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indien ׀ old goa, anti-ponyhof und jesus

27. Dezember 2017

es gibt auch blöde ideen. wie unsere, nach old goa zu fahren, weil wir halt noch was anschauen wollten. das ist jetzt vielleicht bissi unfair old goa gegenüber, aber die mission war von anfang an zum scheitern verurteilt. da es tagsüber wirklich richtig heiß wird, sind wir um 7 uhr morgens schon zum bus. die idee war gut und richtig. als wir zur bushaltestelle gelaufen sind, umgeben von bunten, blinkenden lichtern, die die häuser und palmen zieren, begrüßten uns zu allererst die hunde des ortes, die ihren morgenspaziergang absolvierten. einer von ihnen hatte sogar kleine tricks drauf, mit denen er bestimmt viele touris verzückt. wedelt mit seiner pfote vor seiner schnauze und macht eine art verbeugung. zauberhaft. aber leider hatten wir nichts, was wir ihm anbieten konnten. „ob er auch geld nimmt?“, fragte ich stefan lachend. ein paar einheimische waren auch schon unterwegs. dick vermummt in dicke pullis, die kapuzen tief ins gesicht gezogen. ist ja auch winter hier. neben mir stand stefan lockerflockig in kurzen hosen und t-shirt.

eine busfahrt, die ist lustig

mit dem local party bus (laute musik und blinklichter) fuhren wir von fatrade nach margao, dann weiter nach panjim (shuttle ohne zwischenstopp) und am ende wieder mit dem local bus nach old goa. local bus bedeutet, dass der bus viele haltestellen hat. und zwar nicht nur wie bei uns angezeigte bushaltestellen, nein, man kann auch gerne zwischendurch aussteigen. das heißt, man ist ein weilchen unterwegs und es kann sehr voll werden. die fahrt dauerte insgesamt knapp über 2 stunden.

ich hatte schon im reiseführer gelesen, dass es in old goa hauptsächlich kirchen gibt. also katholische kirchen. und jetzt geht’s schon los. katholische kirchen. wir fliegen durch die ganze welt und sehen uns allerlei tempel und heilige stätten an. finden sie toll, sind begeistert. bei katholischen kirchen dagegen tun sich viele schwer. wir auch. vielleicht auch, weil uns teilweise das tun der katholischen kirche missfällt. nichts desto trotz gibt es auch tolle bauwerke. keine frage. ich mag allerdings die schlichten am liebsten. ich rede von der innenausstattung. mit wenig schi schi und schnick schnack und gold. einfach. aber zurück nach old goa. die erste kirche die wir besichtigen, ist die basilika „bom jesus“. das interessante an dieser kirche ist, dass franz xaver hier begraben ist. also in teilen zumindest.

der unglaubliche franz xaver

franz xaver, gerade das theologie-studium abgeschlossen, wurde 1541 von den jesuiten nach goa gesandt, um den ausschweifungen der portugiesen einhalt zu gebieten und die moral der untertanen wieder herzustellen. er nahm seine aufgabe sehr ernst, gründete viele kirchen und bekehrte zehntausende von menschen in süd-indien. angeblich konnte er sogar tote erwecken und kranke mit seinem rosenkranz heilen. auf einer mission richtung china erkrankte er auf einem schiff an der ruhr, starb und wurde auf einer insel beigesetzt. zwei mal wurde er exhumiert und erneut beigesetzt, am ende in der basilika, und man wunderte sich, dass der leichnam noch so gut erhalten war. im laufe der zeit haben wohl reliquienjäger und neugierige geistliche gliedmaßen und eingeweide entfernt. der rechte arm von franz xaver wurde 1614 erzählungen nach an den papst geschickt, wo er angeblich seinen namen „eigenhändig“ auf papier schrieb. das grab und die sterblichen überreste sind wie gesagt in der kirche zu sehen und alle zehn jahre gibt es eine große zeremonie und prozession, bei der man ihn rituell betrachten und huldigen kann. angeblich nehmen bis zu 250.000 pilger teil. das war franz xaver. spannender typ.

in einem nebentrakt gab es die darstellung jesus am kreuz. ich habe sie nicht fotografiert. er war über und über mit blut bedeckt. fast schon martialisch. und ich dachte nur, wenn jesus das sehen würde, wäre er sicher genervt. ich glaube nicht, dass das in seinem sinne wäre. ich meine, schauen wir uns mal die buddhas an, die es so gibt. die lachen, sind fröhlich und haben spaß. immer positiv, oder? den dalai lama kennt man hauptsächlich lächelnd. wenn ich an unseren aktuellen papst denke, sehe ich ein fröhliches gesicht vor mir. ja, jesus ist am kreuz gestorben. das war schrecklich. quälend. aber er ist auch auferstanden. sollte das nicht die botschaft sein? müssen wir immer das leid vor augen haben? schmerz? trauer? unmengen von blut?

jesus, die kirche und warum wischt keiner staub?

