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indonesien ׀ bali ׀ liebeserklärung an ubud

10. Juni 2018

wie schnell kann man sich wohl in einen ort verlieben? ubud jedenfalls hat mein herz im sturm erobert. schon in den ersten minuten, in denen wir im taxi durch den ort fahren, bin ich hin und weg. die atmosphäre des städtchens, die menschen, die natur – hier stimmt einfach alles. die temperaturen sind vergleichsweise auch angenehm, so dass man nicht einmal das meer vermisst.

stundenhotel

die erste nacht verbringen wir in einem guesthouse direkt beim flughafen, in das wir mitten in der nacht einchecken. gegen halb drei wecken wir unseren auf der terrasse schlafenden gastgeber. ohne viele worte gibt er uns den zimmerschlüssel und wir gehen ohne umwege direkt ins bett. morgens schlafen wir genau so lange, dass wir grade noch frühstücken können und dann gehts mit dem minivan direkt weiter nach ubud.

dekorative schönheiten

die autofenster weit geöffnet, lassen wir uns den wind um die nase wehen und die insel im tageslicht auf uns wirken. riesengroße, fast schon übermächtige skulpturen schmücken das innere diverser kreisverkehrsinseln. entlang der großen hauptstraße wird schnell klar, was ein haupterwerbszweig der balinesen ist. imposante holzplatten, natürlich oder glatt geschliffen, wunderschöne schränke, bänke und dekorationsartikel aus holz ziehen am autofenster vorbei. ein stück weiter sind es traumhafte rattanmöbeln, korbwaren und steinskulpturen jeglicher art – alles in rauen mengen. wow. hier ein haus einzurichten, wäre ein echtes träumchen.

unser zuhause in ubud

in ubud angekommen ist unsere unterkunft über airbnb mal wieder ein richtiger glücksgriff. das askara guesthouse liegt nicht mittendrin im trubel, sondern etwas abseits. da wir eh ein roller mieten wollen, also perfekt. das team, das uns begrüßt, ist super nett und sympathisch und wir fühlen uns gleich total wohl. unser zuhause für eine woche. die freude wird am nächsten tag kurz getrübt da wir überlesen haben, dass nebenan gerade baustelle ist. die verfolgen uns gerade ein bisschen, ich glaube es ist mittlerweile schon das vierte hotel mit oder neben einer baustelle. aber auch hier findet sich eine lösung. man bietet uns sofort an, das zimmer zu wechseln und versichert uns, dass es die nächsten tage ruhiger wird. so ist es und wir sind glücklich und zufrieden.

wenn der tag erwacht in tegalalang

entgegen unseren gewohnheiten stehen wir am nächsten morgen um halb sechs auf und machen uns, mit unserem krass schicken roller, direkt auf den weg in die bekannten tegalalang reisterrassen. wir wissen nicht, wo genau man am besten in die reisfelder steigt, um das beste und schönste licht zu haben. zum fotografieren definitiv die falsche seite, stellt sich heraus. aber egal. wir sind hier. wenn auch fast schon ein bisschen spät. das erste rosa ist schon verflogen, die sonne kriecht langsam hinter dem berg hoch, schickt einzelne strahlen über die reisfelder und lässt die palmen und das grün auf unserer seite in prächtigem licht erstrahlen. der reis auf den terrassen ist golden braun, teilweise schon geerntet, der andere teil bereit dafür. ein wunderschönes bild.

der frühe vogel muss die würmer teilen

natürlich hatten wir gehofft, dass außer uns nicht allzu viele touristen auf die idee kommen, so früh aufzustehen. ihr ahnt, wie es ausgeht, oder? selbstverständlich sind wir nicht die einzigen, was ja auch okay ist. aber es wird mal wieder gepost und vor der kamera rumgehopst und gesprungen. ohne worte… nein, geht nicht. mit ein paar worten. ja, ich steigere mich da vielleicht etwas hinein, aber ich bin immer wieder überrascht, wie selbstverliebt die menschen doch sind. viele von den reisenden, denen ich zum beispiel auf instagram folge, halten auf jedem (!) foto ihr gesicht in die kamera. manchmal sieht man kaum, wo genau sie sich befinden. und ich frage mich immer warum? müssen sie der instagram-welt beweisen, dass sie tatsächlich da waren? oder sich selbst? und nehmen sie die umgebung überhaupt wahr in ihrem wahn? ich sollte schleunigst damit aufhören, mich darüber aufzuregen. ich werde es versuchen, ich versprechs.

