmte ruta nacional 40. die mit 5.301 kilometern längste nationalstraße argentiniens und dazu eine der längsten fernstraßen der welt. auf wikipedia steht, dass die straße auf einigen streckenabschnitten nur mit geländegängigen fahrzeugen befahrbar ist, „was ihre bezwingung zu einer besonderen herausforderung bei abenteuertouristen macht“. geländegängiges fahrzeug. pah! wir haben heisenberg! abenteuertouristen! also bitte.

dieses wunderbare gefühl

stefan wird zwischendurch mal leicht panisch, weil heisenberg so viel trinkt und die tankstellen rar gesät sind. diese weite ist wirklich schier unfassbar. man kann kilometerweit nach vorne schauen. und nach links. und nach rechts. da ist es wieder, dieses gefühl von freiheit. unabhängigkeit. niemand hält uns auf. sogar das wetter lässt sich von der guten laune anstecken. kleine steinchen im asphalt glitzern wie diamanten im sonnenlicht. am straßenrand stehen mini-tannenbäumchen vor kleinen seen und neben meinem fenster folgt uns minuntenlang ein regenbogen. sinnbildlich für ein feuerwerk steht eine explodierte wolke am himmel.

armadillos – „die kleinen gepanzerten“

unsere brotzeit genießen wir bei sonnenschein. im auto. draußen tobt der patagonische wind. an unseren autotüren warnen sogar aufkleber vor der wucht der luftstöße. türen beim öffnen immer schön festhalten. fehlt die tür, gibt es keinen ersatz. steht bestimmt auch im kleingedruckten. bei der weiterfahrt macht stefan erste bekanntschaft mit einem ganz besonderen tier. „pass auf“, rufe ich aufgeregt und halte ihn reflexartig am arm. er legt eine vollbremsung hin und gott sei dank, sind die kleinen scheisser schnell. ein mini-gürteltier rennt mit lichtgeschwindigkeit über die straße. so lustig, wie sich die kleinen füsschen flink über den asphalt bewegen. kaum da, verschwindet es auch schon wieder in der pampa.

traurig-schöne bekanntschaft

nachmittags wird es dann landschaftlich doch ein bisschen eintönig. nichts als pampa und von der seite bedrängt uns der stürmische wind. heute ist gürteltier-tag. leider ist die nächste begegnung ein bisschen traurig. eines der gürteltiere war leider nicht flink genug und liegt überfahren auf der straße. um es herum flitzt ein zweites kleines. wir halten seitlich an und ich locke das kleine, niedliche ding von der straße weg. es folgt mir sofort und rennt aufgeregt und verwirrt zwischen stefan und mir hin und her. so süss und bestimmt traurig. am liebsten würden wir es einpacken und mitnehmen. nach kurzer zeit rennt es noch einmal zum abschied nehmen zurück auf die straße, und macht sich dann in die pampa davon.

und wieder zurück nach chile

auch der ort ‚rio mayo‘ wirkt wie eine geisterstadt. weit und breit weder mensch noch tier. lustigerweise rollen noch zwei so lustige „westernbüschel“ über die straße. sehr passend. (achtung klugscheißer-wissen: die teile heißen übrigens steppenläufer. aber ich denke mit westernbüschel wissen auch alle, was gemeint ist). gegen 18 uhr sehen wir den ‚lago buenos aires‘. ob wir es vor sonnenuntergang noch zur grenze schaffen? ein versuch ist es wert. rund um den see ist es megaschön. am horizont glänzen die schneebedeckten berge, rechts und links scheinen die hügel wie abgesägt. hohe platanen stehen wie wächter am ufer des sees.

frechheit siegt (nicht immer)

vor uns zuckelt ein kleines auto und stefan überholt noch frech, ohne zu wissen, dass wir gleich an der grenze sind. nicht immer ist ein auffälliges auto von vorteil. denn natürlich treffen wir die zwei frauen am schalter und sie reden offensichtlich mit der grenzbeamtin über uns. obwohl wir vor ihnen angekommen sind, sind sie schneller wieder draußen. zwischen den grenzen überholt stefan sie noch einmal. ts ts ts. dennoch sind sie wieder vor uns fertig. als sie gehen, lache ich sie freundlich an und winke.

