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indien ׀ mumbai kriegt so ein bisschen unsere kalte schulter

18. Dezember 2017

warum können wir gar nicht so recht sagen. oder doch? vielleicht sind wir einfach „stadtmüde“. wir zwei landeier sind einfach nicht für grossstädte gemacht. mal kurz. aber so lange am stück. echt anstrengend. deshalb haben wir uns am ersten tag in unserem rosa, sauberen, relativ ruhig zimmer verschanzt. nur das gurren der tauben und das krächzen der raben und der klimaanlagen dringt durchs offene fenster. zum essen sind wir kurz raus. aber auch nur ums eck. warum in die ferne schweifen, wenn das gute liegt so nah.

tag 1 war also mehr organisatorisches dran. stefan meinte, wir müssen uns schonen für den inka trail. in einem dreiviertel jahr ; ) wir haben wäsche gewaschen, einen flug nach goa gebucht, nach zimmern bzw. wohnungen gekuckt. irgendwie fanden wir das ziemlich schwierig. wo gehen wir jetzt hin? wo ist es schön? zumal wir dort ziemlich lange an einem ort bleiben wollen. auch über weihnachten. und wir haben entschieden, uns eine wohnung mit kochmöglichkeit zu buchen. dieses mal über airbnb. bisher haben wir meist über booking.com gebucht, einmal über hostelworld. die bilder der wohnung sehen toll aus, wenn jetzt noch das drumherum sprich strand und so stimmt, haben wir es bald schön, ruhig und warm. yay!

ungerechte welt

aber noch sind wir im schwülwarmen mumbai. als wir am abend zum essen raus sind, wurden wir wieder mehrmals angesprochen. meistens werden uns rundfahrten in der stadt angeboten. unter anderem auch eine slum tour. schräg, oder? man wird als touri durch die slums geführt. mittlerweile wurde ich aufgeklärt, dass die einnahmen durch die touren den slums zugute kommen. hoffentlich. trotzdem finde ich das irgendwie bizarr. ich hab schon in der stadt meine probleme. abends nach dem essen hat uns ein zauberhaftes kleines mädchen verfolgt. sie hat meine kamera gesehen und uns angebettelt. sie war so süss. in einem bunten kleidchen. die hände und füsse total schmutzig. und sie ist uns ewig nicht von der seite gewichen. dieser blick. mitten ins herz. das verfolgt einen. lange… was hat sie für eine zukunft? später war es ein alter mann, der mich mit seinen traurigen, braunen augen lange gemustert hat. er wollte uns postkarten für 5 dollar verkaufen. und auch er stand ewig bei uns. immer wieder stehen menschen vor dir, die um essen betteln. ganz ehrlich? das ist ein sch… gefühl!

mumbai ist doch ein bisschen anders als die anderen städte. es ist tatsächlich strukturierter, hat man das gefühl. moderner liest man. der verkehr ist nicht ganz so aufgeregt. aber die männer mit ihren holzkarren und dem tollen obst und gemüse fehlen. und die tuk tuks. zumindest in dem viertel, in dem wir wohnen. wer hätte gedacht, dass sie uns fehlen? so richtig können wir aber nicht beurteilen, was mumbai ausmacht. dafür haben wir zu wenig gesehen.

eine kleine dosis mumbai

tag 2 in mumbai: zu fuss sind wir zum gateway of india. da erging es uns beiden wie in berlin, als wir, unabhängig voneinander, das brandenburger tor zum ersten mal gesehen haben. die erwartungen sind hoch und dann ist man enttäuscht. das ist es jetzt? hm? okay. das wahrzeichen mumbais ist eher schlicht und unscheinbar. direkt daneben thront das berühmte, betagte hotel taj mahal palace und daneben der neuere tower. mister tata hat das mal schnell da hingestellt, weil die briten ihn in ihrem hotel, damals das beste der stadt, nicht haben wollten. das „andere“ hotel der briten existiert übrigens heute nicht mehr. in dem moment kommt uns zugute, dass wir doch ab und an im reiseführer schmökern. bei der gelegenheit habe ich nämlich gelesen, dass man die lobby besichtigen kann und es dort auch eine feudale toilette gibt. ha! da werden wir doch mal vorbei schauen, bevor wir uns auf die fähre zur elephanta insel begeben. und wie das immer so ist auf damentoiletten, und auf feudalen sowieso: schlange stehen. da stehen wir und warten, vor mir drei hübsche, junge spanierinnen, kommen zwei inderinnen und gehen direkt in die grade frei werdende kabine. äh, hallo? die spanierin vor mir regt sich tierisch auf. „das machen die immer. das ist so respektlos. diese drängelei immer. das gibt es doch nicht.“ ich versuche anzumerken, dass ihnen das prinzip des schlange stehens vielleicht nicht vertraut ist? vielleicht denken sie ja, wir drücken uns gerne in frauentoiletten rum und gaffen? so als hobby. die spanierin lacht. als das nächste indische frauenpaar reinkommt, weist sie sie allerdings sofort in die schranken bzw. ans ende der schlange. und die beiden reihen sich brav hinten ein und kucken ein bisschen verdutzt ausem sari.