was es so besonders macht

auf den straßen ist mittlerweile ganz schön was los. wir teilen uns die schmale fahrbahn mit einheimischen rollerfahrern, auf dem rücksitz frauen mit großen schüsseln. sie sind alle auf dem weg zu den tempeln im dorf, um ihre opfer darzubringen. jedes dorf hat wohl drei tempel, die von allen genutzt werden. ein tempel des ursprungs, einen in der dorfmitte und einen tempel der toten, wo auch der friedhof zu finden ist. aber das allerschönste ist für mich, dass jedes haus seinen eigenen tempel hat. je vermögender die familie, desto größer und prunkvoller natürlich die tempel. das heisst aber nicht, dass dies auch die schönsten sind. könnt ihr euch vorstellen, wie viele tempel das sind? das verleiht ubud dieses ganz besondere flair, diesen mystischen charme.

flaniert man durch die straßen und gassen, liegt immer ein geheimnisvoller, exotischer duft der räucherstäbchen in der luft. auf den gehwegen vor den unterschiedlichen toren entdeckt man überall kleine, aus palmblättern gebastelte opferschalen, die mit reis, blumen und räucherstäbchen gefüllt sind. manchmal findet man auch kekse oder bonbons darin. viele balinesen bringen diese opfer drei mal täglich, um die götter zu besänftigen. dementsprechend viele schälchen sind auf der straße zu finden und man sollte immer die augen offen halten. allerdings ist es wohl nicht schlimm, wenn man aus versehen drauf tritt. angeblich saugen die götter die energie direkt beim opferritual. deshalb ist es auch kein ding, wenn die straßenhunde kurz danach ihre süßen nasen reinstecken und das ein oder andere opfer „verschwinden“ lassen. sind die türen und tore der tempel geöffnet, kann man ab und an einen blick hineinwerfen.

feiertage

zusätzlich wird das eh schon unfassbar schöne straßenbild im moment von vielen naturfarbenen, bunt geschmückten bambusstäben vor den häuser noch mehr aufgewertet. es erinnert ein bisschen an den deutschen palmsonntag. die ‚palmen‘ haben zwar alle die gleiche form, aber die kleinen, bunt verzierten, unten angebrachten tempel unterscheiden sich ebenso, wie die geschmückten wedel die hoch über der straße pendeln.

über 90% der bevölkerung auf bali bekennt sich zum hinduismus. die auf bali einzigartige religion nennt sich ‚agama hindu dharma‘. im balinesischen glauben wurde die welt von sang hyang widi, dem höchsten gott, erschaffen. am jahrestag der schöpfung (galungan), der alle 210 tage gefeiert wird und eine 10tägige festzeit einleitet, besucht dieser höchste gott zusammen mit anderen göttern und den ahnen die tempel bzw. die häuser der nachkommen, der lebenden, und verlässt diese am letzten tag (kuningan) wieder. zu diesem feiertag werden die häuser mit den bambusstangen namens penjor geschmückt, die die anwesenheit des schöpfergottes symbolisieren.

symbole

überhaupt es gibt so viele besonderheiten zu entdecken. auch hier sind die statuen, schreine und auch bäume teilweise mit stoffen umwickelt. ganz oft schwarz-weiß kariert, manchmal auch in gelb. die farbe weiß steht für das leben, schwarz steht für den tod. gelb symbolisch für die natur. ist ein gegenstand mit einem karierten stoff umwickelt, so ist dieser heilig. die tücher sollen alles heilige beschützen. das karo von schwarz und weiß bildet quasi das gleichgewicht zwischen leben und tod – das yin und yang.