schnauze voll

im kleinen städtchen ‚chile chico‘ auf der chilenischen seite des sees, der hier ‚lago general carrera‘ heisst, suchen wir uns vor ort ein zimmer. das erste, welches wir uns anschauen, ist nicht sehr einladend, hat ein gemeinschaftsbad und ist dafür definitiv zu teuer. no gracias. der zweite hotel-besitzer lässt ein bisschen mit sich handeln. das zimmer hat seine beste zeit auch schon hinter sich, aber wir haben immerhin ein eigenes bad und es gibt eine heizung. seit wir in heisenberg unterwegs sind und die heizung angeschalten haben, brüte ich eine schöne erkältung aus. der husten und der schmerz in der brust deuten zudem auf eine bronchitis hin. grmpf. und natürlich, das bleibt nicht aus, stecke ich stefan auch noch an.
die restaurantsuche gestaltet sich schwierig, da auch hier alles zu ist. wir landen vor einem bunten, leicht esoterisch angehauchten laden. als ich die tür öffne, muss ich herzlich lachen. wer steht hinter der theke? die zwei frauen von der grenze. auch sie lachen herzlich und wir beide setzen uns und bestellen etwas zu essen.

angeschlagen

die nacht geht so. mein husten lässt mich unruhig schlafen und ziemlich gerädert verzichte ich erst mal aufs frühstück. mein lebensverbesserer versorgt mich am bett mit heißem tee und keksen. etwas später, nach einer heißen dusche fühlt sich das ganze etwas besser an. 105 kilometer schotterpiste warten auf uns. dafür ist die landschaft entlang der ruta 265 am ‚lago general carrera‘ mega schön. und was haben wir für ein glück, denn auch das wetter ist wieder auf unserer seite.

zauberschön

zwischen riesigen felsen wähnt man sich anfangs im land der apachen. lachend summen wir die melodie von winnetou. nur die pick-ups, die uns ab und an entgegen kommen oder überholen, passen nicht ganz ins bild. der gaucho auf seinem pferd, der uns freundlich grüßt, schon eher. wir halten an und beobachten zwei kondore, die sich entspannt vom wind durch die lüfte tragen lassen und lauschen dem plätschern kleiner wasserfälle. aber, meistens wenn man anhält, und das tun wir öfter, hört man… nichts… entweder blickt man ins weite tal zum weissbedeckten gebirge oder auf teile des stillen, türkisblauen sees. zauberschön. je näher wir ‚puerto guadal‘ kommen, desto mehr farmen und häuser säumen den weg. flauschige kühe mit glänzendem fell schauen gelangweilt kauend über den zaun und sogar ein fasan huscht über die straße.

lauschig

da die unterkünfte am eigentlichen ziel ‚puerto rio tranquilo‘ unterirdisch teuer sind, machen wir es wie viele touristen und übernachten im 60 kilometer entfernten ‚puerto guadal‘. vor einem kleinen supermarkt entdecken wir ein „cabañas“-schild und fragen nach. hach! es könnte schöner nicht sein. am frühen nachmittag ziehen wir in ein kleines häuschen nebst küche und warmem holzofen ganz für uns allein. endlich habe ich mal wieder in ruhe zeit zum schreiben. ich kuschle mich in einen sessel ganz nah am knisternden kamin, und schlürfe erst mal einen heißen tee. so fühlt sich die erkältung nur halb so schlimm an. abends kochen wir uns was leckeres, bemerken den regen draußen und versenken uns in der hübschen blümchen-bettwäsche.