da wir von städten ein bisschen das schnäuzchen voll haben, fahren wir also vom gateway of india mit der fähre eine gute stunde zu den elephanta-höhlen. über dem meer liegt mal wieder dichter, grauer dunst. smog vom feinsten. man fährt quasi ins triste nichts. das meer ist auch nicht blau, sondern eher braun mit einem dezenten grünstich. aber dennoch ist die fahrt durch den wind angenehm. es hat ca. 28 grad und ist irre schwül. zwischendurch denkt man immer wieder, am horizont zeichnet sich land ab. aber am ende sind es nur boote und riesige schiffe, die vor dem hafen liegen.

bildhauerkunst auf der insel

die höhlen auf elephanta sind der göttin shiva gewidmet und gehören zu den bedeutendsten werken der hinduistischen bildhauerei. seit 1987 sind die höhlen von der unesco als weltkulturerbe anerkannt.
bevor man die höhlen erreicht, läuft man von der anlegestelle der fähren über einen langen steg, gesäumt von verkaufsständen. auch hier gibt es unmengen von heiligen kühen (ob die auch mit der fähre kommen?) und ihre hinterlassenschaften (holy shit). außerdem sind sie ziemlich frech, so dass sich die standbesitzer mit stöcken behelfen die sie auf den boden schlagen, um die hungrigen kühe zu vertreiben. die hat man damit ganz gut im griff. als wir die 100 stufen zu den eingängen der höhlen erklimmen höre ich plötzlich einen ärgerlichen stefan hinter mir schimpfen. hat ihm doch so ein kleiner frecher affe die tüte in der hand zerfetzt und unsere schönen bananen geklaut. ratz fatz ist er damit in den büschen verschwunden. das man ihn höhnisch lachen hört, bilde ich mir wohl nur ein. und immer wieder zwischendurch sieht man weinende kinder, die die frechen biester um ihr eis oder ihre chips gebracht haben.

die bildhauerarbeiten sind imposant und toll. es ist zwar einiges zerstört, weil die insel zwischendurch militärisch genutzt und die höhlen beschossen wurden, aber dennoch sind die bildhauereien größtenteils noch intakt. beeindruckend. oder wie stefan sagt: „haja, nett gmacht“.

wir sind mal wieder fasziniert, was es für tolle, sehenswerte monumente aus früheren zeiten auf der welt gibt. was hinterlassen wir? server über und über gefüllt mit selfie-bildern aller nationen.
selfie-anfragen an uns werden bei den höhlen leider abgelehnt. ich fühle mich klebrig und verschwitzt und kann nur mit mühe zauberhaft in die kamera lächeln. bei kleinen kindern mache ich zwischendurch eine ausnahme.

so viel schöner kitsch und nippes

auf dem rückweg die stufen hinunter erstehe ich an einem der stände unter den blauen dächern ein wunderhübsches armband mit kleinen elefanten. es gibt so viele tolle, lustige, schöne sachen. schade, dass es für uns aus platzmangel mit souvenirs so schwierig ist…

zurück in der stadt lassen wir noch ein bisschen die atmosphäre vom gate auf uns wirken. ich unterhalte mich mit einem netten, jungen mann über den süden von indien. wie sich herausstellt ist er travel agent. allerdings völlig unaufdringlich und er rät uns, auf jeden fall in kerala vorbei zu schauen. stefan wird noch von einer horde jungen angequatscht. ein selfie bitte. als er sich dann noch eine zigarette dreht, werden die augen noch größer. german cigarette style.

mittlerweile ist es dunkel und wie schon so oft sagt stefan: „indien gefällt mir nachts einfach am besten“.

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kommentare

  1. Also die Höhlen sehen ja echt beeindruckend aus.. wenn man bedenkt das es damals noch keine Presslufthammer gab, echt toll. Also die Bilder bei Dämmerung oder Nacht fand ich bisher auch echt schön, Tagsüber zwar auch, aber man sieht wie viel da als immer los ist.

    Was die Souvenirs angeht, wäre es nicht möglich das ihr immer in paar sammelt und diese schonmal voraus zurück nach Deutschland schickt? Wäre ja echt schade wenn ihr nicht aus jedem Land das ein oder andere mitnehmen könnt.

    Liebe Grüße
    Sebastian

    1. hallo sebastian 🙂 die schönsten souvenirs sind die, die wir in unseren köpfen und herzen behalten! ein paar mini-andenken bringen wir uns schon auch mit aber halt nix großes und nix zerbrechliches. per post geht bestimmt, aber wer weiß ob das jemals ankommt. außerdem geben wir unser geld lieber für essen aus 😉
      viele grüße,
      stefan

  2. Hallo ihr Beiden,
    Schöne Bilder und Einträge! Freue mich immer, neues zu lesen/sehen.
    In Kerala war ich auch schon, aber ist 10 Jahre her und ich kenne keine Ortsnamen mehr. Es war aber sehr schön!
    Weiterhin eine schöne Reise 🙂
    Grüße aus Karlsruhe
    Anna (von Boris)

    1. hallo anna! das freut uns so sehr, dass der blog gefällt : ) ja kerala. mal sehen ob es zeitmässig noch klappt. danke dir und ganz liebe grüsse in die heimat!

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