jeden abend hören wir es in der ferne der stadt trommeln und flöten und irgendwann später zieht eine gruppe von kindern oder jugendlichen vorbei, die laut musizierend mit einem tigerdrachen (?) durch die straßen ziehen, und ihr taschengeld aufbessern. ob das auch mit den feiertagen zusammenhängt oder ob sie immer unterwegs sind, kann ich nicht sagen…

durchatmen

das team im guesthouse ist anfangs etwas verwundert, dass wir total relaxt sind und nicht immer auf achse. die meisten gäste sind durchschnittlich zwei tage hier und haben volles programm. wir schlafen erst aus, frühstücken und gehen dann irgendwann später mal los. oder auch nicht. genau das war der plan für indonesien. mal wieder süsses nichtstun am stück. nicht jede sehenswürdigkeit abklappern, wie mir meine freundin viktoria empfohlen hat. um mich dann übrigens zu rügen, dass wir auf jeden fall in den monkey forest müssen ; ). was soll ich sagen: machen wir nicht. und wir gehen auch nicht in die großen, bekannten tempel. das schönste hier ist, mit dem roller durch die landschaft zu düsen, hier und da stehen zu bleiben, auch mal kleine, unberühmte tempel anzukucken und einfach nur die prächtige landschaft wirken zu lassen. ein träumchen. ach und einen nachmittag verbringen wir, wie viele touristen hier, in ubud im tattoo-studio. ein oder zwei schöne souvenirs, die nicht in den rucksack müssen. mehr wird nicht verraten. ; )

stadtimpressionen

im zentrum von ubud ist es zwar wahnsinnig touristisch und es herrscht eigentlich immer verkehrschaos, aber dennoch kann man auch diesem teil etwas schönes abgewinnen. vor allem, wenn man wie wir, zum schlafen den wirren der innenstadt wieder entfliehen kann.
hippe cafes und trendige restaurants reihen sich aneinander, unterbrochen von kleinen, feinen ladengeschäften und schönen ständen. wir streifen an vielzähligen makramee-traumfängern vorbei, ich bewundere die wunderhübschen taschen aus korb, von denen ich mir so gerne eine mitnehmen würde, den filigranen silberschmuck, knallig bunte gemälde und tolle kleider. leider platzt der rucksack schon jetzt aus allen nähten und als nächstes reisen wir nach neuseeland in den winter. sprich keine sommerklamotten für mich. sind die damen an ihren ständen gerade kundenlos, werden zwischendurch, bei einem schwätzchen, die kleinen schälchen für die täglichen opfer gebastelt.

verkehrsrowdys

sehr amüsant ist das rollerbild der touris. vorne der fahrer, hinten der sozius, den blick stehts auf das handy in der hand gerichtet, um zu navigieren. häufiges wenden, da man die gasse zum abbiegen verpasst hat, inklusive. die ganz mutigen trauen sich nach zwei tagen auch wie die einheimischen in die einbahnstraßen reinzufahren, um abzukürzen. ich will hier keine namen nennen *hüstel.

zeitmaschine

aber selbst zu fuss aus der innenstadt ist es möglich, nach ein paar hundert metern mitten in der weitläufigen natur zu stehen. ganz oft verbergen sich, von der straße nicht sichtbar, hinter den häusern unzählige felder. an einem nachmittag schlendern wir die, von sponsoren finanzierte straße, jalang kajeng entlang. eine schmale gasse, gepflastert mit den grüßen, unterschriften und handabdrücken der edlen spender, die den berg hinaufführt und in einem meer von grünen, gelben und goldbraunen reisfeldern endet. eine ganz andere welt, als hätte man einen zeitsprung gemacht. unfassbar.

arg viel mehr sehen wir von bali anfangs nicht. die letzte woche werden wir noch mal hier am strand verbringen. aber ubud habe ich schon jetzt in mein herz geschlossen und ich bin mir sicher, ich war nicht das letzte mal hier.
 