ich mag jesus. ich finde ihn absolut cool. aber ich glaube, wenn er heute noch physisch unter uns weilen würde, käme er aus dem kopfschütteln nicht raus. was ist nur passiert? was ist aus dem ursprünglichen gedanken geworden? den menschen, halt zu geben? seelsorger zu sein? dem grundgedanken, menschen beizustehen, alten und kranken zu helfen? nur ein beispiel: früher hat der pfarrer im pfarrhaus im dorf gewohnt. alle kannten ihn, er kam auch zu jedem fest. er war ansprechbar. greifbar. für alle. egal ob es um taufe, hochzeit, beerdigung oder sonst etwas ging. heute sitzt man wildfremden menschen gegenüber und versucht, etwas über sich zu erzählen, damit das ganze eine persönliche note bekommt. ja, ist schwierig, ich weiß. selbst wenn er im dorf wohnen würde, könnte er auch nicht alle kennen. aber es war anders. man hatte das gefühl, man würde sich kennen. wenn auch nur vom sehen. so wie den bürgermeister. zwischenzeitlich ist ein pfarrer für eine vielzahl von gemeinden/pfarreien zuständig, das kann doch nicht gut sein. weder für die bewohner, noch für den pfarrer. kann dieser seiner berufung gerecht werden? hier wird gespart. an anderen ecken und enden allerdings wird nicht gespart. da bin ich wieder bei den kirchen. wofür der ganze prunk? die prachtvollen, aufwendig dekorierten kirchen, wenn keiner hin geht? weil man sich verloren oder fehl am platz vorkommt? die kleinen orte und die menschen die dort leben werden irgendwie vergessen. aber ich finde es so wichtig, dass es einen ort gibt, wo die menschen hin können. wenn man weiß, da ist jemand, ich bin nicht allein. einen ort wo sie trost finden. vergebung. ein offenes ohr. mitgefühl.
am ende ist es doch egal, wieviel gold in einer kirche verarbeitet wurde oder aus welchem material der altar ist. vielleicht ist es schöner, wenn die kirche im winter warm ist und man nicht mit kalten füssen im gottesdienst sitzt?
oder würden die menschen eh nicht hingehen? weil mittlerweile jeder alles mit sich selbst ausmacht? zuhause? manche einsam. im stillen?
ich gestehe, ich selbst gehe auch nicht zur kirche. aber ich habe einen guten draht. high speed dsl sozusagen. und trotzdem glaube ich, dass es vielen menschen helfen könnte.

gott sei dank gibt es noch menschen wie den aktuellen papst oder den dalai lama. ich habe das gefühl, die menschen brauchen jemanden wie die beiden, die an das gute glauben und nicht aufgeben. der mensch braucht ein vorbild. ein idol. genau wie kinder vorbilder benötigen. gute vorbilder. es geht um respekt füreinander, für die umwelt, für tiere, für alle menschen ob arm oder reich.

liebe, vergebung, toleranz sagt der dalai lama. dieser meinte in interviews schon des öfteren, dass es vielleicht keinen neuen dalai lama geben wird. das fände ich fatal. menschen wie er sind so bedeutsam. menschen, denen man wirklich glaubt und abnimmt, dass es ihre mission ist, ein gutes leben zu führen und für andere menschen da zu sein. selbstverständlich haben die zwei auch allerlei annehmlichkeiten. aber ich denke sie verzichten auch auf einiges, von dem sie überzeugt sind, dass sie es nicht brauchen. was bestimmt auch einigen missfällt.

wichtig ist, dass die menschen an etwas glauben. egal wie der gott heißt oder ausschaut. so lange es friedlich bleibt und wir uns gegenseitig respektieren und tolerieren.

dieses jahr fand in offenburg ein großes treffen der katholischen jugend statt. das fand ich großartig. da war die hölle los ; ) (ja, ich finde man kann auch beim thema religion ein augenzwinkern verkraften). so viele junge, aufgeweckte und moderne menschen, die hoffentlich den glauben niemals verlieren. und wenns gut läuft, frischen wind in die kirche bringen. alles ein bisschen entstauben, lockerer gestalten. man hat doch immer noch ein komisches gefühl wenn man in der kirche sitzt und eigentlich beifall klatschen möchte, weil einem etwas gut gefällt, aber irgendwie traut man sich nicht. ist das nicht schade? das ist doch das leben. sich austauschen, gemeinsam lachen, singen, tanzen, … da könnten wir uns wieder ein bisschen was von anderen glaubensgemeinschaften abschauen.

ärger im paradies

so. abgeschweift. komplett. unsere geschichte ging so aus. wir haben zwei kirchen besichtigt, eine ruine, es war heiß und wir haben uns gezofft. das ende vom lied: nach einer stunde haben wir uns wieder auf den rückweg gemacht. das hat sich doch absolut gelohnt. fünf stunden unterwegs für eine „so lala stunde“ in old goa. ich dachte mir schon vorher, dass der ausflug nicht so das richtige für uns ist und stefan hatte eine falsche vorstellung von dem, was uns erwartet.

also wieder in die drei busse und zurück das ganze. beim letzten bus hatten wir allerdings etwas pech, da dieser quasi an unserem zielort vorbei fuhr. mist. der busfahrer hatte mich nicht richtig verstanden und bis varca lief alles gut. wir sind dann mitten in der pampa ausgestiegen und haben uns zu fuss auf den rückweg gemacht. ganz klassisch. der mann vorne weg, die frau fünf meter dahinter. hatte ich die hitze schon erwähnt? mir brummte eh schon der kopf weil streit, sonniger busplatz, etc. wir liefen und liefen und hatten keinen plan, weil wir von dieser seite den ort noch nie befahren haben. als wir an einem haus vorbei kamen, vor dem ein paar jugendliche standen, habe ich diese gefragt ob sie wissen, in welche richtung wir laufen müssen. und was soll ich sagen: zwei von ihnen haben uns auf ihre roller gepackt und uns bis vor die haustür chauffiert. und sind danach, uns eine schöne zeit in indien wünschend, winkend davon gebraust. das fand ich grosses indien-kino!

zuhause angekommen haben wir uns dann auch schnell wieder eingekriegt. es gibt eben nicht nur ponyhof-tage. auch nicht im paradies ; )

 

ps. die süsse, junge dame (letztes bild) begleitet uns schon durch ganz indien. deshalb kriegt sie heute einen platz in der bildergalerie.

 

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