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nepal ׀ zauberhaftes kirtipur und die begegnung mit dem büffel

15. Januar 2018

zwei wochen bleiben wir in kathmandu, das heisst easy peasy. es gibt zwar einiges zu sehen und wir wollen auch ein paar tagesausflüge machen, aber wir können auf jeden fall zwischendurch auch mal ausschlafen. wir sind ja jetzt beide nicht so die frühaufsteher. deshalb ist es uns ganz recht, als sampanna uns vorschlägt, mittags um 13 uhr richtung kirtipur aufzubrechen. wir machen uns gemütlich fertig, gehen über die straße zum frühstücken und anschließend, bis wir mittags los gehen, suche ich meinen neuen, sonnigen „arbeitsplatz“ auf, um ein bisschen zu schreiben. wie alle anderen hier setze ich mich an den rand der freakstreet, um die sonne zu genießen und mich aufzuwärmen. ein nettes plätzchen zum schreiben. man darf sich nur nicht ablenken lassen. da ist das großraumbüro eine gute schule (liebe grüsse an die kollegen!) ; )

mittags laufen wir dann zur bushaltestelle um den local bus nach kirtipur zu nehmen. uttara, sampannas frau, ist auch mit dabei. auf den strassen ist es irre staubig und zusätzlich liegt smog in der luft. auch in kathmandu sind viele menschen mit mundschutz unterwegs. für uns kommt das bis jetzt irgendwie nicht in frage. wir holpern mit dem bus über die teils beschädigten strassen, durchqueren einen kleinen wald, der braun und völlig ausgetrocknet ist und kommen kurz darauf in kirtipur an. kirtipur ist eine zauberhafte kleine stadt auf einem höhenzug im kathmandu-tal auf 1.400 m höhe. die stadt ist eines der zentren der newari-kultur mit einer gut erhaltenen altstadt und vielen kleinen tempeln. newar ist eine ethnie, die hauptsächlich im kathmandu-tal angesiedelt ist.

spaziergang in kirtipur

schon bei der ankunft spüren wir, dass es hier ein bisschen ruhiger zugeht. ein träumchen. an einer treppe treffen wir auf ein paar frauen, die an der wasserstelle ihren wasservorrat auffüllen. es gibt im kathmandu-tal keine wasser-hausanschlüsse. die, die es sich leisten können, lassen das wasser liefern und füllen es in riesige behälter die meist auf dem dach oder im keller stehen. andere holen sich ihr wasser an den öffentlichen wasserpumpen.

wir erklimmen kleine, verwinkelte gässchen, die teilweise nicht mal von autos befahren werden können. hier scheint die uhr etwas langsamer zu ticken. die bewohner sitzen auf den von der sonne gewärmten treppenstufen vorm haus, umgarnt von gackernden hühnern, die bunte fähnchen über den strassen flattern im wind. die altstadt ist wirklich zauberhaft. häuser mit hölzernen verschnörkelten holzbalkonen, türen und fenstern. aber auch die neubauten aus backsteinen, sind oft mit ebenso liebevollen verzierungen bestückt. wie auch in kathmandu gibt es in der ganzen stadt verteilt zahlreiche tempel und hölzerne und steinerne schreine. auch hier hat das erdbeben seinen tribut gefordert. die tempel und auch die ashoka stupa sind teilweise von baugerüsten umgeben und arbeiter sanieren und restaurieren die alten kunst- und bauwerke. viele der einheimischen heißen uns mit einem herzlichen lächeln willkommen.

