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indien ׀ es grünt so grün in keralas backwaters

4. Januar 2018

es klingt vielleicht komisch, aber wir versuchen grade, ein bisschen alltag in unsere reise zu bringen. das ding ist, wir wollen ein jahr unterwegs sein. ein tempo wie in drei wochen urlaub oder einer vierwöchigen reise können und wollen wir in dieser zeit nicht durchziehen. deshalb versuchen wir zwischendurch immer ein bisschen „alltag zu leben“. hihi, nein, das stimmt so auch nicht. wir müssen ja nicht arbeiten… eher so, dass wir nicht durchgehend von morgens bis abends unterwegs sind und uns ununterbrochen sehenswürdigkeiten anschauen. wir sind auch öfter mal „daheim“ und vertreiben uns dort die zeit. und es wird uns dabei nicht langweilig. stefan ist ganz viel am malen. sein skizzenbuch füllt sich täglich mit vielen schönen zeichnungen. ich sortiere bilder, recherchiere ein bisschen und schreibe. stefan bearbeitet mir dann die ausgesuchten bilder und am meisten zeit geht eigentlich fürs beiträge hochladen drauf, weil oft das wlan nicht so richtig funzt. an anderen tagen lassen wir uns einfach ein bisschen treiben. schlendern durch die gassen, sitzen, kucken und saugen auf.

home stay wechsel dich

die ersten zwei nächte in fort kochi waren wir in einem home stay, das uns super gefallen hat. eigentlich wollten wir noch mal einen zweitages-ausflug nach madurai machen. aber am ende wäre es wieder zu umständlich geworden. für 277 km 10 stunden fahrt mit dem bus, einen (!) tempel besichtigen, dann übernachten und den gleichen weg wieder zurück, da wir keinen anderen flug bekommen haben als von kochi nach varanasi. also haben wir in kochi verlängert. leider war das tolle home stay schon ausgebucht und wir mussten zwischendurch umziehen. in die silvester-party-gasse. da hatten wir das ding, dass das zimmer an sich gut war und wir hatten ne tolle terrasse, aber es war laut und irgendwie fanden wir den betreiber nicht sehr sympathisch. manchmal kann man es an gar nichts wirklich festmachen. er war sehr bemüht, aber auf eine art und weise unflexibel und sehr bestimmend. und oft hat man das gefühl, dass sie es einem zwar recht machen wollen, aber dabei nicht merken, wenn es zu viel wird. wir zwei wollen zum beispiel nicht während des ganzen frühstücks smalltalk halten. wir haben uns deshalb für die letzten drei nächte wieder im ersten home stay einquartiert. gini, unsere ansprechpartnerin war etwas irritiert und hat per mail nachgefragt, ob wir uns vertan haben. nein, haben wir nicht. also die rucksäcke geschultert und 800 m durch fort kochi gewandert. allerdings hatten wir diese mal nicht so viel glück. unser zimmer ist nicht so ruhig wie beim ersten mal und es ist nicht so „moskitodicht“. ebbs isch halt immer. aber dafür ist das frühstück bombe und günstig und ich wurde sogar von bastian, dem chef, schon mit süssspeisen beschenkt, weil ich ihn gefragt hatte, wie der blonde hanf heisst. eine packung original soan papdi.
ich war ganz gerührt : )

der süden gefällt uns beiden besser als der norden. wobei der norden definitiv die schöneren sehenswürdigkeiten hat. soweit wir das beurteilen können. der süden ist insgesamt entspannter. hier in kochi liegt das wohl auch wieder an dem stadtteil, in dem wir gelandet sind. kochi selbst wäre jetzt auch nicht so unser ding. nur die hitze bzw. die schwülwarme luft macht uns ein bisschen lethargisch. und im moment ist winter. im sommer würde ich das auf dauer nicht aushalten. man freut sich fast schon ein bisschen auf die kühleren temperaturen in nepal.

