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indien ׀ langeweile geht ganz anders

8. Dezember 2017

da unser hotel ziemlich schön war, haben wir in agra spontan eine nacht verlängert. leider ist das wetter nicht ganz so wie erhofft. es ist doch relativ kühl, vor allem morgens und abends und heute regnet es auch ein bisschen. wir suchen uns ein tuk tuk und ich sage ihm: zum baby taj. er nickt wissend um kurze später mehrmals anzuhalten und seine kollegen nach dem weg zu fragen. das baby taj (itimad-ud-daulah) ist ebenfalls ziemlich cool. und das gute: es ist nicht so viel los. das bauwerk ist rundherum mit allen möglichen mustern und intarsien versehen. innen ist es shabby chic und man hat versucht, das ein oder andere gemalt mit farbe nachzubessern. schmuckes teil, das kleinere taj, das wohl auch als vorlage für das große taj mahal gedient haben soll, da es das erste mit marmor und einlegearbeiten verzierte bauwerk der mogulzeit war.

party tuk-tuk

kaum betreten wir die straße, klebt auch schon der nächste fahrer an uns und fährt uns, als wäre nicht schon alles laut genug, mit wummernder india-mucke durch die engen gasse von agra zum kinari bazaar. bunte stände mit obst, klamotten, haushaltswaren beleben die straßen. das gewummsel geht hier sogar einigermaßen. wir schlendern bis uns der magen knurrt und fühlen uns dann von einer straßenküche angezogen in der full house ist. beide stockwerke sind voll besetzt. das kann doch kein schlechtes zeichen sein. außerdem bereitet der koch draußen gerade ein gericht zu, das lecker aussieht. quasi ein crepes mit aufstrich, dass dann gerollt wird. das wollen wir haben. dosa ruft man uns zu. zwei freundliche einheimische lassen uns mit an ihren tisch und lachen ein bisschen, als wir unsere dosas und grosse augen kriegen. nichts drin. der aufstrich fehlt. die frau sagt etwas zum kellner und kurz darauf bringt er uns zwei schälchen. jetzt isses komplett. masala dosa zum selber bauen. dazu gibt es eine scharfe sosse mit fett chili drin (stefan und dem inder stehen die schweißperlen auf der stirn) und eine weisse sosse. das gericht stammt aus südindien lesen wir auf der karte. sehr lecker! zum nachtisch gibt es dann noch was süßes vom straßenverkäufer.

straßenhunde gehören in indien genauso zum stadtbild wie die heiligen kühe. ich habe auch schon erlebt, dass sie zum teil von den einheimischen mit keksen gefüttert werden. und wir haben noch keinen aggressiven erlebt. zumindest nicht gegenüber menschen. die heiligen kühe sind da anders. die stupsen schon mal, wenn ihnen was nicht passt. wir streifen noch ein bisschen durch die gassen, bis wir uns wieder in ein tuk tuk pflanzen. ja und dann haben wir wieder das thema, das unser fahrer wohl nicht lesen kann, sich aber andererseits auch die fahrt nicht entgehen lassen will. also fahren wir los und am ende muss er immer mal wieder fragen, wo es lang geht. totale verwirrung und am ende ist er wohl etwas enttäuscht, weil er für den vereinbarten preis so weit fahren musste. wir hoffen, er hat wieder heim gefunden und irrt nicht immer noch in den straßen von agra umher.

das internet im hotel funktioniert seit 2 tagen nicht. das signal ist zwar da, aber es geht nüscht. der bankautomat um die ecke leider auch nicht. deshalb gibt’s es noch einen abendspaziergang von 2 km zum nächsten automat. die app lotst uns durch gassen, durch die man sonst nie kommen würde. die bewohner sind eigentlich immer freundlich. kucken, grüßen zum teil, lächeln. ein kleiner junge mit blick nach unten kommt uns singend entgegen. als er kurz vor uns ist schaut er auf, sieht stefan und erstarrt. zu süß.
der andere bankautomat geht leider auch nicht. mist. da es mittlerweile ziemlich heftig regnet lassen wir uns heim chauffieren.

