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roadtrip neuseeland ׀ wenn der berg aoraki/mount cook ruft

1. August 2018

so wie es ausschaut, ruft der berg wohl ganz schön viele touristen. wen wunderts! ist der anblick nicht grandios? der mount cook nationalpark im mackenzie district hat mit dem ‚lake tekapo‘, dem ‚lake pukaki‘ und den südalpen einiges anzubieten. die zimmersuche gestaltet sich deshalb auch mehr als schwierig und wenn wir dachten in kaikoura war es teuer, werden wir hier noch mal eines besseren belehrt. preismäßig ist unsere residenz ein luxusapartment. in einem winzigen ort namens twizel.

unvergessliches christchurch

wir wundern uns nicht wirklich, dass unsere gastgeberin am morgen der abreise nicht da ist. über eine textnachricht verabschieden wir uns, beglücken unseren lieblings-riesendiscounter noch mal mit unserer anwesenheit, um uns für die nächsten selbstversorger-tage einzudecken, und lenken franz-josef dann raus aus dem stadtteil addington und rauf auf den state highway 1.

weiter gen südwesten

bisher hat uns die nordinsel landschaftlich während der fahrt besser gefallen. viel mehr grün und diese wunderschönen hügel. auf der südinsel ist es doch deutlich kälter und daher auch eher braun als grün. der morgenfrost verweilt auf den gräsern, bis die sonne das wasser verdunsten lässt. das ergebnis sieht dann aus, wie der gut gepflegte sommerrasen bei uns im winter. nicht so toll. ist die landschaft etwas flacher, sieht man immer wieder akkurat gepflanzte reihen von riesigen hecken und bäumen. wahrscheinlich um dem wind, der über die landstriche fegt, ein wenig die puste zu nehmen. unter einer brücke liegt ein breites, ausgetrocknetes flussbett in der sonne. allzeit bereit, die wassermassen der schneeschmelze im frühling wieder aufzufangen. je näher wir dem mackenzie district kommen, desto mehr weiße berggipfel blitzen in der ferne. das wetter ist traumhaft, wir haben gute sicht und man könnte alle fünf minuten anhalten, um dieses geniale panorama einzufangen.

lake tekapo und der erste, große touristenstrom

auf dem weg nach twizel, wo wir die nächsten tage wohnen werden, machen wir nach 3 stunden fahrt halt am ‚lake tekapo‘. sicherlich eine der sehenswürdigkeiten auf der südinsel, die jeder neuseeland-reisende mitnimmt. und eine der attraktionen, die bequem mit dem bus angefahren werden kann. deshalb wimmelt es hier auch von touristen/asiaten. sorry, dass ist jetzt gar nicht böse gemeint, eher liebevoll humorig, aber an orten, die man sich ein bisschen erarbeiten muss, sind nicht sooo viele asiaten zu sehen. kann man das ziel aber direkt mit dem bus anfahren, findet man sie in scharen. alle raus aus dem bus, fotos machen, alle wieder rein in den bus und weiter gehts. hier treffen wir also zum ersten mal auf eine größere menge touristen. wahrscheinlich immer noch kein vergleich zum sommer, aber auffallend.

blau und blau bei der kapelle mit aussicht

der anblick des türkisblauen sees vor den schneebestäubten bergen unter dem krass blauen himmel ist umwerfend. auch wenn der zeitpunkt nicht ganz so glücklich ist, da die sonne direkt über dem see steht und uns ein bisschen blendet. über die steine kletternd und vögel beobachtend verbringen wir etwas zeit am ufer und besuchen auch die kleine, 1935 erbaute kapelle ‚church of the good shepherd‘. die ‚kapelle des guten hirten‘ wurde unter anderem den frühen siedlern der mackenzie region gewidmet und soll durch ihre einfachheit und ruhige kraft die eigenschaften der damaligen pioniere verkörpern. beim bau wurde akribisch darauf geachtet, die umgebung zu erhalten und jeden schon vorhandenen stein und busch zu involvieren. die steine für die wände mussten aus einem umkreis von fünf meilen beschafft werden und in ihrem natürlichen zustand bleiben. im innern des gebäudes hinter dem altar gibt es ein tolles panorama-fenster mit blick auf den see. innen zu fotografieren ist inzwischen verboten, da es wohl irgendwann drunter und drüber ging, um das beste foto zu bekommen.

auf ein schnelles hallo

zurück auf der straße kommen wir auf unserem weg auch schon am ‚lake pukaki‘, dem größten der drei bergseen vorbei und erhaschen einen ersten blick auf den aoraki/mount cook. die sonne steht schon ziemlich tief und wir machen nur einen kurzen stopp und verabreden uns für morgen mit dem unglaublich blauen see und seinen bergigen gefährten.