on the road again

zurück auf dem schotter beobachten wir, wie der see je nach position spektakulär die farben wechselt. von sattem türkis in ein zartes pastell, dazwischen ein sehr unwirkliches blau. faszinierend. zwei wicked-camper (immer noch unbezahlte werbung) kommen uns entgegen und alle hupen wir und winken wie verrückt. als würde man alte bekannte treffen. plötzlich erscheint ein krankenwagen im rückspiegel. das ist allerdings nicht so lustig, wenn man in dieser einöde lebt. bis hilfe naht, dauert es ganz schön lange. hoffentlich kein krasser notfall. es regnet leicht. hm? das war so nicht geplant. aber wir sind hier in patagonien. als wir im mini-kaff ‚puerto rio tranquilo‘ ankommen, wird es schon wieder heller. viel los ist hier nicht. ein paar kleine boote liegen im wasser, touristenhorden sehen wir aber keine.

mit moses über den see

wie läuft das hier? richtung see entdecken wir ein paar holzbuden und fahren etwas näher ran. ein mann läuft uns winkend entgegen. ob wir zu den „capillas“ (kapellen) wollen? si, das wollen wir. nichts los gerade, erklärt er uns. die meisten touristen kommen wohl erst nach dem mittag und er fährt eigentlich erst, wenn ‚moises/moses‘, so heißt das boot, mit sechs leuten besetzt ist. meist so gegen zwei oder drei uhr mittags. mist. jetzt sind wir extra früh dran, damit wir gleich wieder das größte wegstück zurück fahren können, und jetzt das. wir schauen zu den hütten, ob es vielleicht noch andere anbieter gibt? aber jorge, so heißt der gute mann, lässt uns erst mal nicht aus den augen. ein anderes auto fährt auf den parkplatz und ein junger mann nebst kleiner familie steigt aus. wenn das mal keine touristen sind. die drei wollen sich die marmorhöhlen ebenfalls ankucken und daraufhin macht uns jorge das angebot, dass wir für 15.000 pro person direkt losfahren können. der kleine junior darf umsonst mit. wir beratschlagen uns kurz und sind alle einverstanden. ehrlich gesagt weiß ich nicht mal, ob der preis okay ist. aber wir sind alle froh, dass es direkt los geht.

wunder der natur

erst verschwinden alle noch mal ins baño, bevor wir gemeinsam zum boot laufen. dann stellen wir uns kurz gegenseitig vor, tauschen küsschen auf die linke wange aus (das macht man hier so, auch wenn man sich gerade erst kennenlernt), und steigen zu jorge und jonathan ins boot. die küssen uns allerdings nicht. aber die beiden sind ein glücksgriff. wir haben so viel spaß. victor, alejandra und victor junior kommen aus coyhaique in chile und haben natürlich den vorteil, dass sie alles verstehen was jonathan uns, leider nur auf spanisch, erklärt. wir kapieren zwar nicht mal die hälfte, aber wir haben augen. und die und das hirn sind begeistert. die unterschiedlichen strukturen und farben der steine über und unter wasser, die oberflächen, die tunnel und durchgänge und dazu das glasklare, türkisfarbene wasser – megaschön. also ich bin begeistert. jorge lenkt mit elan das boot, fährt zwischendurch mal schlangenlinien und macht immer wieder kleine scherzchen für und mit victor junior. jonathan, definitiv der seriöse der beiden, schüttelt zwischendurch immer wieder (schmunzelnd) den kopf.

nebenschauplätze

im laufe der jahre haben die männer natürlich einige figuren oder tiere in den steinen rund um die höhlen entdeckt, die sie uns stolz präsentieren. elefanten, eine schildkröte und sogar eine mumie. „wuuuuaaaaaah!“, schallt es aus jorges ecke vom boot. victor junior und wir lachen uns kaputt. der kleine hat sichtlich spaß, singt mit jorge sogar ein chilenisches elefantenlied und teilt seine schokodrops mit uns. okay, wir kriegen jeweils nur ein klebriges, aber immerhin. selbst das wetter hält sich. es ist frisch, aber trocken. dann meint jorge, wir sollen unsere kameras oder smartphones auf videomodus umstellen. okay, haben wir. er gibt gas und umrundet in einem affenzahn und in immer größer werdenden kreisen die hübsche marmorkathedrale. voll gut, der effekt und wieder ein riesenspaß, wie wir über den see spänen. also wer in ‚puerto rio tranquilo‘ die ‚capilares de marmol‘ anschauen möchten, sollte nach jorge, jonathan und ‚la ruta del marmol con corvita‘ fragen (findet man auch auf facebook). wir können die zwei nur weiterempfehlen (und auch hier unbezahlte, aber dennoch begeisterte werbung).

