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peru ׀ wer war das? die berühmten nasca-linien

31. August 2018

auch nasca, unser nächste ziel, liegt in der einöde. genauer gesagt in der atacama-wüste. wobei man von öde hier nicht sprechen kann. ist schon irgendwie spannend, die sache mit den riesigen scharrbildern, die angeblich erst vom volk der paracas, später dann vom volk der nasca angelegt wurden. seit ihrer entdeckung wird wild darüber spekuliert, welche bedeutung die nasca-linien hatten. oder waren es vielleicht doch zeichen für außerirdische? es ist hauptsächlich stefan, der sich die berühmten nasca-linien mal live vor ort anschauen will. also heben wir ab und überfliegen mit einer kleinen cessna ein paar der zahlreichen sogenannten geoglyphen.

mal wieder die wüste durchqueren

die fahrt von paracas nach nasca ist herrlich unkompliziert. da sich die landschaft nicht sehr verändert und man nicht das gefühl hat, dass man etwas verpassen könnte, schließen wir erst die augen und danach blogge ich ein bisschen. am frühen nachmittag erreichen wir das kleine städtchen mit rund 40.000 einwohnern, dass mit der entdeckung der nasca-linien seinen wirtschaftlichen aufschwung erlebt hat.

wohnen

ungewöhnlich und voll luxuriös werden wir heute vom hotelbesitzer persönlich an der busstation abgeholt. die unterkunft, nicht ganz zentral, aber schön ruhig wenn nicht gerade der rikscha-obstmann mit megaphon vorbei fährt, wird als kleines familienunternehmen geführt. den flug für den nächsten tag haben wir per mail schon vorab beim besitzer gebucht, da er die besten beziehungen zum flughafen hat. er arbeitet dort. das hotel ist sein zweites standbein. da das haus nicht voll belegt ist, können wir das zimmer nach besichtigung noch mal tauschen. lieber nehmen wir etwas lärm von der straße in kauf, haben aber ein normales fenster und nicht eines, das wie oft in einen schacht zu öffnen ist. frühstück gibts zu jeder jahreszeit auf der dachterrasse. gut, dass es hier im winter nicht ganz so kalt ist.

auf entdeckungsreise

als wir spätnachmittags zu fuss ins innere des städtchens laufen, landen wir in einer nebenstraße auf dem obst- und gemüsemarkt. unter einem riesigen dach preisen die einheimischen ihre duftende ware an. so oft kommen wohl keine touristen vorbei, denn wir werden neugierig aber freundlich beäugt. wer kann bei so vielen leckeren sachen widerstehen? wir nicht. also kaufen wir ein buntes allerlei für einen obstsalat. mittlerweile kommen wir mit unserem spanisch für anfänger ganz gut klar. das beste ist, dass ich inzwischen keinerlei hemmungen mehr habe, irgendetwas falsch zu sagen und munter drauf los plappere. das problem ist, sobald etwas gut klingt, kriegst du eine spanisch-salve als antwort. und dann steht man wieder da, wie ein kleines schaf ; ) dann heißt das zauberwort „despacio“ (langsam). wenn die leute langsam reden, verstehen wir meist ein paar worte und können uns den rest zusammen reimen.

olé!

peruanische rhythmen klingen durch die straße. es zuckt uns schon in den lenden, als wir die quelle der musik in form einer sporthalle entdecken. die tür steht offen und wir spickeln hinein. ein herrliches bild! vor einer gruppe von frauen tanzt ein peruanischer mann mit butter in den hüften. unfassbar, wie er salsa-tanzend über den boden schwebt. den rhythmus im blut lässt er locker flockig und mit schwung seine hüften kreisen. die damen haben sichtlich spaß aber tun sich schwer, mit ihm mitzuhalten. als er uns erblickt hat man das gefühl, er legt noch eine schippe drauf und die damen sind kurz danach raus. wow! ich bin beeindruckt und als die musik endet klatschen wir begeistert mit ein paar anderen anwesenden beifall.