apartment de luxe

den schlüssel für unser luxus-apartment auf dem riesigen grundstück der zwei kiwis tanja und gordon fischen wir mal wieder aus einer schlüsselbox. die wohnung ist gross, gemütlich und warm. yay! vorgeheizt. bis wir franz-josef ausgeräumt haben, hat auch tania feierabend und heißt uns kurz persönlich willkommen. sie und ihr mann reisen auch gerne, kommen grade aus afrika zurück und als sie hört, wie lange wir schon unterwegs sind, ist sie begeistert. wir wiederum sind begeistert was sie uns fürs frühstück schon bereit gestellt haben. müsli, milch, marmelade, honig, tost, joghurt, kaffee und tee. okay, das zimmer ist auch teuer genug, aber man freut sich trotzdem.

startschwierigkeiten. und es ist nicht franz-josef

unsere verabredung am nächsten tag mit dem aoraki/mount cook steht anfangs unter keinem guten stern. als der wecker klingelt quälen mich heftige kopf- und bauchschmerzen. keine guten voraussetzungen, um wandern zu gehen. also geben wir uns noch eine verlängerung und tatsächlich ist es eine stunde später besser. und draußen etwas wärmer. stefan stellt franz-josef zum auftauen in die sonne, wir duschen und frühstücken und sind am ende doch etwas spät dran. was aber nicht so schlimm ist, denn für den ‚hooker valley track‘ benötigt man normalerweise hin- und zurück 3 stunden. normalerweise schreibe ich deshalb, weil stefan immer gleich davon ausgeht, dass wir mindestens eine stunde mehr brauchen. tun wir. aber nicht, weil wir so lahme enten sind, sondern weil ich viele bilder mache und wir auch dem drumherum viel aufmerksamkeit schenken.

keas?

den abstecher zum besucherzentrum zwei kilometer vom startpunkt entfernt, hätten wir uns schenken können. im prinzip sagt uns die freundliche dame nur, wo es los geht. an dem schild sind wir schon durchgefahren. ansonsten ist nichts zu beachten. ich habe noch vom kea-point gelesen und frage sie, ob es da denn auch keas gäbe? mit einem verschmitzten grinsen verneint sie kopfschüttelnd die frage. leider nicht. ab und an würden sich ein paar vögel dort blicken lassen, aber es ist schon eher die ausnahme. schade, denn wir haben noch keine gesehen und warten auf eine gelegenheit.

spazierwandern

der ‚hooker valley track‘ ist auch mehr so ein spazierweg. irgendwie hatte ich mir das anders vorstellt, nicht ganz so easy peasy. das wetter ist bestens. wir sind zwar noch eingepackt in unsere dicken jacken und tragen handschuhe, aber viele wanderer kommen uns schon entgegen – leger in t-shirt oder pulli. auch uns wird nach einer kleinen weile des laufens zu warm und wir schälen uns aus den dicken klamotten. die natur um uns herum zeigt sich in verschiedenen erdigen tönen. stachlige, braune bäume, grüne büsche, beiges gras. dazwischen tummeln sich grüne blattpflanzen. unter drei hängebrücken windet sich das kalte wasser durch felsiges geröll. an den hängen kleben grüne büsche sowie grauer steinbruch. überhaupt scheint die struktur der berge und anhöhen ziemlich bröckelig. auf den gipfeln regiert klar das weiße pulver. die wege sind schneefrei. nur hier und da sieht man ein paar eisige überreste vom morgen, die mittlerweile dem sonnenschein zum opfer gefallen sind. in den flüssen findet sich stellenweise noch etwas eis. außer uns sind zwar noch einige mitwanderer unterwegs (übrigens auch asiaten), aber nicht so viele, dass man ständig ausweichen muss.

freie sicht auf den wolkenstecher

und dann, irgendwann, thront er direkt vor uns. der mit 3724 metern höchste berg neuseelands: aoraki/mount cook. übersetzt wolkenstecher. es ist allerdings nicht der berg, der in diesem moment überrascht, da man ihn schon die ganze zeit mehr oder weniger im blick hatte, nein, es ist eher der gesamteindruck, der sich einem bietet. der berg, der sich im see mit den schwimmenden eisbrocken spiegelt, die eisschicht, die das spiegelbild mancherorts verzerrt und die kollegen des aoraki/mountcook, die ihm treu zur seite stehen. unfassbar schön. nach einem streifzug am ufer entlang lassen wir uns fürs vesper auf einem großen felsbrocken nieder und schlürfen unseren heißen tee. sicherlich einer der spektakulärsten vesperplätze während unserer reise. ich erklimme noch ein paar der steinriesen, die am rande des ‚hooker lake‘ gestrandet sind, beobachte den strom des flusses, studiere die formen der eisbrocken und sehe irgendwann das stefan winkt.

beweismaterial darf nicht verwendet werden

es sind nicht mehr viele, die sich hier tummeln, die meisten sind schon wieder aufgebrochen. tatsächlich liegt der see schon im schatten und superschnell wird es wieder frisch. also werfen wir uns in die warmen klamotten, ziehen die mitgebrachten handschuhe wieder an und machen uns auf den rückweg. ein phänomen, das ich immer wieder beobachte, ist ein auf- und ab hüpfender und ruckelnder stefan auf hängebrücken. minutenlang. er kanns nicht lassen. der videobeweis wurde leider für die veröffentlichung gesperrt. erst als eines der seile ein echt schräges geräusch macht, hält er inne und lachend sputen wir uns und verlassen schnell die brücke.

