indien. delhi
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indien ׀ buntes, lautes delhi

3. Dezember 2017

oh mein gott! ich glaube, ich war noch nie so aufgeregt wie am 30. november 2017. tag der abreise. erstaunlicherweise haben wir beide gut geschlafen, aber dann… mir war den ganzen tag super übel und ich hatte tatsächlich kurz einen fluchtgedanken: vielleicht doch lieber ein jahr in bayern untertauchen? war das wirklich die richtige entscheidung? und warum bitte gleich ein ganzes jahr? hätte nicht die hälfte gereicht? nein, irgendwie nicht. und was soll ich sagen, als wir dann am bahnhof standen, kam das fette grinsen zurück. und die vorfreude. und die euphorie. es geht endlich los!

umzingelt von rucksäcken machten wir uns auf den weg. mein backpack wiegt 15 kg. mein daypack gefühlt nicht weniger. gleich im flugzeug hatte ich dann später schon die ersten berührungspunkte mit indien. neben mir saß ein junger inder, der außer einem gesegneten appetit auch die neigung hatte im schlaf immer zu mir rüber zu fallen. mit schlafen war da nicht viel. ständiges antippen und dabei immer freundlich bleiben.

land nummer 1: indien

um ca. 9:30 (ortszeit) ankunft in delhi. schon vom flugzeug aus sahen wir die dunstglocke über der stadt und beim aussteigen stieg uns gleich der beissende gestank in die nase. smog! wohl besser als noch vor ein oder zwei wochen, aber für unsere schwarzwaldnäschen immer noch viel zu viel. selbst durch das flughafengebäude waberte eine wolke aus dunst und gestank. puh! das ist heftig. draußen ist es laut. sehr laut. wildes gehupe, stimmengewirr. vor dem flughafen passierte alles wie vom hostel und reiseführer angekündigt. man bot uns ein taxi an. nachdem uns der taxifahrer um die adresse und telefonnummer des hotels gebeten hatte wurde im hostel angerufen. der hörer wurde uns sogar weitergereicht. die stimme am anderen ende erklärte uns, das hostel hätte aufgrund der luftverschmutzung geschlossen. ne, ne freunde. nicht mit uns. wir hatten wie gesagt davon gehört. die masche wird öfter benutzt um die touristen in andere hotels zu locken und die taxifahrer kassieren dann eine provision. deshalb haben wir uns dann doch in die meru-taxi-schlange eingereiht und wurden zu einem fairen preis und ohne umwege in unser hostel gefahren. und das ist schon ne erfahrung für sich. dieser verkehr. ich dachte immer das autofahren in paris wäre krass. weit gefehlt. in delhi herrscht ein einziges chaos. wer nicht hupt, kann zuhause bleiben. wer nicht drängelt und dicht auffährt, hat keine chance. das erstaunlichste dabei ist, dass es immer glimpflich ausgeht. und noch erstaunlicher ist, wie ruhig die fahrer dabei bleiben. überhaupt sind die menschen sehr entspannt zu der vergleichsweise gestressten stadt. stefan meinte, ich könnte hier auch taxifahrer werden weil ich auch immer etwas dicht auffahre und spät bremse. aber das mit der ruhe – das müsste ich noch lernen. ich werde zwar immer ruhiger und ausgeglichener (außer vor weltreisen), aber im straßenverkehr fluche ich noch immer wie ein – naja, lassen wir das.

delhi hat sich verändert

stefan war vor ca. 10 jahren das erste mal in indien und ist überrascht. das straßenbild hat sich sehr verändert. bessere straßen, weniger müll. positiv überrascht also. bis auf die nebelwand.

die zweite überraschung ist unser hostel. the madpackers hostel. ein cooles haus, das hostel über mehrere stockwerke verteilt und ein herzliches team bestehend aus ca. 10 (?) jungen indern. die jungs und viele inder sprechen zwar englisch, aber eben mit diesem indischen slang. manche verstehe ich überhaupt nicht und kann lediglich wortfetzen verstehen. andere wiederum sprechen klarer und nicht ganz so schnell. ist mir voll peinlich, dass ich sie oft nur fragend anschaue. aber was tun? leider sind wir etwas zu früh und müssen erst noch zwei stunden warten, bis wir unser zimmer beziehen können. bei dieser gelegenheit entdecken wir die wunderschöne dachterrasse mit viel grün (siehe instagram-bilder). glücklicherweise hat man das gefühl, die luft ist oben viel besser. also packen wir unsere müden knochen auf zwei stühle und nicken beide ein.

das erste bett gleich ein glücksgriff

unser zimmer ist riesig, das bett super und wir haben ein eigenes bad. gut, das mit der sauberkeit ist so eine sache. nach vielen diversen aufenthalten in hotels, airbnb-unterkünften in verschiedenen städten und ländern fällt auf, dass der deutsche an sich sehr pingelig mit der hygiene ist. ich sag mal so: ich habe es mir schlimmer vorgestellt. sowohl im hostel als auch in der stadt. aber, da die luft wirklich übel ist und wir nach kurzer zeit in delhi schon beide ein halskratzen haben und mir die stimme weg bleibt, beschließen wir, nur zwei nächte in delhi zu bleiben. nachmittags müssen wir erst mal ein bisschen schlaf nachholen. abends ein kurzer spaziergang in der hood (nachbarschaft) und ein kleines abendessen im hostel. nur vegetarisch. aber superlecker! eine bezaubernde spanierin setzt sich auch an den tisch, holt ein paar feuchttücher aus der tasche und fängt an, den tisch abzuwischen. keine gute idee! „don’t do that“ ist der o-ton aus allen ecken, als sie mit großen augen das benutzte tuch anschaut. zu allem übel explodiert dann noch ihre cola-flasche. sorry, aber ein lustiger moment.