 

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kommentare

  1. Hallo Christine,
    Euer Inselhopping verfolge ich auch 🙂 Schildkröten im Wasser sind so schön. Das durfte ich auch schon mal live erleben. Bisher teilen sich Indonesien und Nepal den ersten Platz von Orten, die ich unbedingt auch sehen möchte 🙂
    Nein, nein, das ist nicht böse. Ich lese jetzt eben am Handy 🙂
    Ganz liebe Grüße an euch beide

    1. hallo anna!
      die schildkröten und vor allem die mantas waren auch eines meiner besonderen highlights. wir fanden indonesien super. wenn man allerdings nur einen strandurlaub machen will, ist es vielleicht nicht das richtige. aber wir haben so tolle menschen kennengelernt und zauberhafte orte besucht – grossartig. und zum tauchen gibt es noch einen geheimptipp ; )
      liebe grüsse nach KA!

  2. Liebe Christine,
    bin ich froh, dass du Ubud genau so wahrgenommen hast wie ich.
    Du hast recht, die Meinungen sind wirklich sehr geteilt aber ich wurde auch einfach verzaubert von der Atmosphäre und der Natur. Pure Freiheit mit dem Roller beim Sonnenuntergang die Reisfelder entlang zu fahren.
    Ich freue mich auf deinen Bericht über Nusa Penida, was ja zusammen mit Ubud mein absolutes Indonesien Highlight war.
    Liebe Grüße,
    Nele

    1. hey liebe nele,
      wie schön von dir zu lesen! vor allem bei diesem beitrag. ich bin so froh, dass du mir ubud ans herz gelegt hast. danke dafür! die stadt hat so viel zu bieten und lässt einen so viel fühlen, unbeschreiblich. und nusa penida… der beitrag ist auch bald online! noch mal vielen herzlichen dank für deine indonesien-empfehlungen und allerliebste grüße!

  3. Hallo meine Liebe,
    Schön mit euch wieder nach Ubud zu reisen auch wenn ich nur gedanklich dabei bin 🙂
    Ich habe mich auch sofort in die Stadt, das Treiben und die Reisfelder verliebt. Ein Ort an den ich ebenfalls definitiv zurückkehren mag.
    Genießt weiterhin die Reise und das Abenteuer 🙂
    Viele Grüße,
    Simone

    1. hey mone! wie schön, von dir zu lesen! ja, die meinungen über ubud sind geteilt. aber die mehrzahl ließ sich doch von der traumhaften atmosphäre verzaubern. vielen dank für die guten wünsche! morgen gehts weiter auf gili meno und da gibt es dann wirklich NICHTS zu kucken. außer fischlein und (hoffentlich) schildkröten. was wir auf nusa penida erlebt haben, gibts auch bald zu lesen und zu sehen. knaller! allerliebste grüße nach stuttgart von uns beiden!!

  4. Hallo Christine,
    Die Artikel und die Bilder sind echt super und ich freue mich immer, wenn es einen neuen gibt. Einfach alle Länder sind sooo interessant.
    Genießt die Reise weiterhin 🙂
    Ganz liebe Grüße aus Karlsruhe (hier ist auch schon Sommer)
    Anna
    PS: Meine Firma hat deinen Blog auf die cblack list“ gesetzt, weil irgendwo „Sex“ vorkommt, hihi 😀

    1. hallo anna,
      ich freu mich sooo sehr über so liebe kommentare! vielen herzlichen dank!
      und ja, wir genießen weiterhin. gerade machen wir ein klitzekleines inselhopping in
      indonesien. aber ein schöner sommer in deutschland ist auch nicht zu verachten : )
      habt ganz viel spaß und ganz liebe grüße von uns beiden zurück!

      ps: oh mein gott! „sex“? *tihi. ich hab das sofort überprüft und festgestellt, dass ich mehrmals
      das wort sexy sowie einmal das wort unsexy und geschmacksexplosion geschrieben habe. ist das böse? und wirkt sich das irgendwo irgendwie übel aus? das wäre ja nicht so schön…

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