auf ein instant-süppchen für drei

glücklich und zufrieden steigen wir nach ca. 2 stunden wieder in unseren heisenberg, und fahren erst mal zurück nach ‚puerto guadal‘, wo wir uns in der sonne auf unserem gaskocher ein heisses instant-süppchen kochen. als ich mit dem heißen, dampfenden becher zu einer parkbank laufe, werde ich von einem hund verfolgt, der verzückt seine nase in richtung suppe streckt. da steht wohl einer auf instant-suppen? mit seinen großen, braunen kulleraugen starrt er mich durchdringend an. zwischendurch kuckt er immer mal wieder so halb verlegen nach unten. grmpf. ich weiß nicht, wie andere das machen, aber ich kann da nicht hart bleiben. also teile ich drei große gabeln instant-nudeln mit ihm, in dem ich sie neben der bank auf dem boden platziere. ratz fatz sind sie vom asphalt geschlabbert. zum nachtisch gibts dann noch nen keks. für alle. auch für den hund. natürlich. dann legt er sich zufrieden neben das auto. süß! mitnehmen können wir ihn leider nicht, auch wenn er sich neben die tür stellt, als wolle er mit ins auto einsteigen.

mei, isch des schön!

frisch gestärkt geht es auf der gleichen strecke der ruta 265 wieder zurück. gar nicht schlimm, denn die landschaft ist einfach wie aus dem bilderbuch. das wetter ist dieses mal noch besser und wir haben von der anderen seite noch mal einen anderen blick. man kann sich gar nicht satt sehen. und ich kriege mich nicht mehr ein. das ist so schön! so geht es wohl auch den fünf kondoren am himmel, die unermüdlich ihre kreise ziehen. in der nacht zuvor muss es wohl ganz schön geschüttet haben, denn auf weiten teilen der strecke sind arbeiter zugange, die große steinschlag-brocken zur seite räumen.

wie immer mindestens plus eine stunde

da wir ständig halten um zu fotografieren, die gegend zu bewundern oder tiere zu beobachten, brauchen wir mal wieder ganz schön lange, bis wir zurück in chile chico sind. wir beschließen nicht lange zu suchen und direkt in das hotel vom letzten mal einzuchecken. direkt gegenüber der polizei, die schon das letzte mal etwas kritisch unser vor der polizeistation geparktes gefährt beäugt hat. da mussten wir doch gleich mal ein bild „stellen“.

alles in allem war der erste ausflug fahr- und kilometermäßig ein ziemlicher aufwand, aber ich wollte die ‚capillas de mármol‘ unbedingt sehen. ich finde, es hat sich auf jeden fall gelohnt. alleine die spektakulären aussichten während der fahrt auf der ruta 265 waren das ganze wert. jetzt ist argentinien wieder dran. mal sehen, was uns dort erwartet.
 
 

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kommentare

  1. Hallo Christine,
    Das sieht ja super beeindruckend aus. Echt wahnsinnig was die Natur so alles hervorbringt.
    Bin schon gespannt, wo euch der Road Trip weiter hin führt 🙂
    Habt ihr schon einen Rückflug? Oder wird das eine Überraschung? 😀
    Ganz liebe Grüße und eine schöne weitere Reise
    Anna

    1. hallo anna! patagonien ist wirklich unglaublich beeindruckend! es kommt noch ganz viel schönes! und jaaa der rückflug steht tatsächlich schon. aber man will noch nicht so recht drüber reden ; ) ein paar wochen haben wir ja noch.
      vielen lieben dank für die guten wünsche und ganz liebe grüsse zurück in die schöne heimat, auf die wir uns auch sehr freuen!
      christine & stefan

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