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roadtrip neuseeland ׀ perfekter ort in neuseeland mit acht buchstaben? kaikoura!

24. Juli 2018

klein, aber fein. oder oho. noch besser: wow. oder woohoo! nach kaikoura geht man eigentlich hauptsächlich aus einem grund: um die fabelhaften, sanften riesen der ozeane zu beobachten. noch ein ereignis, auf das wir besonders gespannt sind. es gibt nur einen anbieter und gott sei dank noch frei plätze. wer bei der tour nichts sieht, bekommt tatsächlich das geld zurück, wird versprochen. aber hey, ich möchte mein geld nicht zurück. ich möchte so gerne einen wal sehen!!!

flügge

im moment jagt ein abschied den nächsten. kurze reise-sequenzen. es war so schön im hühnerstall und der weggang fällt uns auch hier wieder ein bisschen schwer. rocco ist noch guter dinge, als er, wie jeden morgen, seinen pinienzapfen mit gedöns auf die terrasse fallen lässt. hallooooo! ist da wer? ja, aber nur noch kurz. während wir uns von kirsty verabschieden, machen wir das einjährige labradoodle-schaf noch mal glücklich. einfach zu süß, wie er über den nassen rasen fegt. dann begleitet er uns zum tor. herzschmerz!

wintermüdigkeit

viereinhalb stunden fahrt stehen heute an. das wetter ist wieder knöfte (wortschöpfung aus knorke und töfte). kalt, aber sonnig. scheibe frei kratzen mit ’neuseeland süd‘ und los gehts. erst mal müssen wir den gleichen weg, den wir vor ein paar tagen gefahren sind, wieder zurück. schön wars im abel tasman, dem kleinsten nationalpark neuseelands, mit den goldenen stränden. aber jetzt warten neue abenteuer auf uns. huaahhh! als ich zu stefan rüberschaue, ist er durchweg am gähnen. ob ich mal fahren kann? hm, prinzipiell ja schon. aber ich bin auch total müde. war wohl definitiv zu spät gestern. und dann machen wir etwas, was wir noch nie gemacht haben. runter von der straße, ab auf den parkplatz, wecker stellen, sitz nach hinten und innerhalb weniger minuten schlafen wir beide ein. als der wecker klingelt und wir langsam wieder zu verstand kommen, lachen wir beide. was war denn das? egal. kurz raus an die frische luft, ich trete und boxe aus spaß einen imaginären sandsack, um den kreislauf in schwung zu bringen, und weiter geht’s. ich klemme mich hinters lenkrad.

immer noch baustellen

draußen wird es etwas trüber, als wir franz-josef auf highway number 1 entlang der ostküste richtung kaikoura lenken. das kleine örtchen hat es bei dem erdbeben 2016 mit der stärke 7,8 schlimm getroffen. straßen wurden zerstört und/oder verschüttet, strom- und telefonleitungen gekappt. der ort wurde komplett von der aussenwelt abgeschnitten und musste per hubschrauber und über das meer von der marine notversorgt werden. gestrandete touristen wurden damals per hubschrauber ausgeflogen. noch heute ist die region canterbury dabei, die schäden zu reparieren. entlang der küstenstraße folgt eine baustelle auf die nächste.

zauberhafte, menschliche ampelmänner und -frauen

allerdings gibt es hier in neuseeland selten ampeln, sondern der verkehr wird von menschenhand geregelt. ’stop‘ oder ‚go‘ ist auf den schildern zu lesen, die die mitarbeiter uns vor die scheibe halten. das schöne daran ist, dass die meisten den autofahrern zuwinken, wenn man vorbei fahren darf. nicht nur dem ersten, der vorne steht, sondern fast allen. viele von ihnen sind frauen, die dazu noch freundlich lächeln. wobei manche männer lächeln schon auch und einige haben besonders coole winktechniken drauf.
während wir stehen und warten, sehen wir tatsächlich auf den felsen unterhalb der straße die ersten meeresbewohner. seebären. man muss genau hinschauen, denn es sind nicht besonders viele. aber wir sind schon begeistert.