newar traditionen bewahren

und dann gehen wir mit uttara und sampanna ins newa lahana restaurant – eine richtig coole sache. hier haben sich ein paar newar-familien zusammengeschlossen, um die traditionen der newar-kultur zu bewahren. es gibt ein museum und zwei restaurants, in denen die frauen in traditionellen gewändern wie in früheren zeiten kochen. auch übernachtungen im guesthouse bzw. bei den locals mit kochkurs sind möglich. die erlöse aus dem restaurant kommen der gemeinde zugute. als wir ankommen ist ziemlich viel los, aber wir finden noch ein plätzchen. also schuhe aus und wir lassen uns im schneidersitz auf den gewebten heumatten nieder. mutig überlassen wir den beiden einheimischen die bestellung. man muss auch mal was wagen und offen sein für neues. in einer ecke des raumes kochen die frauen. es brutzelt und dampft und köchelt in den töpfen und pfannen auf den offenen feuerstellen. drumherum stehen allerlei schüsseln, teller, krüge und körbe gefüllt mit zutaten, gewürzen und sossen. einiges kann man erkennen. anderes nicht wirklich. die frauen sind im regen austausch und wuseln in der offenen küche und zwischen den gästen umher. sampanna meint, es wäre fast ein bisschen schade, dass wir nur zu viert sind. je mehr leute, desto mehr köstlichkeiten kann man bestellen und kosten. im prinzip ein bisschen wie tapas essen. die spontane idee, ein paar leute von der straße zu holen, verwerfen wir aber dann doch wieder. es gibt auch spezielle getränke, wenn man dafür offen ist. wir bestellen reisbier, was richtig geil ist (das milchige in den güldenen bechern). vom geschmack hier eine mischung aus bier und neuem wein. köstlich! süffig! außerdem gibt es verschiedene „wasser“arten. first water bis fith water. also erstes bis fünftes wasser. wobei das fünfte das mildeste ist. dieses „wasser“ ist im prinzip nichts anderes als schnaps.

zungenkuss mit einem büffel oder so

und dann geht’s auch schon los mit den leckereien. wir starten mit einem harmlosen linsenomelette. schlicht, aber fein. das nächste schälchen das kommt, sieht ein bisschen aus wie hühnchen oder putenstreifen, fein mariniert. ich koste ein stück und mir ist ziemlich schnell klar, was das sein könnte. ich schaue zum ahnungslosen stefan, der sich munter die stückchen reinschiebt. ob ich meine vermutung sagen soll? ich schwanke. und sage es dann doch. und: es ist tatsächlich büffelhirn. okay. die nächsten bissen schmecken schon ein bisschen anders. wir tun uns ein bisschen schwer. aber wir haben es ja so gewollt. uttara und sampanna amüsieren sich schon ein wenig über uns. die weißen flocken sind beaten rice. eine art reisflocken. ziemlich geschmacksneutral und trocken, aber als beilage auch lecker. die nächsten zwei schalen sind mit schwarzen sojabohnen und würzigen kartoffeln gefüllt. yummy! dann kommt büffelfleisch gegrillt. klar zu erkennen. von der konsistenz teilweise ein bisschen zäh, aber ein guter geschmack. gefolgt von zwei fladen. einmal mit reisflocken als grundlage, der andere mit verschiedenen linsensorten. und dann noch so ein schälchen, das überwindung kostet. zuhause habe ich das nie gegessen, aber hier probiere ich die zunge eines büffels. aber auch nur, weil sie ganz kross angebraten ist. in einer anderen konsistenz würde ich es nie und nimmer essen. auch okay. aber muss ich jetzt nicht nochmal haben. wir machen scherze von wegen zungenkuss mit einem büffel und stefan isst ein paar stücke, es schmeckt ihm auch, aber der gedanke und das kopfkino mit der büffelzunge – irgendwann streikt er doch. gut, dass es zum abschluss sein neues lieblingsessen mit suchtpotenzial gibt. momos.

immer offen sein für neues

sampanna erzählt, dass grundsätzlich alles vom büffel gegessen wird. alles wird verwertet. wir sind froh, dass sie uns nur vor zwei krasse herausforderungen gestellt haben. aber wir hatten, auch gesteigert durch das reisbier und dem „wasser“ in den tonschalen, eine menge spass. ein schönes erlebnis. wir flanieren noch mal durch die schönen gassen bis zum bhagbhairab tempel. das schöne an den tempeln hier in nepal ist, dass sie immer belebt und von menschen bevölkert sind. was nicht unbedingt heisst, dass es laut ist. im hof des tempels brennt ein feuer, um das sich hauptsächlich kinder und jugendliche scharen. ein paar ganz kleine zwerge fegen über den platz und einige ältere einwohner sind für ein gebet zum tempel gekommen.

von hier oben bietet sich auch ein schöner blick über die stadt bis rüber zum swayambhunath tempel und ganz hinten verschwommen im dunst blitzt die spitze eines 8.000ers vor. ein schöner abschluss für einen gelungenen nachmittag. bei der rückfahrt bleibt der bus irgendwann im verkehr stecken. nichts geht mehr. wir steigen aus und laufen dank der ortskenntnis von sampanna durch viele kleine, dunkle, verwinkelte gassen nach hause.