home stay mit familienanschluss

unsere unterkunft heißt home stay. asha sagte uns beim „einzug“ wir sollen uns wie zuhause fühlen. die familie ist wirklich sehr nett und bemüht, den gästen einen tollen aufenthalt zu bieten. als mir ihr mann abends anbietet mit ihr batura zu kochen gehe ich mit in ihr haus. zusammen gekocht haben wir weniger, da alles schon fertig war und sie mir dann nur zeigte, wie man die fladen füllt und in der pfanne backt. anschließend bekam ich noch eine kleine tanzaufführung von ihrer tochter und eine modenschau, an der sich auch der kleine männliche nachwuchs beteiligte. und, so sehr ich mich auch wehrte, ich musste natürlich einen sari anprobieren. wer mich kennt weiß, „verkleiden“ ist so gar nicht mein ding. aber was macht man nicht alles für glückliche gastgeber. ; )

in fünf stunden mit dem a/c bus nach jaipur

happy nikolaus. zur feier des tages gibt es sogar ein bisschen blauen himmel. den haben wir bisher vermisst. schön ihn endlich mal wieder zu sehen. unser bus nach jaipur fährt um 11.30 uhr. wir finden den winzigen ticket-schalter und steigen dann in den schon etwas ramponierten bus. im reiseführer habe ich gelesen, dass die fahrten wohl schon ein bisschen gefährlich sein können. ich denke es ist ganz gut, dass die fahrerkabine abgetrennt ist und man nicht vorne raus sieht. aber die fahrt ist bis auf ein paar krasse bremsmanöver entspannt gelaufen. das ältere paar hinter uns ist die ganze fahrt am futtern. erst gibt es warmes aus der tupperdose, danach ein paar chips. ständig knuspert und schmatzt es genüsslich und die verschiedensten düfte wehen über die sitze. unterwegs sieht man allerlei handwerk. steinmetze, möbelfabriken, autoreifen-verkäufer, frauen die besen binden, geschichtete kuhdung-scheiben… die landschaft verändert sich. berge tauchen auf und allerlei fauna wächst in einem wilden mix. laubbäume, palmen und schilf sind grün, der boden und das gras sind allerdings staubtrocken.

nach 5 stunden fahrt kommen wir in jaipur an. mr. singh vom homestay in agra hat uns netterweise ein hotel gebucht, da wir ja kein internet hatten. eine freundin des hauses, sagte er und das hotel genauso gut, wie das ihrige. außerdem hat er uns einen preis verhandelt, der zu unserem budget passt. super nett und wir sind sehr gespannt. allerdings ist das hotel nicht direkt hinter der busstation, da wir zu früh ausgestiegen sind. kaum sind wir aus dem bus draussen, klebt auch schon ein fahrer an uns dran. stefan sagt ihm, er soll doch bitte mal einen moment inne halten, aber keine chance. also zeigen wir ihm die hoteladresse und er sagt er kennt das hotel. allerdings bringt er uns zum falschen. wieder das lesen/verständigungsproblem. wir rufen ihn zurück und der mann von der reception sagt ihm, wohin er muss. begeistert ist er nicht, aber er fährt uns.

wohnen wie bei maharadschas

beim hotel angekommen erwartet uns frau singh schon. singh ist in indien ein nachname wie müller in deutschland. gefühlt heißt jeder zweite singh. die dame ist stark geschminkt, mit weißem puder eingestäubt und dick lippenstift auf den lippen. sie empfängt uns freundlich, bietet uns tee an und sagt ihrem angestellten bescheid, dass er uns aufs zimmer bringt. wir kriegen die suite, ein kleines upgrade für uns. und das zimmer ist echt riesig (siehe instagram). wir sind fast schon ein bisschen überfordert mit unseren dreckigen rucksäcken und staubigen klamotten. das gemach hat nur ein manko. das bad. kennt ihr das gefühl, dass einem ein zimmer unheimlich ist? so ging mir das mit dem bad. erstens war es ziemlich dunkel, zweitens nicht gerade sehr ordentlich (diplomatisch formuliert) und irgendwie spuky. ebbs isch immer, wie der badner sagt.