beherbergungsbetrieb für autoreisende

unsere unterkunft ist dieses mal ein motel und wir sind überrascht, über die größe und ausstattung des zimmers. alles da inklusive küche mit toaster, wasserkocher und küchenutensilien. ein tisch mit zwei stühlen, ein sofa und ein bequemes, großes bett. außerdem zwei heizungen.eine fest installierte und eine frei platzierbare. großartig. gut, es ist auch nicht billig. im gegenteil. die auswahl war nicht (mehr?) sehr groß und bis jetzt ist es unsere teuerste unterkunft in neuseeland. leider gibt es im internet keine deals mehr und da wir aufgrund der kurzfristigkeit nur noch per telefon für morgen buchen können, fragen wir den jungen mann an der rezeption, ob er für uns anruft. tut er und wir stehen für den nächsten tag um 10 uhr auf der liste. kurz darauf stehen wir in einem imbiss im ort, und bestellen unser abendessen zum mitnehmen. gerade noch zur rechten zeit, denn fünf minuten später steht die komplette bude mit einheimischen und touristen voll, und wir hätten ewig warten müssen. mehr sehen wir heute von dem kleinen örtchen nicht mehr.

auf dem rücken der wale in ein neues leben

wenns drauf ankommt, meint es der wettergott doch gut mit uns. der erste blick aus dem fenster fällt direkt auf die leuchtenden berggipfel. bildschön. definitv walwetter würde ich mal sagen. aufgeregt machen wir uns fertig und fahren zu whale watch. das unternehmen wurde von einem unterstamm der maori namens ngati kuri gegründet und wird von diesem betrieben. als es der gruppe ende der 80er jahre wirtschaftlich nicht gut ging, erinnerten sie sich daran, dass einer ihrer urahnen auf dem rücken eines wales in ein neues leben auf neuseeland gereist war. deshalb schien es den nachkommen nur logisch, nun ebenfalls auf dem rücken der wale in ein neues leben zu reisen. sie verpfändeten ihr hab und gut um ihr vorhaben umzusetzen, und gründeten ihr anfangs kleines unternehmen. die ersten kunden wurden in einem schlauchboot transportiert. mittlerweile unterhält die station fünf moderne katamarane, die speziell für die walbeobachtung konzipiert sind. unter anderem mit motoren, die den unterwasserlärm minimieren.

kribbelig und nervös

die frau am check-in-schalter erinnert sich sogar an den anruf von gestern abend und wünscht uns eine tolle tour. bis zur sicherheitseinweisung und der abfahrt des busses zur south bay, wo die boote ablegen, dauert es noch ein paar minuten und wir gehen hinaus, und genießen die geniale aussicht. kaikoura ist wirklich ein zauberhaftes fleckchen erde. faszinierende berge, eine schöne, wenn auch teils raue küste und drumherum grüne hügellandschaft. der ort präsentiert sich heute von seiner besten seite. sonne satt, freundliche menschen und… abwarten. über lautsprecher werden wir zur sicherheitseinweisung gebeten und danach steigen wir zu willie in den bus. hatte ich den slang der neuseeländer schon erwähnt? echt schwer, den sympathischen, älteren busfahrer zur verstehen, der während der fahrt etwas über kaikoura und whale watch erzählt.

die perfekte unterwasserschlucht

die gruppe, die sich gesittet aufs boot schiebt, ist bunt gemischt. alle altersgruppen sind vertreten. während das boot in bewegung ist, sitzen wir brav auf unseren sitzen. unsere crew besteht aus fünf mitgliedern: der kapitän, eine beobachtungsleiterin, eine sprecherin und zwei sicherheitsbeauftragte. die sprecherin begrüßt uns und erklärt noch einmal kurz den ablauf. sobald ein wal gesichtet wird, fahren wir so nah wie möglich ran und begeben uns dann nach draußen. der schwerpunkt der tour liegt auf der suche und sichtung des pottwals. durchschnittlich gibt es 1 bis 2 wal-sichtungen pro tour, je nach länge der zeit, die ein wal unter wasser verbringt. in kaikoura tauchen die wale zwischen 40 und 60 minuten. pottwale sind in allen weltmeeren zu finden, in der regel in unterwasserschluchten von über 400 metern. der kaikoura-canyon hat eine tiefe von über 1600 meter und ist an der weitesten stelle 5 km breit. die tiefste unterwasserschlucht der südlichen hemisphäre. deshalb können in kaikoura das ganze jahr über männliche pottwale gesichtet werden. der canyon ist die perfekte nahrungsquelle. für weibliche pottwale ist der canyon allerdings zu kalt, da ihre speckschicht lange nicht so dick ist, wie die des männlichen wals. die weibchen bevorzugen deshalb wärmere, tropische gewässer.