wie zuhause fühlen

am nächsten morgen nach dem frühstück leihen wir uns bei dem netten mann aus dem masken-shop nebenan wieder zwei kleine hocker und pflanzen uns abermals in die freakstreet, um ein bisschen wärme zu tanken, zu schreiben und die weiterreise in nepal zu planen. mit musikalischer untermalung von joe cocker, neil young und ac/dc sitzen wir bis 13 uhr draußen. dann ist auch das letzte fleckchen sonne verschwunden. in der direkten sonne ist es schön warm, aber im zimmer hängt die kälte immer noch zäh in den steinwänden.

gegen später gehen wir zum ticket-schalter am durbar square, dem historischen herzen von kathmandu. will man den platz bzw. das areal betreten, muss man ein ticket lösen. da wir hier jetzt länger wohnen und den platz immer mal wieder überqueren, können wir uns einen pass (mit foto!) für vier wochen ausstellen lassen, müssen aber nur einmal bezahlen. es ist ziemlich was los vor den tempeln, mitunter eine kleine menschenansammlung. ein mann am mikro und neben ihm ein euphorischer fahnenschwenker. ehrlich gesagt keine ahnung, worum es geht. aber der mann mit der fahne ist super. voll bei der sache. später hat er von weitem gesehen, dass ich die kamera zücke. er kommt sofort zu uns, schenkt uns zwei kleine nepal-fahnen-aufkleber und posiert fürs foto. die alte frau mit den zauberhaften taschen ist auch wieder da. und natürlich die frau mit den erdnüssen. man kennt sich, lacht und grüsst sich. eine chai-verkäuferin kreuzt unseren weg und nachdem ich bestellt habe stellen wir fest, dass wir wieder nur einen grossen schein haben. 1000 rupie. der tee kostet 20. sorry sagen wir, kein kleingeld. aber von wegen. die chaiverkäuferin hat ruck zuck den grossen schein gewechselt und wir schlürfen unseren heissen tee. und wir entdecken anand. am boden sitzend und zeichnend. was daran so besonders ist, könnt ihr unter der rubrik menschen ׀ träume nachlesen. eine berührende begegnung…

nepal und ich

gegen abend erkunden wir noch mal mit sampanna die stadt. er führt uns zu einer mini-ausgabe der swayambhunath-stupa, die sich mitten in der stadt versteckt. es ist viel ruhiger als bei der grossen schwester und es gibt keine affen. die gebetsmühlen behutsam berührend drehe ich noch mal eine runde. glück kann man doch nie genug haben. in einem kleinen einheimischen lokal essen wir zu abend. stefan isst mal wieder momos und ich eine leckere, riesige portion nudelsuppe.

bei nacht über den alten markt zu schlendern hat seinen ganz besonderen reiz. die alten tempel sind beleuchtet und erscheinen im gedämpften licht noch ein ticken mystischer und geheimnisvoller. überall brennen kleine feuer um die kälte zu bekämpfen. vor den tempeln und schreinen wiegt sich sanft das kerzenlicht. obwohl trubel herrscht, nimmt mich die stimmung total gefangen.

so langsam verstehe ich, warum stefan dieses land so mag…
 
 

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kommentare

  1. Hallo Christine auch ich verfolge eure Reise mit großer Freude. Nur noch 5 Wochen dann geht es bei mir auch los. Erst nach Goa und dann nach Nepal ins La Casa und dort treffe ich dann im März Alice. Große Freude eure Berichte zu lesen. Habt eine gute Zeit.

    1. hallo bernadette! bis ihr in fünf wochen kommt ist es wärmer und der frühling hält einzug. man sieht und spürt es schon. noch schöner… und goa! da schwelgen wir auch in erinnerungen. danke für die guten wünsche und fürs mitlesen. nur noch fünf wochen… : ) liebe grüsse!

  2. Ihr Lieben,

    der Maskenmann und der auf der anderen Seite, der T-Shirt-Mann – die heißen beide Prakash, nein, der nette T-Shirt-Mann schreibt sich ohne h am Ende… Kirtipur, Kathi Swayambu mit dem besten Lemon-Tee der Stadt, Sampanna und Uttara – hach, ich will sooo gern bei euch sein. Mitzulesen ist der ideale Vorfreude-Anheizer.

    Ganz liebe Grüße,
    Alice

    1. hey alice,
      danke für die namen. wir bauen uns schon immer eselsbrücken, um uns die namen der menschen, tempel etc. zu merken. muss das cool sein, wenn man das alles schon kennt und selbst gesehen hat. und vorfreude ist ja bekanntlich die schönste freude! nepal ist echt ein träumchen. gleich gibts schon den nächsten beitrag…
      allerliebste grüße zurück – von uns beiden.

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