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nepal ׀ über tage, die niemand braucht und menschen, die orte magisch werden lassen

24. Januar 2018

alter falter, da hat es uns ganz schön hingewurschtelt. ja genau, uns. erst ich mit meiner naseninfektion nebst ausläufern, krassen kopfschmerzen und antibiotika-einfluss und dann kam bei uns beiden noch montezumas rache ins spiel. schon wieder. das war nicht schön. gar nicht schön. wir haben quasi 4 tage lang das zimmer nicht verlassen. und wenn dann nur kurz zum essen und in sprinter-reichweite. am kleinen kiosk gegenüber dem guesthouse waren wir stammkunden. wasser, klopapier, kekse, snickers im dauerabo. ja, snickers. snickers geht einfach immer. blutkonserven gab es auch. zumindest hängen an der wand immer solche durchsichtigen päckchen mit rotem zeug drin. die sehen wahrlich aus wie blutkonserven ; ) stefan hat sich wirklich super um mich gekümmert, da ich noch etwas geplagter war als er. nachdem mir eine heisse suppe kurzfristig linderung meiner kopfschmerzen gebracht hat, haben mich sampanna und stefan sogar mit utensilien zum inhalieren versorgt. und so verschwand mein kopf immer mal wieder in einem riesigen, grünen eimer mit heißem wasser versetzt mit sancho, meinem schmerzlinderer (eine kräutermischung aus dem himalaya-gebirge).

dmax doku in echtzeit

aus langeweile und mangel an seichter, dem zustand entsprechender ablenkung, haben wir sozusagen vom bett aus die inoffizielle baustellen-betreuung zweier neubauten hinterm haus übernommen. in echtzeit konnten wir zuschauen, wie die front verputzt und neue mauern hochgezogen wurden. eine art dmax doku. hausbauer extrem. es ist der wahnsinn, wie hier im vergleich zu deutschland gearbeitet wird. der speis/mörtel wird natürlich von hand angemischt und dann im korb auf dem rücken, gehalten von einem band das über den kopf bzw. manchmal über die stirn läuft, nach oben getragen. warum kein flaschenzug installiert wird, erschließt sich mir nicht so ganz. das müsste doch gehen? dann haben die jungs mal schnell ein gerüst aus bambus hingestellt. erst die etage unten. dann am blanken bambus außen hochgeklettert (ohne sicherung natürlich) und die nächste etage verknotet. mir wurde nur vom zukucken schwindlig. aber die jungs haben das im griff. habe ich schon erwähnt, dass auch auf dem bau flip flop, adiletten und, okay, manchmal sogar geschlossene schuhe getragen werden? erstaunlich. zwischendurch gabs auch mal wildes geschimpfe. die arbeiter haben uns natürlich auch gesehen, den ganzen tag im bett liegend, und sich bestimmt gedacht: diese europäer. da kommen sie extra in unser land und dann liegen sie nur faul im zimmer rum. äh, ja. gezwungenermaßen.

am freitag mittag haben wir uns dann ins krankenhaus zu meinem nachkuck-termin geschleppt. ich weiß nicht, ob das so ausgesehen hat, wie es sich für uns angefühlt hat. mit kleinen tapsigen, unsicheren schritten sind wir zum taxi-stand geschwankt. ein bisschen wie sediert und auf wolken. wir haben uns nicht getraut, vor dem termin was zu essen, schließlich dauerte alleine die fahrt zum krankenhaus schon ne halbe stunde. risiko definitiv zu groß. der arzt hat gelacht und meinte, das können wir doch nicht machen. wir müssen doch essen. äh ja. aber erst auf sicherem boden. mir wurden zwei weitere tage antibiotika verordnet. außerdem gabs noch mal schmerztabletten für die reiseapotheke und elektrolyte fürs wieder auf die beine kommen. und mir wurde versichert, dass meine nase wieder ihre ursprüngliche form und farbe annehmen würde. et voila. am nächsten tag haben wir uns dann endlich wieder rausgetraut. höchste zeit, ich war kurz vorm lagerkoller. einen kleinen anflug von koller gab es auch. streit. kurz und heftig. wie ein sommergewitter. aber dann war wieder blauer himmel : ) krank im ausland, da liegen die nerven schon mal blank.

zurück im grossstadtdschungel

endlich mal wieder raus in den grossstadtdschungel und ein bisschen was kucken. sampanna hatte uns, am anfang unserer zeit in kathmandu, im vorbeigehen auf einen tempel aufmerksam gemacht. mitten in der stadt im gassengewirr, verborgen hinter einem bauzaun, hätten wir den nie und nimmer alleine entdeckt. den wollten wir uns mal genauer anschauen. der seto machhendranath tempel fällt total aus dem raster. der großteil der bevölkerung in nepal sind hindus. die buddhisten machen nur einen kleinen anteil von ca. 10% aus. das bemerkenswerte an besagtem tempel ist, dass er sowohl hindus als auch buddhisten anspricht. außerdem steht vorne, gleich beim eingang eine junge dame aus stein, die sehr europäisch ausschaut. wie die da hinkam, ist wohl auch nicht so ganz raus. eine wilde mischung jedenfalls. aber es funktioniert. und das ist noch nicht alles, was den ungewöhnlichen tempel ausmacht. die backsteinwände außen sind fast rundherum mit goldenen platten beschlagen, in die blumen, ranken, verschiedene götter und weitere symbole gestanzt sind. darüber hinaus ist er komplett von einem blumengitter umgeben, wahrscheinlich um ihn vor reliquien-jägern zu schützen. nach rückfrage habe ich es so verstanden, dass die platten vergoldet sind.