die spannung steigt ins unermessliche

mittlerweile rutsche ich schon ungeduldig in meinem sitz hin und her und schweife mit meinen gedanken ab, als ich die erregung in der stimme der sprecherin wahrnehme. wal in sicht! man bittet uns noch sitzen zu bleiben, und alle kleben an den fenstern und starren in die richtung, in die das boot fährt. und tatsächlich sehen wir, wie ein stückweit entfernt eine fontäne aus dem wasser schießt. waaaaaaah! ein waaaaaaaal! ich dreh durch. endlich dürfen wir aufstehen und alle stürmen nach draußen an die reling. aufgeregt wie ein kleines kind, starre ich gebannt aufs wasser. und dann sehen wir ihn. kurz. ich kann mich nicht entscheiden. erst kucken oder gleich fotografieren? ich entscheide mich, erst mal zu kucken. er taucht wieder auf, und noch einmal ab. und noch zwei mal und dann, die sprecherin sagt es an: kameras hoch – die flosse. wow! ich höre das hektische auslösen meiner kamera und fühle, wie ein kribbeln durch meinen körper strömt. glücksgefühl! dieser augenblick, wenn man zum ersten mal live einen wal sieht und dann diese flosse, wenn er abtaucht. zack! dauergrinsen im gesicht. in meiner euphorie entfährt mir ein „woohoo! was für ein geiler scheiß!“ und neben mir lacht es amüsiert. ich drehe mich zu dem lachen um und eine blonde, kurzhaarige frau strahlt mich an. „deutsche?“, frage ich kichernd, und sie nickt. „ein wahnsinn, oder?“ freue ich mich, und sie und ihre tochter sind, natürlich, ebenfalls begeistert. stefan und ich schauen uns an und sind – glücklich!

glück [günstige fügung des schicksals]

unser glücksband reißt nicht ab. im gegenteil. wir haben das großartige vergnügen und die ehre, insgesamt acht (!) wale zu sehen. davon, und das ist noch mal ein extra superduper-sahnebonbon, am ende noch drei buckelwale im verbund, was laut whale watch ein ganz besonderer bonus ist. man merkt es der sprecherin übers mikro förmlich an. ihre stimme überschlägt sich fast und sie ist ebenfalls völlig aus dem häuschen. was für ein unfassbarer tag! nach über 2 stunden auf dem boot müssen wir uns leider am ende von dem wunderbaren anblick losreißen. das boot muss zurück, da die nächste tour ansteht. wohlgelaunt sitzen wir auf unseren plätzen und grinsen uns selig an.

ein perfekter tag

mit zwei süßen stückchen lassen wir uns auf einer sonnigen bank an der strandpromenade nieder, bevor wir ein stück weiter an die küste fahren, um bestenfalls noch auf ein paar seebären zu treffen. bei der exkursion über das riesige felsplateau, das die ebbe fast trocken gelegt hat, finden wir riesige, angeschwemmte wasserpflanzen, pilze, kleine krebse, muscheln und andere meeresbewohner. im hintergrund schwappen wellen über die felsen, vor den bergen am anderen ende sammelt sich der nebel. alles ist so rauh und doch friedlich. laut und doch leise. ich bin immer wieder begeistert, von dem schönen ort.

entspanntes abhängen

seebären sehen wir zwar auch, aber nur einen oder zwei von weit entfernt. erst später entdecken wir das große tier, das sich auch durch unser näherkommen nicht stören lässt. der gute scheint irre müde und kaputt zu sein, er bewegt sich nicht vom fleck. zwischendurch erschrecke ich mich, weil ich ihn eine zeitlang beobachte, und er nicht einmal zuckt. als eine freche welle über ihn drüber schwappt, bewegt er sich doch. allerdings nur kurz, um seinen körper kurz danach wieder auf den stein zu drapieren. bestimmt sind die seebären hier auch ein stückweit an menschen gewöhnt.

i <3 kaikoura

unser letzter abstecher des tages führt uns auf den berg hinauf zu einem aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen blick über den ort und die grünen hügel der felsigen halbinsel hat. kaikoura zählt etwa 3.800 einwohner, die vielen meeressäugetiere und seevögel nicht mit eingerechnet. das alles, macht kaikoura für mich perfekt. die freundlichen menschen, die natur, die kulisse und dass man weiß, dass unfassbar viele tiere sich hier offenbar sehr wohl fühlen.
 
 

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