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malaysia ׀ cameron highlands – bienchen und blümchen und tee und herzensbegegnungen

23. Februar 2018

noch nie habe ich einen so krassen busbahnhof gesehen, wie den in kuala lumpur. er gleicht schon fast einem kleinen flughafen. es gibt gates mit kleinem wartebereich davor und das einsteigen heißt hier ‚boarding‘. unser busfahrer ist ein ordentlicher mann. als alle ihre plätze eingenommen haben, hält er erst mal eine kleine rede. üblicherweise benötigt der bus in die cameron highlands (1.500 meter) vier stunden. gestern hat er allerdings sieben gebraucht. am tag zuvor gar elf stunden. das chinesische neujahr. das muss nichts heißen, er will uns nur auf alle eventualitäten vorbereiten. außerdem darf im bus nicht gegessen werden! autsch! das sitzt. mein kopf schnellt herum und mein blick huscht zu stefan. ich sehe sein entsetztes gesicht. das ist hart. fast schön höchststrafe. hätte er gesagt keine pinkelpause. okay. aber kein essen! ; )

in unseren köpfen rattern schon die notfallpläne. wir haben erdnüsse. das kriegt er gar nicht mit. kekse wird allerdings schwierig. das raschelt zu arg… aber das war noch nicht alles. außerdem hat er in alle netze an den sitzen kleine gelbe tüten verteilt. mülltüten sollte man denken. aber nein, weit gefehlt. es sind tüten für den „notfall“. die serpentinen haben schon einen manchen zum tütchen greifen lassen. schelmisch lachend führt er weiter aus, dass wir doch bitte bei der pinkelpause nicht vergessen sollen, die vollen tütchen mit raus zu nehmen. humor hat er.

raus aus der stadt

das busterminal liegt schon etwas außerhalb der stadt. die vorstadt zieht sich extrem in die länge. es beginnt mit wohngebieten. für jeden wohntyp, und wahrscheinlich auch geldbeutel, ist etwas dabei. riesige, immense wohnblöcke thronen zwischen gebieten mit kleinen einfamilienhäusern mit garten. dazwischen, wie in der kernstadt auch, immer wieder grünflächen. und es sind noch unglaublich viele hochhäuser im rohbau. industriegebiete mit autohäusern etc. schließen sich an.

zu beginn fahren wir noch autobahn. das heißt, ich kann schreiben. deshalb sehe ich leider nicht so viel von der landschaft. aber soweit ich sehen konnte, gibt es unmengen von palmenplantagen. die pinkelpause steht an und wir werden panisch. oh mein gott. 20 minuten. schlange stehen am klo, essen, rauchen, wie soll das alles gehen? ist schon lustig, wie der mensch, oder sind das nur wir, so tickt. wir schaffen natürlich alles. in windeseile schieben wir uns zum schluss noch etwas obst und eine ladung kekse rein. das sollte passen.

synonym: unschön

später, in den serpentinen, muss ich aufhören zu schreiben. die gefahr, dass ich die erste tütennutzerin werde, ist zu groß. schnell wird klar, von was die menschen in den highlands leben. es mehren sich die straßenstände mit obst und gemüse. vor allem aber obst. noch vor der zeit kommen wir in tanah rata an. jesus! was sind das für unschöne orte hier oben. diplomatisch ausgedrückt. unser örtchen tanah rata geht noch. aber brinchang. grauenhafte, in die jahre gekommene hotelbunker verschandeln die eigentlich schöne landschaft. wäre es nur einer, okay. aber es sind viele. und das schlimme. weitere bunker sind im bau. sorry leute, aber das könnt ihr doch nicht machen!? so nimmt man den orten jeglichen charme. klar ist alles auf tourismus ausgerichtet. wie so oft, reiht sich laden an laden, unterbrochen von restaurants, hotels, hostels und banken. die landschaft, das was den ort eigentlich ausmachen sollte, nimmt man vor lauter bausünden gar nicht richtig war. ich bin ehrlich ein kleines bisschen schockiert. am meisten darüber, dass noch so viele bunker im rohbau sind.