beeindruckender geheimnisträger

wir streifen noch etwas durch die gassen und suchen uns dann ein taxi, um uns zum großen boudhanath stupa kutschieren zu lassen. der stupa gehört zu den größten der welt und zählt seit 1979 zum weltkulturerbe. als wir das tor passieren, erwartet uns der stupa schon neugierig und etwas streng dreinschauend thronend zwischen den häuserzeilen, als würde er sagen wollen: das wird jetzt aber auch mal zeit. angeblich ist bodnath, wie der stupa auch genannt wird, eines der bedeutensten ziele buddhistischer pilger aus ganz nepal. es ist später nachmittag und zahlreiche menschen umrunden den heiligen ort. um das bauwerk herum tummeln sich wie meist kleine läden, cafes und restaurants. stefan findet, es sieht ein bisschen aus wie im europa park. wenn man sich einlässt, ist man schnell mittendrin im ritual. wie immer wird im uhrzeigersinn umrundet. es gibt auch gebetsmühlen, die ein bisschen versteckt hinter gittern und kleinen vorhängen in die wand eingelassen sind. zwischen den abschnitten mit den mühlen sind in klitzekleinen nischen winzige buddhas verborgen. die mühlen selbst werden allerdings kaum gedreht, da es sich bei den vielen menschen schnell stauen würde. deshalb haben die meisten buddhisten ihre mala (gebetskette) dabei. an zwei kleinen tempeln führen stufen nach oben auf die terrassen, die man ebenfalls betreten darf.

menschen, die ohne etwas zu tun berühren

wir setzen uns erst mal auf eine der vielen bänke die kreisrund platziert sind und zum ausruhen einladen und lassen das ganze auf uns wirken. wie immer sind eigentlich alle nationaliäten vertreten. es sind auffällig viele ältere menschen dabei und es scheint, dem aussehen und der kleidung nach, als wären auch viele aus tibet angereist. jeder hat seine eigene art, den stupa zu umrunden. man sieht in sich gekehrte menschen, die stumm und scheinbar abwesend ihre runden ziehen. manche unterhalten sich lachend, andere hören musik über ihre kopfhörer und wieder andere telefonieren sogar dabei. auch ein junger mönche hat sein smartphone in der hand und ich wundere mich doch ein bisschen: ts, ts, ts. „bestimmt hört er den dalai-lama podcast oder hat eine gebetsmühlen-app“, meint stefan verteidigend ; ) mir fällt ein älterer herr auf, vielleicht 80 jahre alt, der schnellen schrittes, seine eigene gebetsmühle in der hand, den stupa umrundet. manche menschen berühren mich sehr, wenn ich sie auch nur einmal gesehen habe. dieser mann gehört eindeutig dazu. ich sehe ihn noch zwei oder drei weitere male und freue mich einfach nur, ihm begegnet zu sein. ich kann es nicht näher erklären. kennt ihr das?

von der straße her sehen wir drei blinde kommen, die sich den weg durch die masse bahnen. und ich bin mächtig beeindruckt. bei uns in deutschland stelle ich mir ein leben im dunkel schon schwierig vor. aber in nepal. es gibt keine fussgängerampeln (geschweige denn mit ton), oder intakte gehwege oder sonstige hilfen, an denen sich blinde orientieren können. und die drei bewegen sich zielstrebig, sich aneinander festhaltend, richtung stupa. großartig. und wer weiß, vielleicht kommen sie sogar jeden abend.

kerzen für alle, die uns wichtig sind

die tibetischen fahnen wiegen friedlich im wind und der blaue himmel verfärbt sich langsam in einen sanften cocktail aus rosa und orange. neben uns lässt sich ein faltiger, sympathischer, sehr alt aussehender mönch nieder und lächelt uns zahnlos an. er nimmt sich kurz einen moment zum verschnaufen und schon setzt er sich mit seinem stock erstaunlich rüstig wieder in bewegung. kurze zeit später lässt er sich wieder neben uns nieder. die sonne ist untergangen, der tag neigt sich dem ende und es werden weniger menschen. nun gehen wir los. ich möchte die stupa auch noch einmal umrunden. dieses mal möchte ich aber die verborgenen mühlen drehen. sie fühlen sich kalt an, seufzen und knarzen und laufen ausgesprochen schwerfällig. als wollten sie sagen: moment. so einfach geht das nicht. nimm dir zeit und fühle… im hintergrund hören wir musik. es klingt wie panflöte mit ruhigem gesang. das stimmengewirr reisst zwar nicht ab, aber die geräuschkulisse ist angenehm und das ritual nimmt uns auch hier gefangen. der stupa ist schon beeindruckend ob seiner größe, das bauwerk an sich ist eher schlicht. an solchen orten sind es meist die menschen, die den ort magisch werden lassen. ihr glaube, ihre hoffnung, ihr ansinnen…

wir entscheiden uns trotz zweifel für einen restaurant-besuch direkt an der stupa. der blick ist einfach einzigartig. die klitzekleinen, teuren portiönchen leider auch. wäre ich ein spatz, wäre ich satt geworden. vom dach des restaurants aus sehen wir schon die zahlreichen tische mit den vielen kleinen butterlämpchen, die nach und nach von den menschen entzündet werden. die kleinen flammen tänzeln aufgeregt, um beachtung buhlend und strahlen eine angenehme wärme aus. ich möchte auch welche anzünden. für unsere familien, für unsere freunde und bekannten und für uns und unsere weitere reise. mögen wir alle gesund und fröhlich bleiben. mögen alle wesen glücklich sein.
 
 

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