der fischflüsterer

nachmittags sind wir richtung fähre gelaufen. wir haben gehört, dass es eine kleine insel mit schönem strand geben soll, wo man vielleicht sogar baden kann. den cherai beach auf fort vypin. das ticket für die fähre kostet unfassbare 3 rupie (4 cent). das lustige ist, die überfahrt dauert ca. 5 minuten. wenn überhaupt. als wir ankommen erfahren wir, dass die fahrt mit dem tuk tuk für unser budget zu teuer ist und der günstigere bus 2 stunden bis zum strand braucht. okay. das wussten wir nicht. dann sind wir schon zu spät dran. aber: planänderungen gehören zwischenzeitlich zu unseren leichtesten übungen.

auch auf dieser seite gibt es die legendären chinesesischen fischernetze, an denen wir vorbei schlendern und schließlich einen fischer beobachten, der sein glück mit einem von hand ausgeworfenem fischernetz versucht. wir sind fasziniert von der ausgefeilten technik wie er sein netz wirft, es langsam an land zieht, es dann über den sand gleiten lässt und nach und nach schaut, was der wurf ihm eingebracht hat. danach breitet er das netz mit dem fuss wieder aus und legt es sich geschickt für den erneuten auswurf zurecht, damit es nicht verheddert. neben uns bleiben immer mehr leute stehen und der fischer schaut immer wieder zu uns hoch. es ist nicht ganz auszumachen, ob er die aufmerksamkeit genießt oder eher verunsichert ist. ab und an zieht er ein paar kleine fische aus dem netz, einen krebs und dann greift er plötzlich in seine tüte und zieht einen großen fisch heraus, den er uns stolz und breit grinsend präsentiert. das ist so süss und wir zuschauer raunen begeistert.

auf einer treppe sitzend genießen wir unseren samosa-snack (suchtpotenzial) und teilen den teig mit fünf krähen, die von mir immer alle liebevoll ‚herr schwarz‘ genannt werden. mit der fähre wieder übers meer und zu fuss richtung restaurant. auf dem weg dahin treffen wir ein paar junge inder, die einen videofilm drehen. nein, keine bollywood-produktion, meinen sie lachend. das nette paar hat vor kurzem geheiratet und der film ist eine erinnerung an den tollen tag und soll statt dankeskarten an alle gäste verschickt werden. tolle idee finden wir, aber auch ganz schön aufwändig wie sich später herausstellt. zwei der jungs wollen zum abschied noch ein selfie mit uns.

lila stunde an der promenade

den verdauungsspaziergang machen wir, zusammen mit vielen einheimischen, unten an der promenade. am abend herrscht hier immer eine ganz besondere stimmung. die menschen wirken so ausgeglichen und zufrieden. alles wirkt gedämpft. das licht, die stimmen. wir setzen uns an einen baum und beobachten die szenerie. es werden geröstete nüsschen genascht, kleine prinzessinnen kleckern sich eis aufs kleidchen, drachen steigen in die luft und unten am meer entdecken wir die videofilmer, die gerade eine romantische szene am strand drehen. sie winken zu uns hoch und kurze zeit später kommen wir ins gespräch. die stolze braut zeigt uns auf ihrem handy den teaser, den sie schon fertig haben, und hey, da war ein profi am werk. schon allein vom teaser bin ich restlos begeistert. und tatsächlich gibt es auch einige tanzszenen, die sie eingebaut haben. wir überschütten die zwei und den produzenten-freund mit lob und er ist sichtlich erfreut über unsere hymne. dann werden wir noch ein bisschen ausgefragt: was wir arbeiten. ob wir verheiratet sind. wieviel meine kamera gekostet hat. wo wir schon waren. wo wir noch hingehen. warum wir in xy noch nicht waren. wie wir indien finden. und das essen. ob es uns nicht zu scharf ist… die zwei selfie-jungs sprechen leider kein englisch, schauen nur fasziniert und der eine umarmt stefan später zum abschied. so goldig.

mit dem boot ins grüne paradies

am nächsten tag werden wir um 6.30 uhr passend zum tagesprogramm von „kleinen wellen“ geweckt. der name meiner wecker-melodie ; ). kerala, der bundesstaat in dem wir uns im moment befinden, ist wohl am meisten für seine backwaters bekannt. ein verzweigtes netz an wasserstraßen, die man mit verschiedenen booten erkunden kann. es gibt unterschiedliche touren, die man vorab bucht. wir haben uns aus budget-gründen für eine dreistündige tour entschieden. außerdem haben wir schon von einigen gehört, dass die mehrtägigen hausboot-touren zwar schön sind, aber das preis-leistungsverhältnis nicht ganz stimmig ist.