überraschenderweise hat uns unser hotel einen pickup-service geschickt. sehr cool. der fahrer drückt uns auch gleich noch einen flyer für ausflüge in die hand. bevor wir uns hier mit diversen taxifahrten durch die highlands chauffieren lassen, machen wir doch lieber einen der angebotenen ausflüge: die country side tour. uns schwant schon, dass es wahrscheinlich einer kaffeefahrt nicht unähnlich ist und wir am ende mit heizdecken, blumensamentütchen und plüscherdbeeren aus dem auto steigen. aber: halb so schlimm!

schmetterling, du hübsches, aber armes ding

mit uns im bus sind ein rentner-pärchen aus england, zwei frauen aus deutschland und ein älteres pärchen aus der schweiz. nette truppe. die ganzen highlands bestehen eigentlich aus nichts anderem, als den orten für die touristen, markthallen und feldern, auf denen der großteil der produkte, die in den markthallen verkauft werden, angebaut werden. und das schönste: die tee-plantagen. wir aber starten mit der schmetterlingsfarm und den nicht ganz so schönen und beliebten insekten. die information, dass schmetterlinge eine so kurze lebenszeit haben, hatte ich schon einmal gekriegt, habe ich aber verdrängt. zu traurig. geschlüpfte schmetterlinge leben teilweise grade mal zwei wochen, manche bis zu einem jahr. aber das ist eher die ausnahme : (

inkognito

ein mitarbeiter der farm präsentiert uns außerdem diverse insekten. diesen krass, großen käfer, der mit dem schmetterling auf dem holz sitzt zum beispiel. nicht eklig, aber in der wohnung möchte ich den nicht haben. unser fahrer und guide führt uns zu einem kleinen baum und fordert uns auf, die nächste insektenart in den ästen zu suchen. er sehe mindestens vier. die köpfe im nacken schauen wir ahnungslos in das bäumchen. krasser scheiß. die teile sehen wirklich aus wie kleine stöckchen und klammern sich an die äste des baumes. weiß man nicht, dass es tiere sind, kommt man im leben nicht drauf. leider auch schwer zu fotografieren (stick insect). gleiches spiel mit dem wandelnden blatt (foto in der hand des mitarbeiters). das tier hat seine vorder- und die rückseite farblich auf das echte blatt abgestimmt und ist auf den ersten blick nicht zu erkennen. schon faszinierend.

wir dürfen noch ein bisschen allein durch die anlage streifen und dann gehts weiter zur honey bee farm. den bienchen. da das wetter heute nicht besonders ist, mittlerweile nieselt es, haben die bienen nicht so recht lust, ihren job zu tun. normalerweise, bescheinigt man uns, würde es hier nur so summen und schwirren und brummen. aber nicht heute. es gibt hier oben zwei bestimmte bienensorten. eine der beiden ist besonders klein und sticht nicht. auf kleinen löffelchen dürfen wir die drei verschiedenen honigarten kosten. yummy. wobei einer von den dreien sehr nach medizin schmeckt und tatsächlich auch bei allerlei gebrechen helfen soll. erinnert mich an propolis. in der anlage sind bunte bienenstöcke über das gelände verteilt. in einem stock wohnen 5.000 bis 10.000 bienen. wie schon angekündigt, sind heute wirklich nur die bienenstreber unterwegs ; ) eine sehr kleine truppe. aber in einer pflanze entdecke ich noch die zu den bienen farblich abgestimmte spinne. eigentlich kann ich bei spinnen nicht mal hinschauen, aber die ist okay. liegt vielleicht am lustigen bienenpulli.

teechen?