ich kann einfach nicht anders

nachdem wir im supermarkt unsere hygieneartikel-vorrat aufgestockt haben, setzen wir uns in ‚lomo saltado‘-laune in ein kleines restaurant. die tür steht offen und ein sehr dünner und zittriger hund läuft an uns vorbei richtung theke. er sieht mega mitgenommen und fertig aus. als er vor der küchentür ankommt hört man nur, wie jemand etwas ruft und die tür geschlossen wird. mit hängendem kopf kommt er zurück und schleppt sich, ohne anzuhalten oder jemanden anzubetteln, wieder nach draußen. dort steht er an der straße und weiß wohl nicht so recht was tun. eigentlich sollte ich es nach der hundefutter-erfahrung in lima ja besser wissen. aber wer steht nicht kurz darauf in einem kleinen laden, kauft wasser und eine empanada mit hühnchen, weil es nichts anderes gibt? ich. zurück vorm restaurant zerpflücke ich die teigtasche und drapiere die kleinen stückchen auf dem kleinen tellerchen, das dabei war. ein paar meter weiter entdecke ich vor einer haustür einen becher mit wasser. den stelle ich auch noch dazu. der hund schnüffelt und schaut mich traurig an. „komm schon, iss was! das ist lecker“, rede ich aufmunternd auf ihn ein. er neigt seinen kopf über den teller und scheint etwas davon zu nehmen. ich werfe einen blick nach drinnen und sehe, dass unser essen auf dem tisch steht. also lasse ich ihn alleine und gehe wieder rein.

ein herz für tiere

als wir nach dem bezahlen schon am aufstehen sind, kommt die besitzerin des restaurants auf mich zu. auf englisch fragt sie mich, ob ich tiere mag? oh ja, sehr, sage ich. sie hat mich beobachtet und erzählt uns, dass sie den schwarzen hund kennt. deshalb kommt er auch ins restaurant, weil er hier schon etwas zu fressen bekommen hat. allerdings hat sie daraufhin von einer touristin eine schlechte bewertung erhalten, weil diese sich echauffiert hat, dass der hund durch das restaurant gelaufen ist. jetzt schickt sie ihn natürlich immer weg. es ist der hund ihres nachbars und er ist sehr krank und kann, da er keine zähne mehr hat, nicht mehr alles fressen. leider kümmert sich der nachbar nicht um ihn und bringt ihn auch nicht zum arzt. als wir nach draußen gehen ist der hund weg, das tellerchen leer und der wasserbecher wurde wohl von passanten weggekickt. auch das passiert öfter, klagt sie uns ihr leid. den wasserbecher stellt sie jeden tag auf. es gab auch schon mal einen richtigen napf für die straßenhunde, aber der wurde geklaut. „wie kann man tiere nicht mögen?“, fragt sie uns, und erzählt von ihrer tierlieben familie und welche tiere die kinder schon mit nach hause gebracht haben, um sie zu retten. und, dass sie es ganz schrecklich findet, wenn menschen kein mitleid mit tieren haben. wir unterhalten uns bestimmt eine viertelstunde. dann muss sie wieder ins restaurant und wir verabschieden uns herzlich.

flugtag

heute ist es soweit. auf den spuren der nasca-linien. um 7.30 uhr werden wir mit leerem magen abgeholt, sagte anibal uns. besser nichts essen, da die kleinen cessnas doch ab und an ganz schön ins wackeln kommen. schon ein windstoß oder eine enge kurve reicht, und menschen mit hang zur übelkeit werden auf besondere weise herausgefordert. pünktlich, wie sich das für uns deutsche gehört, stehen wir um halb an der rezeption, wo sich schon ein junger mann und eine junge frau auf dem sofa niedergelassen haben. wir sind skeptisch, da draußen noch zäh der nebel zwischen den hügeln hängt. und prompt. der flug wird verschoben. wir sollen dann doch erst mal frühstücken, man gibt uns bescheid. hm? hieß es nicht, lieber mit leerem magen? aber wer weiß, wie lange das noch dauert? also steigen wir hoch aufs dach und lassen uns das frühstück munden. auf den papaya-saft hätte ich vielleicht verzichten sollen… gegen neun fragen wir noch mal nach und man sagt uns, dass wir um 10.30 uhr abgeholt werden. das paar vom morgen verlässt allerdings schon vorher das haus. aber okay, wir warten mal ab.