taj salat zum abendessen

abends der obligatorische spaziergang durch die hood und essen fassen. wieder eine offene küche mit mehrstöckiger sitzgelegenheit. als hätten wir irgendeine ahnung was wir lesen, studieren wir aufmerksam die speisekarte. am ende bestellen wir uns was mit tomate, ein weiteres gericht auf empfehlung des kellners und naan und reis. als das naan kommt mache ich schon große augen. was ne portion. wir haben viel zu viel bestellt. salat gibt es auch noch. wir fragen den jungen mann am nebentisch ob er was abhaben will? er will nur was leichtes essen, sagt er, da er morgen examen habe. homöopathie erzählt er uns und sieht seine zukunft in einer medizinischen praxis. wir wünschen ihm viel glück und geben essensmäßig alles. unser ober schaut immer mal wieder vorbei und lacht. irgendwann fängt er an, mit seinen fingern unseren salat zu sortieren. unter den tomaten und dem rettich sind nämlich noch gurken versteckt. die zeigt er uns legt sie oben drauf. als er wieder weg ist, lachen wir uns kaputt. haja, kann man mal machen, oder?
vollgestopft (das gabs bisher noch nicht so oft) machen wir uns auf den heimweg. verneinen 1000 mal die frage ob wir ein tuk tuk brauchen. nein, wir wohnen direkt um die ecke. einer der tuk tuk fahrer verwickelt stefan in ein gespräch als ich fotos mache und zeigt ihm sein buch mit den einträgen von gästen. sehr nett. aber er lässt uns nicht gehen. als wir einfach weiterlaufen verfolgt er uns bis vors hotel. dort steht schon der nächste und macht uns mit einer weiteren masche vertraut, wie man kunden in seinen laden lockt. er hätte einen deutschen freund. ob wir ihm einen deutschen brief schreiben können? es ist doch bald weihnachten. seine textilfabrik ist gleich ein paar häuser weiter. in meinem kopf ringen alle alarmglocken. nein, sorry, wir müssen gehen, haben keine zeit. dann wieder der tuk tuk fahrer: wann wir denn morgen los wollen? er fährt uns. wir sagen, wir wissen es noch nicht und verschwinden durchs tor.

oh mein gott. blauer himmel!

der nächste morgen. blauer himmel, bessere luft. weniger dreck. eine steigerung im vergleich zu delhi und agra. und jetzt ratet, wer um elf (!) vorm tor steht? genau. unfassbar. unser tuk tuk-stalker. wir sagen ihm, er kann uns gerne zum amber-fort fahren und zurück. das wars aber dann. keine tagespauschale, nichts sonst. er willigt ein, zu einem guten preis und fährt los. wie ein gestörter. gas. bremsen. gas. bremsen. in jede lücke die er finden kann quetscht er sich rein, rast waghalsig in schlangenlinien mit uns durch die stadt. ich sage ihm er ist crazy. er erwidert, er wäre ein jockey. das bedeutet freiheit. äh ja, aber nicht im strassenverkehr von jaipur.

das amber fort in jaipur ist großartig. wieder gibt es reich verzierte fassaden, eine tolle säulenhalle geschmückt mit elefantenköpfen, und die einstigen gemächer des maharadschas und seiner frau bestückt mit mosaiken aus spiegeln und buntglasscherben. außerdem zahlreiche, wild verschachtelte, räume und zimmer durch die man gehen kann. riiiesig.

diese inder

so langsam überlegen wir uns, für jedes bild, das man mit uns machen will, 50 rupien zu verlangen. wir könnten uns direkt t-shirts drucken lassen. one selfie – 50 rp. so könnten wir auf jeden fall unsere eintrittsgelder für die sehenswürdigkeiten finanzieren. locker. und nein, machen wir natürlich nicht. aber man denkt schon mal kurz drüber nach ; )
zurück beim fahrer verneinen wir die frage, ob wir nicht doch noch zum monkey tempel wollen. nein, wollen wir nicht. auch nicht zu der fabrik eines freundes. wir wollen zum hotel. also zur fabrik. nein, zum hotel. als wir dann doch an der fabrik des freundes ankommen, steigen wir einfach nicht aus. sorry, aber das geht echt nicht. die verabschiedung wird kurz.