wieder alle rein ins auto. next stop: die boh-teeplantagen nebst produktion. auf jeden fall der landschaftlich schönste teil in den cameron highlands. wir bitten unseren fahrer unterwegs um einen fotostopp. die szenerie ist zu schön. der nebel hängt träge in den hügeln und über den teepflanzen. ein paar bunte tupfer sind im hang auszumachen. die teepflücker bei der arbeit. tatsächlich wird hier noch alles per hand gepflückt. rund 4000 ha mit teepflanzen. 200 menschen sind hier beschäftigt, die teilweise in einem eigenen kleinen dorf untergebracht sind. es gibt einen kindergarten, eine schule, eine katholische kirche, eine kleine moschee und sogar eine krankenstation. die pflanzen treiben alle drei wochen neu aus. nur die zarten, hellgrünen triebe werden geerntet. das bedeutet, es gibt immer was zu tun. das klima hier ist perfekt. meist scheint morgens die sonne und es ist warm, nachmittags gibt es öfter schauer. das ist die landschaft, die ich mir hier vorgestellt hatte und ich bin ein kleines bisschen versöhnt. aber die zeit drängt schon wieder.

wir fahren zu einem großen verkaufsraum nebst teehaus und eigentlich sollte uns hier auch die produktion gezeigt werden. eigentlich. aus einem unerfindlichen grund findet die allerdings heute nicht statt. die zwei frauen aus deutschland sind sichtlich enttäuscht. sie hätten extra nachgefragt, das wäre ihr highlight gewesen und jetzt das. wie schade! wir hatten damals vor mittlerweile 10 jahren eine tolle, exklusive führung durch eine teefabrik in argentinien. für mich war es deshalb nicht so schlimm. wir vertreiben uns die zeit bis zur weiterfahrt mit menschen beobachten und fotos schießen. die rosenanlage, unser nächster halt auf der country side tour, ist jetzt nicht sooo spektakulär. es gibt ein paar tolle andere pflanzen, aber deutschlands rosenzüchter können da locker mithalten bzw. das angebot an duftenden schönheiten mühelos überbieten. witzig ist, dass der highlander an sich schon sehr zum kitsch neigt. allerlei figürchen, schaukeln, brünnlein und anderer nippes sind in der gartenanlage verteilt.

strohbeeren (englisch: strawberries)

die anbauweise der erdbeeren an der nächsten station ist allerdings neu für mich. die pflanzen bleiben meist in ihren töpfen wohnen, es gibt ein bewässerungssystem und die ständer, in denen die töpfe gehalten werden, lassen das pflücken in normaler körperhaltung zu. gar nicht blöd. und platzmäßig kriegt man so auch einige pflanzen unter. im dazugehörigen shop gibt es allerlei schleckereien mit und aus erdbeeren. wir verzichten. stefan hatte auf einem markt schon ein leckeres erdbeer-wassereis. obwohl, als ich die frau mit den zwei süßen mädels ihre erdbeeren in leckere schokoladensoße tauchen sehe, läuft mir schon mal kurz das wasser im munde zusammen.

wunschorakel

der tempel, denn wir am schluss unserer tour besuchen, fällt ein bisschen aus dem raster. der sam poh tempel in brinchang. 1972 gebaut und wohl der viertgrößte buddhistische tempel im land. mir gefallen besonders die vielen schönen fliesen und die mosaike an den säulen am eingang. eine junge chinesin mit sanft qualmenden räucherstäbchen in der hand verbeugt sich, ihre hände vor die stirn haltend, drei mal vor dem chinesisch anmutenden dicken, lachenden buddha. ich schlendere weiter und entdecke im letzten gebäude der tempelanlage dieses kästchen mit den nummern und kleinen zettelchen drin. ein paar junge chinesen kommen hinzu, beraten sich kurz und entnehmen dann aus verschiedenen fächern die kleinen schriftstücke. das habe ich so noch nicht gesehen. soweit ich das recherchieren konnte, vor ort und im netz, handelt es sich bei den zetteln um vorgefertigte wunschzettel. heirat, kinderwunsch, beruf, partnerschaft. alles ist abgedeckt und bereits vorformuliert. meine neugier kann leider nicht restlos befriedigt werden, zum beispiel was hier mit den zettelchen passiert, weil stefan aufgeregt angerannt kommt. alle sitzen schon im bus und warten auf mich. ich hab total die zeit vergessen und zwei deutschen frauen müssen dringend zu ihrem fernbus. upsi. also renne ich zurück, schnappe mir meine schuhe, die vor dem tempel brav auf mich warten, und renne noch in strümpfen über den parkplatz.