stadtbesichtigung ohne mundschutz

am nächsten morgen gibt’s schnell ein frühstück und dann auf in die stadt. mit dem tuk tuk geht’s hupend und durch den verkehr kriechend zum india gate, von dort weiter richtung connaught place. da wir nur einen tag haben, nehmen wir uns einen fahrer, der uns durch die stadt zu den sehenswürdigkeiten kutschiert. während der fahrt erzählt er uns von seinen kindern: drei töchter und einen sohn. die töchter sind bereits alle über 20 jahre alt und noch nicht verheiratet. das ist ungewöhnlich, erzählt er. normalerweise wird mit 18 geheiratet. arrangiert. Immer noch. ein mann der gleichen religion muss es sein. khan ist einerseits traurig, dass er für seine mädchen noch keine männer gefunden hat. andererseits sagt er auch, dass die hochzeiten viel geld kosten. die billigste hochzeit 7.500 dollar. auf meine frage was denn ist, wenn die ehe nicht funktioniert oder die mädchen total unglücklich sind? ob es denn auch scheidungen gebe? ja, schon. aber da die hochzeiten so teuer sind, ist das eigentlich keine option. zeit für einen wandel meint auch er und antwortet auf die frage welcher religion er angehört: „i’m a human“. ich bin ein mensch.

wir machen also ein rundtour. los geht’s mit dem lakshmi naranyan mandir-tempel. gebaut von einer reichen kaufmannsfamilie ist er der göttin des wohlstands (lakshmi) und ihrem gemahl vishnu (bewahrer des lebens) gewidmet. kann nicht schaden, zu beginn unserer großen reise. im tempel darf man nicht fotografieren, aber draußen werden wir von einer horde jungen verfolgt die unbedingt selfies mit der kamera machen wollen. anfangs noch lustig werden sie bald ein bisschen übermütig und ich muss meinen strengen blick einsetzen und mal kurz laut werden. aber selfies gabs trotzdem (bild 4)

no risk, no fun

unterwegs macht sich der hunger bemerkbar und wir bitten khan uns irgendwo hin zu fahren, wo wir essen können. kein touristenschuppen bitte. die frage ob wir gerne scharf essen bejahen wir. also landen wir mitten in delhi in einem imbiss, in den wir alleine niemals gegangen wären (bild 5). kurz musste ich an die ermahnung von dr. schraeder denken. nichts von der „straße“ essen… es gibt reis mit chicken. lecker und angenehm scharf. khan isst seinen reis mit der rechten hand. für uns gibt es löffel. unser chauffeur gönnt sich noch zwei kleine kokos-desserts, die er genüsslich auslöffelt. „reispudding“, sagt er grinsend und lässt uns kosten.

danach besuchen wir delhis erstes mogul mausoleum, das humayun-mausoleum. besonders interessant fand ich dort, dass der barbier des moguls ebenfalls in einem beeindruckenden mausoleum bestattet wurde. das vertrauen war groß, durfte dieser doch die rasierklinge an die kehle des moguls ansetzen. und wer nicht enttäuscht, kriegt ein cooles mausoleum.

selfie-wahn

bei allen sehenswürdigkeiten hatten wir, wie auch schon vor zwei jahren in myanmar, das phänomen, dass die leute ständig selfies von uns wollten oder uns heimlich fotografiert haben. hm? woran das wohl liegt? vielleicht an stefans heller haut? andrerseits wurde ich auch oft angesprochen. geht das anderen deutschen auch so? habt ihr diese erfahrung auch schon gemacht? das problem ist, hat das einmal angefangen, nimmt das kein ende mehr. deshalb müssen wir oft freundlich dankend ablehnen ; )

next stop war das rote fort (lal qila). delhis grösstes bauwerk aus rotem sandstein. davor menschenmassen (bild nr.), innen hat es sich gott sei dank gut verteilt. aber es herrschte ein buntes treiben und so interessant wie festung waren auch die menschen, die sich darin tummelten.

auf den lotus tempel (bahi’i tempel), eine ikone der modernen architektur, konnten wir nur leider einen blick über den zaun werfen, da er schon geschlossen hatte als wir ankamen. schade. er sah schon aus der ferne ziemlich spektakulär aus.

die rückfahrt zum hostel gestaltete sich etwas kompliziert, da unser fahrer, glaube ich, nicht lesen konnte und nicht wirklich wusste, wohin die fahrt nun geht. unsere navi-app konnte ein bisschen weiterhelfen aber irgendwann stiegen wir doch aus und fragten uns zu fuß durch.

zurück im hostel saßen wir lustigerweise mit fast lauter deutschen beim abendessen und es wurde sich munter ausgetauscht. wer, wohin, wie lange und wieso. sehr lustig und unterhaltsam. dann noch schnell die zugfahrt nach agra für den nächsten tag organisiert, das nächste hostel gebucht, die rucksäcke gepackt und ab ins bett.

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kommentare

  1. liebe christine, so schön, dass ich ein wenig – durch deinen superschönen Reise blog- am abenteuer teilnehmen darf! so spannend, was bei euch alles passiert! ich drück dich ganz fest

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