das frühstück ist für 7.30 uhr angesetzt, um 8 uhr solls los gehen. german pünktlichkeit: um 7.20 uhr sitzen wir am frühstückstisch. ein kleines anekdötchen: während wir unser bombenfrühstück heute eher fastfood-mäßig genießen, schlorpt aus einem nachbarzimmer eine inderin mit der zahnbürste im mund zum öffentlichen waschbecken neben uns, spuckt mit schmackes den flüssigen inhalt ihres mundes aus und zieht fussballermässig ihre nase hoch… ihr kennt dieses geräusch, oder? wir sitzen kopfschüttelnd am tisch. der inder an sich rülpst und fabriziert dieses geräusch ungeniert in der öffentlichkeit. und zwar sowohl männer als auch frauen. sehr sexy. aber: andere länder, andere sitten. ist halt so.

im auto das uns zum ausgangspunkt bringt, lernen wir eine neuseeländerin und ihren indischen freund kennen. die zwei sind von udaipur mit dem auto in den süden gestartet. wir unterhalten uns nett, tauschen uns ein bisschen über indien und japan aus (ihr lieblingsland) und erzählen uns ein paar erlebnisse von der bisherigen reise. nach einer stunde fahrt teilen wir uns mit den beiden unser ca. 60 jahre altes boot aus dem holz des jackfruchtbaumes (by the way stefans lieblingsfrucht). ich bin verblüfft, als die schöne neuseeländerin unseren guide als erstes fragt, ob es krokodile in den backwaters gibt. verblüfft, da wir erstens die frage berechtigt finden, da es in costa rica in den mangroven auch krokodile gibt, und zweitens habe ich die ganze nacht davon geträumt, dass ich mit krokodilen kämpfe. okay. der traum war nicht blutig oder so. aber es war anstrengend und keiner von beiden, also weder das krokodil noch ich, hat gewonnen. unentschieden. noch!
unser guide verneint allerdings. keine krokodile. nur frösche. und vielleicht ein paar wasserschlangen. er erzählt uns, dass die seitenarme vor ca. 100 jahre per hand ausgebuddelt wurden.

unser steuermann lenkt uns in einen schmalen seitenarm und wir tauchen ein in das grüne licht und lassen uns fallen. ich liebe es. es passt einfach alles zusammen. die vielfalt der natur, winzige fische im klaren wasser, dschungelgeräusche von vögeln und fröschen. an land stehen einige häuser, wäsche trocknet in der sonne, die menschen lächeln und winken, hier und da wird gewerkelt. einige frauen erledigen am wasser ihre wäsche. am ufer sehen wir eine entenschar im putzfieber, ein paar andere paddeln sorglos an uns vorbei. obwohl man hier und da stimmen hört und auch wir uns flüsternd unterhalten, liegt eine meditative ruhe über dem ganzen. ein sanfter wind weht durch die palmen, die blätter klatschen aneinander und scheinen zu applaudieren. der rote und orangefarbene hibiskus verneigt sich über dem wasser.

kulinarische schätze am wegesrand

insgesamt sind wir mit drei booten unterwegs. wir legen an für eine kleine exkursion in sachen einheimische gewürze und früchte und machen uns auf den weg zu verschiedenen pflanzen. als erstes lernen wir etwas über pfeffer, der seine heimat in indien hat. grüner, roter, schwarzer und weißer pfeffer stammen alle von der gleichen pflanze. erst ist die frucht grün, das heißt, grüner pfeffer wird einfach früher geerntet und in salzwasser eingelegt oder gefriergetrocknet. der schwarze pfeffer wird zwischen grün und rot geerntet und dann getrocknet. roter pfeffer ist die fertig gereifte frucht. weißer pfeffer wird ebenfalls aus der roten, fertig gereiften frucht gewonnen, die in salzwasser eingelegt wird. die rote haut fault ab et voila: weißer pfeffer.

vom zimtbaum habe ich schaf leider nur die blätter fotografiert, obwohl es doch eigentlich um die rinde geht. aber ich hatte den anfang der erklärung verpasst bzw. die info, dass es sich um zimt handelt. also einen zimtbaum haben wir auch gesehen. er hat zauberhafte blätter ; ) dann der jackfrucht-baum mit einer klitzekleinen jackfrucht, sehr zum leid von stefan, der sich wohl noch bis vietnam gedulden muss, bis er seine lieblingsfrucht kosten kann.