temperatursturz

innerhalb kürzester zeit fällt das barometer von 18 grad auf 1 grad. die kleine anhöhe mit dem denkmal für die gestorbenen bergsteiger im mount cook national park, das berggebiet mit den meisten bergsteiger-todesfällen in neuseeland, schaue ich mir dennoch kurz an. unfassbar, wie viele plaketten an der steinpyramide angebracht sind. kein wunder heißt es oft, man wolle den berg ‚bezwingen‘. was, wenn der berg nicht bezwungen werden will?

ein blick zurück

als die sonne unter geht sind wir schon ein stück gefahren, aber wir wenden noch einmal und beobachten, zur blauen stunde, aus einiger entfernung ein schönes schauspiel. ein schmales wolkenband legt sich sanft um die glühenden gipfel der seitlichen, kleineren berge beim aoraki/mount cook, als wollte es sachte sagen: okay, schluss für heute. zeit sich auszuruhen. und das machen wir dann auch. die wanderung war nicht besonders anstrengend, aber müde sind wir dennoch.

lichtverschmutzung, nein danke!

allerdings wagen wir uns abends freiwillig noch mal in die kälte. ja. hört, hört ; ) das aoraki/mackenzie-gebiet hat außer den bergen noch weitere highlights zu bieten. höhepunkte im wahrsten sinne des wortes. weltweit gibt es nur zwölf anerkannte lichtschutzgebiete (dark sky reserve) – eines davon eben hier. zwei davon übrigens auch in deutschland. das sollte man hier auch erwähnen. aber jetzt stehen wir hier in neuseeland, unter einem wirklich fantastischen sternenhimmel, und verlieren uns im universum, bis uns die nackenmuskeln schmerzen. wow!

sterne festhalten

einen ähnlichen sternenhimmel haben wir bisher nur in costa rica gesehen. der war auch nicht schlecht, aber das hier übertrifft alles. nun bin ich ja technisch nicht so der experte mit der kamera, zumal ich sie auch kurz vor der reise erst gekauft habe. deshalb suchen wir auf youtube nach der richtigen einstellung, bauen uns aus einer schneideunterlage aus der küche und einem waschbeutel ein stativ im nassen gras und tadaaaa: es gibt zwei bilder. selbstverständlich vermitteln die bilder nur einen klitzekleinen eindruck. niemals nicht konnten wir einfangen, wie das in wirklichkeit aussieht. aber wir haben alles gegeben und hatten eine menge spaß. und gott sei dank haben unsere gastgeber oder die nachbarn nicht die polizei gerufen, als wir kichernd und bibbernd mit den taschenlampen rumwedelnd im garten unterwegs waren. was für ein gelungener abschluss für einen brillanten tag!

see you again – zeit für den lake pukaki

den letzten nachmittag im 700 km2 mount cook nationalpark verbringen wir am ‚lake pukaki‘. die farbe des wassers ist je nach sonneneinstrahlung tatsächlich türkis. die berge sehen an manchen stellen aus, als hätte man kleine, akkurate häufchen aus sprühsahne an den see getupft. an einem der aussichtspunkte sehe ich unten ein paar menschen am ufer und entdecke eine art weg durch die büsche und gräser. okay, weg ist etwas übertrieben. aber man sieht, dass schon viele menschen einen weg gesucht haben. ist klar, dass wir da runter gehen. leider hat sich stefan gegen seine festen wanderschuhe entschieden und steckt sogleich mit einem kompletten turnschuh im siffigen, matschigen untergrund. hüstel. aber er nimmts relativ gelassen und wir schaffen es ohne weitere zwischenfälle an den kieselsteinstrand. die drei, die noch unten sind, lassen uns ziemlich schnell alleine.

entspannter nachmittag am see

das wasser ist glasklar und wunderschön. das ufer ist länger als gedacht und ich mache einen kleinen spaziergang, während es sich stefan auf einem holzstamm bequem macht, und ein bisschen seinen schuh trocknet. ich geselle mich zu ihm und die friedliche atmosphäre und die warmen strahlen im gesicht genießend, schlürfen wir unseren heißen tee. bis wir seitlich am berg stimmen und gekicher hören. so ein schönes plätzchen hat man nicht lange für sich. ein kleine gruppe von männern und frauen erscheint hinter den büschen und sie vergnügen sich eine weile mit fotos machen und steine springen lassen. sehr amüsant, da einer der männer wohl noch nie einen stein flach übers wasser hat springen lassen. kaum zu glauben, aber er wirft noch ungeschickter als ich. ein wurf landet hinter ihm und ein anderes mal setzt er sich sogar auf den hosenboden. wir können nicht umhin, laut zu lachen. aber er nimmt es mit humor. als wir wieder alleine sind, sammeln und werfen wir ebenfalls ein paar steine. ich weiß nicht wie lange. noch einen und noch einen und langsam aber sicher, werde ich wieder besser.
 
 

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