den dialekt kennsch doch!

in nasca gibt es lustige, kleine eckige autos, die von fast allen gefahren werden. sie sind klein und wendig und haben keinen namen. mit dem mini-taxi werden wir auf kosten des hauses zum flughafen etwas außerhalb transportiert. unterwegs sammeln wir noch zwei spanier ein, die sich zu uns ins gefährt quetschen. bei ankunft in der halle, in der die verschiedenen anbieter ihre schalter haben, erfahren wir, dass wir eigentlich unsere pässe dabei haben sollten. aha. sorry! hat uns keiner gesagt. aber die frau meint sie kümmert sich. wir werden gewogen und man bittet uns, erst mal platz zu nehmen. und wie wir da so sitzen, höre ich wie sich hinter uns, im schönsten schwäbisch, ein paar unterhält. ich drehe mich um und frotzle „das sch, das kennt man doch!“ lustigerweise findet elke, dass wir badner mehr ’singsang‘ in der stimme haben, als die schwaben. meint aber auch, das badisch schöner klingen würde. die sympathische familie (eltern nebst zwei zauberhaften töchtern) verbringt ihren sommerurlaub hier und bereist peru mit dem auto. wir plaudern eine ganze weile über das reisen im allgemeinen, mit dem camper, über unsere weltreise, über das arbeiten in fremden ländern etc. stefan wird zwischendurch dann doch noch mal zum hotel gefahren, um unsere pässe zu holen. und irgendwann gehts dann endlich für alle los.

cessna 210

unser hotelbesitzer stellt uns unseren piloten vor. walter. wir schütteln uns die hände und grinsen blöd, weil langsam doch ein bisschen aufgeregt. also wir. nicht walter. dann spricht anibal mit den damen, die die heilige tür bewachen, die direkt auf die startbahn führt. uns erklärt er flüsternd, dass wir noch eine kleine sonderexkursion zu den äquadukten bekommen. okay, da sagen wir doch nicht nein. dann öffnet sich die tür und ein junger mann kommt auf uns zu, der sich als mechaniker vorstellt. von walter weit und breit keine spur. der mechaniker geleitet uns zum flugzeug. außer dem piloten und einem weiteren begleiter gibt es noch zwei weitere passagiere. wir nehmen hinten platz, die zwei spanisch sprechenden männer vor uns. kopfhörer auf die ohren und kurz darauf heben wir auch schon ab. waaaaaaah! ich bin tatsächlich etwas aufgeregt. über funk erzählt uns der begleiter, wie das ganze abläuft. zu allererst bekommen wir eine kleine karte mit den abbildungen der linien sowie der flugstrecke. er wird uns immer rechtzeitig vorher sagen, auf welcher seite eine abbildung auftaucht. der pilot bringt die cessna dann jeweils in die entsprechende schräglage, damit wir auch richtig gut sehen können. im prinzip kann man sich das so vorstellen, dass die cessna wie eine wiege hin- und her schaukelt. yoh! der papayasaft lässt grüßen. nicht reinsteigern, christine. konzentrier dich auf das wesentliche. dennoch werfe ich einen blick in die sitztasche. alles gut. tüte an bord.

wal, astronaut, affe und co.

und dann gehts auch schon los. schräglage. bei der ersten abbildung brauche ich einen ganzen moment, bis ich die zeichnung entdecke. noch ist das erlebnis fremd. man weiß nicht genau wo hinschauen und wie die linien von oben aussehen. aber dann springt mir der wal ins auge. etwas kindlich und nicht ganz so akkurat wie viele der nachfolgenden zeichnungen. den astronauten finde ich putzig (beitragsbild). könnte auch ein außerirdischer sein. nach und nach schaukelt uns der kapitän zu den bildern. erst die eine seite, dann die andere seite. manchmal fliegen wir auch eine schleife, um eine bessere position zu bekommen. aber die abbildungen sind deutlich erkennbar. hm? ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, was ich davon halten soll… es existieren so viele meinungen und forschungen über die linien. einige davon scheinen mir ziemlich abenteuerlich.