außer teechen nix gewesen

arg viel mehr gibt es über die cameron highlands nicht zu berichten. und ganz ehrlich, hätte ich vorher gewusst was uns erwartet, wären wir nicht hin gefahren. das schönste waren die tee-plantagen. man hätte noch wandern gehen können. rund um die orte gibt es verschiedene wanderwege. teilweise wohl nicht sehr gut ausgeschildert und bei einem, wurde sogar vor raubüberfällen gewarnt. oha. auch nicht soooo einladend ; ) da das wetter aber auch ziemlich durchwachsen war (nachmittags meist regen) und wir ehrlich gesagt auch zu faul, haben wir uns dagegen entschieden. in tanah rata selbst haben wir noch einen kleinen park mit spielplatz und etwas mehr grün als beton entdeckt. das hat uns ein bisschen mit dem ort versöhnt. aber schön ist er leider trotzdem nicht.

herzlichkeit ohne worte

aber von zwei zauberhaften bewohnern möchte ich noch berichten. fürs frühstück oder abendessen schauen wir gerne mal bei google und tripadvisor und lesen die bewertungen der jeweiligen restaurants und cafes. so sind wir im yong teng cafe gelandet. zur schlechtesten zeit, da alle tische belegt waren und das ältere ehepaar ziemlich im stress schien. fast wollte man nichts bestellen. aber da haben wirs wieder. das nützt den beiden ja nichts, ist ja ihr lebensunterhalt. also nehmen wir platz auf den kleinen blauen plastikhockern und studieren die karte. die besonderheit bei den beiden, die schlecht zu schätzen sind, vielleicht so mitte sechzig: sie sind beide taubstumm. die bestellung schreibt man auf kleine fresszettel. wir sitzen ein weilchen, es werden weniger leute und man merkt, wie beide etwas entspannter werden. der mann schlurpt in gummistiefeln zum kühlschrank, trinkt einen schluck wasser, wischt sich mit der hand über die stirn, streckt die zunge raus und rollt mit den augen. puh, will er wohl sagen. das meiste geschafft für heute und er zeigt uns sein fast zahnloses lächeln. ein teil unserer bestellung haben sie vergessen und die frau gestikuliert wild in seine richtung. kurze zeit später bringt sie uns unseren pancake mit erdbeeren, honig und vanilleeis (zum frühstück!) und wackelt fröhlich mit dem kopf. das essen der beiden ist gut. nicht überragend, wie manche kommentieren, aber lecker. und ich hab sie von anfang an in mein herz geschlossen.

begegnungen mit menschen, die in erinnerung bleiben

am nächsten tag erkennen sie uns gleich wieder. es ist heiß und der große andrang ist schon vorbei. der mann wischt sich die stirn, die hitze interpretierend und deutet auf zwei bilder, die an der theke kleben. die zwei, zusammen mit einem jungen mann, mit snowboards in der hand im schnee. unter den bildern steht von hand geschrieben „neuseeland 2017“. ich frage pantomimisch, ob sie denn snowboard gefahren sind. sie zieht eine schnute, wedelt in kurven mit den händen und winkt ab. dann zeigt sie auf ihn. er hat es wohl probiert aber nur kurz, erklärt er mit gesten und lacht fast lautlos. man unterhält sich mit mimik und gestik. und das geht ganz gut. am ende vergessen sie wieder etwas von unserer bestellung und schenken uns dafür zwei kleine honigmandarinen. wir verabschieden uns im wahrsten sinne des wortes herzlich. als wir gehen, gestikuliert die frau, ob wir den ort heute verlassen und ich nicke. sie deutet ein schlagendes herz mit ihren händen an, macht ein trauriges gesicht, wirft uns kusshände zu und winkt. ein schönerer abschied hätte man sich nicht wünschen können…
 
 

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