wir lernen den papaya-baum kennen, sehen eine indische vanillepflanze, und landen bei der muskatnuss, die aussieht wie ein kleiner gelber pfirsich. schält man die frucht stösst man zuerst auf den roten samenmantel (macis), der ebenfalls als gewürz verkauft wird. innen wohnt die nuss. die nächsten früchte kennen wir schon. chiku, die breiapfelfrucht, die wir schon zum frühstück hatten. wir zerknautschen lemon blätter die einen unglaublich, frisch-fruchtigen duft verströmen, knabbern munderfrischer-blätter, sehen tamarinde, kurkuma, kakao- und kaffeepflanzen und vieles mehr. alles quasi vor der haustür. nur der ingwer wird uns im topf präsentiert. hm? ein fake-ingwer sozusagen.

zurück im boot darf ich nun vorne sitzen, damit ich besser fotografieren kann. sehr nett : ) die sonne steht inzwischen hoch über uns. schmetterlinge flattern an uns vorbei, knallrote libellen schweben wie kleine drohnen neugierig neben uns und verschwinden wieder, die schwimmpflanzen tanzen im sog des ruders ringelreihen. zum ende der fahrt nehmen wir wieder mehr alltagsgeräusche war. zwei frauen, die sich unterhalten, ein tuk tuk knattert über die brücke, in der ferne hört man handwerker… kurze zeit später sitzen wir wieder im auto und sind mittendrin im stadtverkehr. wieder eine andere welt.

samosa-sucht

in fort kochi angekommen sind wir, genau, mal wieder hungrig und machen uns auf die suche nach unserem lieblingssnack. leider hat unser lieblings-samosa-dealer geschlossen. aber ein anderer stand um die ecke, so hat es der samosa-gott eingefädelt, bereitet gerade die frischesten samosa, die wir je hatten. nicht ganz so köstlich wie aus der kleinen garage, aber auch lecker.

am späten nachmittag begeben wir uns zum sonnenuntergang noch mal auf die fähre, um die fischernetze auf der anderen seite zu fotografieren. wir sind fast schon ein ticken zu spät, aber ein bis zwei gute fotos werden es noch. voller vorfreude laufen wir zum fischrestaurant direkt am strand und werden heute leider etwas enttäuscht. der fisch ist nicht so richtig lecker. schade. aber man kann eben nicht immer glück haben. wobei. irgendwie ja doch ; )

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kommentare

    1. oder untervermieten : ) ja, es ist krass und wir können es immer noch nicht richtig glauben, dass es erst der anfang ist…

  1. Hallo Christine und Stefan!
    Es freut uns zu hören dass es euch gut geht und euch Kerala gefällt. Wie war eigentlich die Bahnfahrt nach Kochi. Habe darüber nichts gelesen. Kurz nach eurer Abfahrt kam eine sms mit der Confirmation für die Sitzplätze. Scheint ja alles geklappt zu haben. Nun ist mir auch klar warum sich die Fisch Verkäuferinnen am Fisch Großmarkt nicht Fotografieren ließen. Sie gehen ihrer Tätigkeit illegal nach und wurden in den letzten Tagen mehrmals von der Polizei unsanft entfernt. Bei uns gibt es nichts Neues. Haben mit der Vermietung wieder Glück gehabt. Ein nettes junges Paar mit kleinem Kind. Alles Gute H&E

    1. hallo hans! schön, von euch zu lesen. die bahnfahrt nach kochi war sehr abenteuerlich. den beitrag dazu findest du hier:
      https://fernwaerts-blog.de/neues/indien-weihnachten-in-goa-und-zugfahrt-nach-kochi/
      wir sehnen uns ab und an nach unserem schönen teilzeit-zuhause in goa und freuen uns, dass ihr weiterhin gute erfahrungen sammelt. ja, die fischersfrauen. dann war nicht nur das fotografieren verboten…
      alles gute euch beiden! genießt die sonne, den tollen strand, bleibt gesund und liebe grüße an alle in fatrade!

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