die faszination der maria reiche

es war übrigens eine deutsche, maria reiche, die die nasca-linien bekannt machte. die mathematikerin, physikerin und geographin lebte und arbeitete in lima und erfuhr dort von den linien. fasziniert begann sie nach dem krieg mit der intensiven untersuchung der abbildungen. über 40 jahre lang wurden die zeichnungen von ihr freigelegt, vermessen und fotografiert. anfangs alles von hand. mit 52 jahren ließ sie sich an hubschrauberkufen festbinden, um mit einer plattenkamera aufnahmen der geoglyphen machen zu können. nach jahrelanger forschung stand für sie fest, dass die linien peilinstrumente der nasca waren. den gegenständlichen darstellungen wies sie einen rituellen charakter zu. zeichen zur bestimmung der sonnenposition, um so den besten zeitpunkt für aussaat und ernte festzulegen. maria reiche ließ nicht locker und 1994, vier jahre vor ihrem tod, wurden die nasca-linien zum unesco weltkulturerbe erklärt. in peru ist maria reiche eine heldin. ihr geburtstag ist nationalfeiertag.

die einen sagen so, die anderen so

die idee des astronomischen kalenders wurde auch von anderen forschern aufgegriffen. ein bekannter alien-forscher mutmasst, dass die damaligen bewohner außerirdische gesehen haben und daraufhin die linien angelegt haben. er schickte ein deutsch-peruanisches forscherteam los, um die umgebung und das gestein zu untersuchen. prompt wurden anomale magnetfelder sowie ein hoher arsen-anteil gemessen. für ihn der beweis, dass etwas „nicht stimmt“. weiterhin belegt ist, dass das volk der nasca raffinierte künstliche bewässerungssysteme und unterirdische kanalsysteme angelegt hat. waren die zeichnungen vielleicht eine art landkarte für die anlagen unter der erde?

religiöser hintergrund

die letzten erkenntnisse sind wieder wissenschaftlicher natur. nach jahrelanger forschung und arbeit steht für diese wissenschaftler fest, dass es sich bei den linien um veranstaltungsorte für rituale handelte. der fund von diversen keramik-scherben mit abbildungen und musik-instrumenten sowie historische klimastudien ließen darauf schließen, dass schamanen religiöse zeremonien an den linien abhielten, um die götter milde zu stimmen und um ausreichend wasser, nahrung und eine üppige ernte zu bitten.

windspiralen

nachdem wir die bilder der route gesehen haben, fliegen wir noch etwas weiter außerhalb, um uns die ebenfalls antiken aquädukte von oben anzuschauen. auch diese bauwerke werden der nasca-kultur zugeordnet. mit hilfe von satellitenbildern konnte man unter die oberfläche der spiralen schauen und entdeckte, dass die löcher miteinander verbunden sind. durch die spiralen wurde wind in die unterirdischen kanäle geleitet, der das wasser an die orte brachte, an denen es gebraucht wurde. ziemlich tricky das ganze. die verbindung zu den nasca-linien wird insofern hergestellt, dass mit den zeichnungen vielleicht die wasserstellen markiert wurden. das haben auch schon andere vermutet.

also ich weiß nicht…

das alles ist nur kurz zusammengefasst. man kann sich wirklich stundenlang mit dem thema beschäftigen. am ende bin ich fast so schlau wie vorher. nichts scheint mir persönlich so richtig plausibel. es ist nur sehr erstaunlich, wenn man sich vorstellt, dass lebewesen, welcher art auch immer, vor über 2000 jahren (darüber sind sich alle einig) solche bilder mit kerzengeraden linien mit bis zu zehn kilometern länge angelegt haben sollen. einige der linien sind wohl nur wenige zentimeter tief. kann es wirklich sein, dass die bilder im laufe der jahre durch das klima und andere einflüsse nicht zerstört wurden? und warum die vielen tierabbildungen? also ich bleibe ziemlich ratlos zurück…
 
 

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