als wir später wieder von einem fahrzeug in ein anderes umsteigen sollen, warum auch immer, bin ich mittlerweile richtig genervt. ich bin echt müde. das ständige diskutieren macht mich fertig. da helfen auch die ganzen vielleicht nett gemeinten sprüche nicht mehr weiter. come to my helicopter. i love the germans. they are so friendly. sorry, grade nicht mehr.

wir besichtigen den stadtpalast (geht so) und laufen beim suchen des palasts der winde über den bazaar. endlich beim hawa mahal angekommen sind meine foto-akkus leer. supi. läuft bei mir. wir haben uns auch schon gewundert, dass die akkus so schnell geladen sind. zu allem übel verpennen wir auch noch, den palast der winde von der anderen seite zu sehen. die defintiv schönere ansicht. ts ts ts. verplant. aber dafür haben wir den sonnenuntergang.

tripolia und chandpole bazaar

wir beschließen zu fuss zurück zu gehen und lassen den bazaar noch ein bisschen auf uns wirken. es gibt viel zu sehen. schmuck, süßkram, viele verschiedene sorten von nudeln, tee und die tollsten gewürze. als wir an mehreren chili-shops vorbei kommen und gerade noch reste zusammengefegt werden ist der geruch nach chili so stark, dass wir beide von der schärfe in der luft husten und niesen müssen. sehr krass. zwischendurch noch schnell ein karfoffeltäschchen mit scharfer sosse schnabuliert. das haben sie echt drauf. wenns schon keine pommes gibt (ich bin schon auf entzug), dann dass.

in einem shop entdecke ich zauberhafte stempel und wir lernen virendra kennen. er ist künstler und schnitzt zauberhafte figuren, macht superschöne stempel und reliefs und ist einfach nur nett. außerdem erstellt er auch horoskope, liest aus deinem gesicht, ist rechtsanwalt und vieles mehr. ein mann mit vielen talenten. der shop ist wohl schon in siebter generation in seiner familie. wir unterhalten uns ein bisschen und ich mag ihn. deshalb frage ich ihn nach seinem traum (siehe menschen ׀ träume).
da es schon spät ist lädt er uns ein, am nächsten tag noch mal auf einen tee vorbei zu kommen, um über den hinduismus zu reden. leider reisen wir da schon wieder ab. also packt er meine stempel ein, gibt uns noch einen rabatt, wir vernetzen uns auf instagram und verabschieden uns mit einem herzlichen namaste.

essen gibt es noch mal in der gleichen straße wie gestern, aber heute haben wir kein glück: das essen schmeckt irgendwie verbrannt. nach feuer oder asche. nicht so toll. danach erstehen wir gleich noch die fahrkarten für den nächsten tag. um 9.30 uhr fährt der bus nach jodhpur.

stefan hat später am abend noch ein längeres gespräch mit mr. hat. so haben wir unseren hotelmanager getauft, weil er gerne hut trägt. und leider ist unser namensgedächtnis mit den indischen namen eher grottig. er ist sehr interessiert an unserer lebensweise. will wissen wie wir wohnen, was wir arbeiten, ob wir haus und kinder haben? was mit unseren eltern ist, etc. er selbst arbeitet 100 km entfernt von seiner frau und seiner familie, die er deshalb nicht sehr oft sieht, aber die er alle finanziell unterstützt. sein monatsverdienst sind 30.000 rupien (ca. 400 euro).

deutschland, heile welt. die grossstädte indiens bringen uns irgendwie echt an unsere grenzen. da kommt alles zusammen. lärm, dreck, armut, umweltverschmutzung. irgendwie von allem zuviel. nur von der sonne und vom himmel zu wenig.

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